Ham­burger SV gegen Juventus Turin 1983, Schalke 04 gegen Inter Mai­land 1997, Borussia Dort­mund gegen Juventus Turin 1997 – Spiele, die Oppa mit ver­bun­denen Augen nach­spielen könnte, so viel hat man von ihnen gesehen und über sie gelesen. Vor dem Klas­siker FC Bayern gegen Inter Mai­land haben wir hier ein buntes Pot­pourri deutsch-ita­lie­ni­scher Fuß­ball­schlachten zusam­men­ge­stellt, von denen einige zu Unrecht aus dem kol­lek­tiven Gedächtnis ver­schwunden sind. Es sind die B‑Seiten der allzu glän­zenden Euro­pa­pokal-Hits.



Inter Mai­land – FC Bayern 1:3
Uefa Cup 1988/89, Ach­tel­fi­nale

Nach der 0:2 Hin­spiel­nie­der­lage in Mün­chen glaubte nie­mand mehr an das Wunder von Mai­land. Die deut­sche Presse höhnte bereits, Heynckes agiere mit seinem tak­ti­schen Zug, drei Spitzen ein­zu­setzen, vor­sint­flut­lich“. So ver­wan­delte sich der Tross des Rekord­meis­ters in eine lus­tige Rei­se­gruppe, sogar die Ama­teure Peter Sirch und Thomas Kas­ten­meier, sowie der Rekon­va­les­zent Lars Lunde durften mit ins San Siro reisen. Das sah nach inter­na­tio­naler Abschieds­fahrt aus. Doch dann drehte der FC Bayern richtig auf: Wohlf­arth, Augen­thaler, Weg­mann, nach 41. Minuten war das Wunder realer als Madrid. Bayern maschierte bis zum Halb­fi­nale weiter und schei­terte dann an einer anderen ita­lie­ni­schen Mann­schaft: dem SSC Neapel.

FC Vor­wärts Berlin – FC Bologna 1:1 n.V.
Euro­pa­pokal der Pokal­sieger 1970/71, 1. Runde

Der Armee­klub FC Vor­wärts war in der Saison 1970/71 wie gemacht für große Euro­pa­po­kal­schlachten. Nach einem 0:0 im Hin­spiel reisten die DDR-Kader­sportler per Son­der­ge­neh­mi­gung nach Ita­lien. Als es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, ging Vor­wärts in die Offen­sive. Mit Erfolg, nach dem 1:1‑Ausgleich kam von den Ita­lie­nern nichts mehr. In der nächsten Runde schmissen die Ber­liner auch noch Ben­fica Lis­sabon raus. Doch das war es dann auch auf Europas Bühne – nur ein Jahr später wurde der Klub zwangs­weise nach Frank­furt (Oder) über­ge­sie­delt.

Ein­tracht Frank­furt – Juventus Turin 1:0 n.V.
Mes­se­pokal 1968/1969, 2. Runde

Das Flut­licht­spiel im November 1968 sollte der Abend von Walter Bech­told werden. 120 Minuten atzte das erst 21-jäh­rigen Mit­tel­feld­ta­lent über den Platz, war vorne wie hinten und stand auch in der 120. Minute gold­richtig. Auf seinen Füh­rungs­treffer fand die alte Dame um den Legionär Helmut Haller keine Ant­wort mehr. Wie auch, der Schieds­richter pfiff Sekunden später ab.

