Seite 3: „Nicht alle sind so wie die Täter in Köln“

Hat der Fuß­ball mit seiner gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung sogar die Ver­pflich­tung, ein State­ment in der Flücht­lings­de­batte abzu­geben und sich zu posi­tio­nieren?
Das klingt mir zu sehr nach Zwang. Ich kann auch nur für mich spre­chen. Ich habe auch eine solche Geschichte, auch ich bin in ein neues Land gekommen. Des­wegen ist es für mich selbst­ver­ständ­lich, meine Mei­nung zu sagen.

Auch Schalke 04 bezieht mit der Kam­pagne steht auf“ als Klub klar Stel­lung, lädt Flücht­linge zu Spielen ein und sam­melt und ver­teilt Sach­spenden mit dem Pro­jekt Kum­pel­kiste“. Ist Schalke Vor­bild für andere Ver­eine?
Wir leisten schon viel. Einige Spieler unter­nehmen auch ehren­amt­lich etwas. Roman Neu­städter hat zum Bei­spiel zuletzt Flücht­linge in eine Halle ein­ge­laden, mit ihnen trai­niert und Geschenke über­reicht. Aber andere Ver­eine enga­gieren sich auch sehr stark.

Ihr Text in dem Video zu steht auf“ ist sehr emo­tional. Wie ist er ent­standen?
In meinem Fall ist es besser, wenn ich ein­fach rede. Wir hatten über­legt, ob wir einen Text vor­for­mu­lieren, aber ich habe dann ein­fach spontan erzählt. Des­wegen kommt es so authen­tisch rüber.

Welche Mög­lich­keiten haben klei­nere Klubs, die nicht so im Schwein­wer­fer­licht stehen wie Schalke?
Braucht man denn unbe­dingt Auf­merk­sam­keit, um sich zu enga­gieren? Es geht doch nur darum, unseren Mit­men­schen zu helfen. Und nicht darum, in der Zei­tung zu stehen. Als Verein ein Trai­ning anzu­bieten, das ist doch schon eine schöne Sache.

Inwie­fern erschweren die Vor­fälle in der Sil­ves­ter­nacht in Köln die Arbeit für jeg­liche Hilfs­pro­jekte?
Es gibt jetzt natür­lich mehr kri­ti­sche Stimmen zu unseren Pro­jekten. Aber man muss die Leute trotzdem über­zeugen, dass nicht alle so sind wie die Täter in Köln. Die Mit­ar­beiter dieser Pro­jekte auf Schalke helfen jeden­falls alle wei­terhin.

Hat diese Nacht Ihre Sicht auf die Flücht­linge ver­än­dert?
Nein, gar nicht. Die Leute, die wir begleiten und unter­stützen, sind ganz anders. Egal, was in Köln pas­siert ist: Wir dürfen nicht alle unter Gene­ral­ver­dacht stellen. Es wird noch sehr, sehr viel auf uns zukommen. Und wir müssen bereit sein, damit umzu­gehen.