1. FC Lok Leipzig – AC Mai­land 3:1
Uefa Cup 1985/1986, 2. Runde 

Die Leiz­piger hatten sich in der Ver­län­ge­rung gegen APOEL Nikosia mit Ach und Krach in die 2. Runde gemüht. Nun war­tete der AC Mai­land. Klare Sache, dachte die ita­lie­ni­sche Presse und spe­ku­lierte nur über die Höhe des Sieges. In San Siro gewann Milan zwar, aber nicht haus­hoch wie einige wage­mu­tigen Experten ver­kündet hatten. 2:0 hieß es nach 90 Minuten. Im Rück­spiel ent­fachte Lok einen Sturm­lauf und führte zur Halb­zeit durch Tore von Lutz Moldt (6.) und Hans-Jörg Leitzke (20.) mit 2:0. Virdis ver­kürzte zwar kurz nach der Halb­zeit­pause auf 2:1, doch Hans Richter stellte in der 75. Minute den alten Abstand wieder her. Ein wei­teres Tor, das zum Wei­ter­kommen gereicht hätte, gelang nicht mehr. Heute erzählen die Lok-Fans, die damals dabei waren, gerne von dem 17-jäh­rigen Paolo Mal­dini, der in jenen Spielen seine ersten Euro­pa­po­kal­er­fah­rungen machte.

Inter Mai­land – Han­nover 96 8:2
Mes­se­pokal 1960/61, Ach­tel­fi­nale

Han­nover gegen Helenio Her­reras El grande Inter“, das war wie ein Kampf zwi­schen einem Kat­zen­baby und einer Horde hung­riger Pit­bulls. Dem­entspre­chend unschön liest sich die Mes­se­pokal-Bilanz der Roten gegen die Schwarz­blauen. Nachdem man im Hin­spiel mit 8:2 vom Platz gefegt wurde, gab es im Rück­spiel gleich noch eine 1:6‑Schlappe hin­terher. Nach zwei Spielen stand es 14:3 für Inter und in Han­nover war man froh, end­lich wieder Liga­fuß­ball spielen zu dürfen.

Dynamo Dresden – Juventus Turin 2:0
Euro­pa­pokal der Lan­des­meister 1973/74, 1. Runde

Als haus­hoher Favorit reiste der Vor­jah­res­fi­na­list Juve ins male­ri­sche Elb­flo­renz. Vor allem die Gra­nit­ab­wehr um Welt­tor­hüter Dino Zoff sollte den Dynamo-Angrei­fern Angst und Bange machen. Von wegen, Hans Jürgen Krei­sche und Hartmud Schade zeigten Juve, wo der Frosch die Locken hat. Juve kam nicht mehr zurück. 

Carl Zeiss Jena – Cagliari Calcio 2:0
Mes­se­pokal 1969/70, 2. Runde

Ver­mut­lich hatte ein Groß­teil der Cagliari-Spieler noch nie die Namen
Peter Rock und Hans Irm­scher gehört. Doch an diesem Abend wurden die beiden DDR-Natio­nal­spieler zu den fuß­bal­ler­ge­wor­denen Alb­träumen der Ita­liener. Die erholten sich auch im Rück­spiel nicht mehr vom Schock von Jena.


SSC Neapel – Ein­tracht Frank­furt 0:1
Uefa Cup 1994/1995, Ach­tel­fi­nale

Der schwarze Sonntag wenige Tage zuvor: Tor­jäger und Kapitän Anthony Yebaoch wurde mit einer Geld­strafe in Höhe eines Monats­ge­halts belegt, außerdem wurden ihm, Mau­rizio Gau­dino und Jay-Jay-Ock­ocha ein Ver­eins­wechsel nahe gelegt. Schlechte Stim­mung im Klub? Beschis­sener war kaum mög­lich. Und doch blen­dete die Mann­schaft die Que­relen im Klub weit­ge­hend aus. Nach einem Sieg in Neapel stand Ein­tracht Frank­furt mit einem Mal im Vier­te­fli­male des Uefa-Cups. Dort war aller­dings auch End­sta­tion. Gegen Juventus Turin hatten die Frank­furter keine Chance. Der Absturz folgte auf Raten. Brachte man die Saison 1994/95 noch mit Mühen im Grau der Liga über die Runden, ver­ab­schie­dete sich der Klub in der kom­menden Saison aus dem Ober­haus.

Ein­tracht Braun­schweig – Juventus Turin 3:2
Euro­pa­pokal der Lan­des­meister 1967/1968, Vier­tel­fi­nale

Den größten Erfolg auf euro­päi­scher Bühne erlebten die Kicker vom Über­ra­schungs­meister Ein­tracht Braun­schweig so oder so. Doch viel­leicht hatten Ger­wien, Wol­ters, Moll und Co. an jenem Abend etwas zu viel Höhen­luft geschnup­pert. Nach dem 3:2‑Sieg (Peter Kaack traf dreimal, zweimal aller­dings ins eigene Tor) ver­schlum­merte die Ein­tracht im Rück­spiel die Ent­schei­dung. Die Folge: ein Ent­schei­dungs­spiel, das Braun­schweig in Bern verlor. Aus der Traum.

Borussia Mön­chen­glad­bach – Inter Mai­land 7:1
Euro­pa­pokal der Lan­des­meister 1970/1971, Ach­tel­fi­nale

Nun also doch ein A‑Seiten-Hit. Die Geschichte hat einen Bart und ist in wenigen Stich­worten erzählt: Glad­bach über­rennt Inter, eine Büchse fliegt, Bon­in­segna spielt den ster­benden Schwan, Coach Gianni Inver­nizzi gibt Anwei­sungen, dass er sich noch mehr umher rollen soll. Am Ende ist das 7:1 wertlos, weil es annu­liert wird. Schieds­richter Dorpmans gestand Jahre später: Bei den Ita­lie­nern konnte man sei­ner­zeit fast gene­rell davon aus­gehen, dass es sich bei der Aktion um Schau­spie­lerei han­delte. Aber ich hatte keine Beweise.“

VfB Stutt­gart – SSC Neapel 3:3
Uefa Cup 1988/89, Finale

Der Hand­skandal aus dem Hin­spiel war noch nicht ganz ver­daut, als sich der VfB schon wieder der Wun­der­truppe um Mara­dona, Careca und Car­ne­vale gegen­übersah. Wie wilde Stiere legten die Schwaben los und bekamen prompt das 0:1 ein­ge­schenkt. Fortan lief man immer dem Rück­stand hin­terher, Olaf Schmä­lers Aus­gleich in der 89. Minute kam zu spät. In Erin­ne­rung blieb dieser Abend aber auch, weil sich Nea­pels Mit­tel­feld­ge­nius Mara­dona vor dem Spiel auf­rei­zend lässig zum Opus-Klas­siker Life is life“ warm machte und damit unwis­sent­lich einen Klick­gi­ganten für You­tube schuf.

Werder Bremen – SSC Neapel 5:1
Uefa Cup 1989/90, Ach­tel­fi­nale

Die beiden Euro­pa­po­kal­par­tien gegen Neapel gelten bis heute als die besten Werder-Spiele über­haupt. Nie­mand hätte auch nur eine Fisch­fri­ka­delle darauf gesetzt, dass die Han­seaten mit den Super­stars aus Ita­lien Katz und Maus spielen würden. Über das 3:2 im Hin­spiel staunte die Fach­welt, nach dem 5:1 im Rück­spiel wun­derte sich der ganze Erd­ball. Die Namen Riedle und Rufe raunt man sich bis heute in den Gassen Nea­pels ehr­fürchtig zu.

1. FC Nürn­berg – AS Rom 1:3 n.V.
Uefa Cup 1988/89, 1. Runde

Die kleine Sen­sa­tion war zum Greifen nahe: 2:1 hatte der Club in Rom gewonnen (Tor­schützen: Dieter Eck­stein und Sou­leyman Sane). Doch schon vor dem Spiel warnte der Kicker: Zum Mauern reicht das nicht.“ Genau das ver­suchten die Nürn­berger aber. Und auch wenn Rudi Völler die Stra­tegie nach neun Minuten zunichte machte und zur Römer Füh­rung traf, spielte Nürn­berg lethar­gisch und ver­un­si­chert. Dieter Eck­stein glich zwar durch einen Elf­meter aus, doch Poli­cano traf zum 1:2. In der Ver­län­ge­rung machte Renato das 1:3. Nürn­berg war in der 1. Runde aus­ge­schieden – doch Kopf hoch, anderen Klubs wie Trakia Plovdiv, Ban­jasz Tatab­anja und Ikast FS erging es genauso.

Hansa Ros­tock – Inter Mai­land 2:1
Uefa Cup 1969/70, 2. Runde

30.000 im Ost­see­sta­dion und schon nach zwei Minuten drohte die Kogge zu sinken: Bon­in­segna machte das frühe 0:1. Würde nun das Schüt­zen­fest beginnen? Mit­nichten. Die Ros tocker zogen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Durch Tore von Her­ge­sell (64.) und Sack­ritz (90.) drehten die Under­dogs das Spiel – und klopften an die Tür zum Ach­tel­fi­nale. In San Siro verlor Ros­tock aller­dings mit 0:3. Zuschauer dieses Mal: 2500.

For­tuna Düs­sel­dorf – AC Turin 3:1
Uefa Cup 1974/75, 1. Runde

Von einer harten Nuss“ schrieb der Kicker nach der Aus­lo­sung. Doch die For­tuna stellte sich mehr als gut an. In Turin gelang ein acht­bares 1:1, und im Rück­spiel sorgten Zim­merman, Seel und Geye für ein 3:1. Das klingt zwar nach lockerem Wei­ter­kommen, doch der Kicker berichtet von einem häss­li­chen Spiel: Die Turiner hackten und traten nach allem, was sich in ihrem Straf­raum bewegte.“ Zudem sollen in dem Spiel zwei Bälle kaputt gegangen sein. Die Kopf­bilder dazu; Grät­schen, Stolle, her­unter gelas­sene Stutzen, Bärte, Schweiß und nass­feuchter Rasen.

AC Mai­land – 1. FC Saar­brü­cken 3:4
Euro­pa­pokal der Lan­des­meister 1955/56, Ach­tel­fi­nale

Dadurch dass Saar­brü­cken durch den poli­ti­schen Status des Saar­landes nicht am regu­lären deut­schen Liga­be­trieb teil­nehmen konnte, war die Mann­schaft Mitte der 50er Jahre ständig unter­wegs. Die Elf machte Freund­schafts­spiele in Rio de Janeiro, in Sao Paulo, sie spielte in Liver­pool 1:1 oder gewann 4:0 im Ber­nabeu gegen Real Madrid, die seit zwölf Jahren kein Heim­spiel mehr ver­loren hatten. Die beste Mann­schaft der Welt? Glaubt man dem dama­ligen Mit­tel­stürmer Her­bert Bin­kert war es tat­säch­lich so: Wir waren in aller Munde.“ Der dama­lige Fifa-Prä­si­dent Jules Rimet soll in einem Inter­view sogar gesagt haben: Die inter­es­san­teste Mann­schaft des Kon­ti­nents kommt aus Saar­brü­cken.“ In die Par­tien gegen den AC Mai­land ging der 1. FC Saar­brü­cken trotzdem als Außen­seiter. Die Mila­nisti boten mit den Schweden Gunnar Nordahl und Nils Lied­holm schließ­lich den besten Sturm Europas auf. Doch, Sen­sa­tion, Sen­sa­tion! Der FCS gewann in San Siro mit 4:3. Und auch wenn das Rück­spiel zu Hause mit 1:4 ver­loren ging, erzählt man sich noch heute von dem letztes hellen Fla­ckern der Saar­brü­cker Wun­derelf. Denn in den kom­menden Jahren folgte der rapide Abstieg – die Mann­schaft, über die einst die ganze Welt sprach, konnte sich 1963 nicht mal für die Bun­des­liga qua­li­fi­zieren.

—-
Nie­mals nichts ver­passen! Bestelle hier den 11freunde.de-Newsletter kos­tenlos und gewinne mit etwas Glück ein 11FREUNDE-Jah­resabo!