Hans-Jörg Butt sagte mal, er könne Dimitar Ber­batov ewig beim Trai­ning zugu­cken. Und wer will ihm schon wider­spre­chen?
 
Nie­mand ging mit dem Ball so behutsam um wie der Bul­gare, nie­mand pflückte 60-Meter-Pässe so ele­gant aus der Luft. Wenn man ihn in seinen besten Phasen spielen sah, glaubte man sofort, dass er jeden erdenk­li­chen Gegen­stand auf seinem Fuß stun­den­lang jon­glieren könnte: eine Ming-Vase, ein Ele­fan­ten­baby, ver­mut­lich sogar Regen­tropfen. Und selbst einen Pflas­ter­stein hätte er mit der Brust ange­nommen und per Seit­fall­zieher dorthin gepasst, wo er gerade drin­gender benö­tigt wurde.

Mitt­ler­weile kickt Ber­batov in Grie­chen­land für PAOK Salo­niki. Am ver­gan­genen Wochen­ende sah er 38 Minuten nach seiner Ein­wechs­lung gegen AEK Athen die Rote Karte. Zuvor hatten grie­chi­sche Jour­na­listen behauptet, der Bul­gare habe keine Lust mehr für PAOK zu spielen. Er wolle daher seinen Abgang erzwingen. 

Am Dienstag führte der Fuß­baller Dimitar Ber­batov (DB) schließ­lich ein Inter­view – mit dem Jour­na­listen Dimitar Ber­batov (JDB). Ähn­lich­keiten dürften rein zufällig sein. Er ver­öf­fent­lichte es auf seiner (auch sonst ganz lus­tigen) Facebok-Seite. Lest es hier in der deut­schen Über­set­zung:

JDB: Hi, wie fühlen Sie sich?

DB: Hi. Grund­sätz­lich ganz gut, aber ich bin ent­täuscht. Wir haben gegen AEK ver­loren und ich bin vom Platz geflogen.

JDB: Zurecht?
DB: Ja. Mein Gegen­spieler hat mich fest­ge­halten, des­wegen konnte ich mich im Straf­raum nicht in eine bes­sere Posi­tion bringen. Ich war sauer, da habe ich ihn geschlagen.

JDB: Ein Fest­halten recht­fer­tigt es aber nicht, jemanden zu schlagen. Das gehört zum Fuß­ball dazu.
DB: Da haben Sie Recht. Das ist nichts Posi­tives, was bei meiner Art, Fuß­ball zu spielen, mit­schwingt. Aber jeder kann mal die Beherr­schung ver­lieren und etwas Unüber­legtes tun wäh­rend des Spiels.

JDB: Warum waren Sie denn sauer?
DB: Weil AEK nicht die bes­sere Mann­schaft war, aber trotzdem ein Tor gemacht hat. Weil ich ich gespielt habe und der Mann­schaft nicht helfen konnte. Es war ein Derby und ich bin gerade wegen sol­cher Spiele zu PAOK gekommen, um dem Team mit meiner Qua­lität und Erfah­rungen helfen zu können – und nicht, um auf der Bank zu sitzen und nichts zu tun.

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JDB: Sind Sie ent­täuscht des­wegen?
DB: Ja. Wenn ich nicht spiele, kann ich nicht glück­lich sein. Das Pro­blem ist, dass ich es in diesem Fall an einem Kol­legen der anderen Mann­schaft aus­ge­lassen habe. Ich bin eigent­lich kein Spieler, der Kon­flikte sucht, das ist Fakt. Aber in diesem Fall ist das Gegen­teil pas­siert, wofür ich mich ent­schul­digen möchte.

JDB: Und jetzt?

DB: Jetzt trage ich die Kon­se­quenzen dafür: drei Spiele Sperre. Und des­wegen ent­schul­dige ich mich auch bei meinem Team.

JDB: Einige Medien behaupten, dass Sie nicht mehr für PAOK spielen wollen?
DB: Das ist genau der Grund, warum ich gerade Ihnen ein Inter­view gebe – und nicht den Jour­na­listen, die diese dummen Sachen in die Welt setzen. Das ist nicht wahr. Mit dieser Art der Bericht­erstat­tung ver­su­chen einige, der Mann­schaft zu schaden. Sie sagen: Schau dir den an, er will nicht mehr spielen, des­wegen han­delt er sich die Rote Karte ein.“ Das ist aber natür­lich nicht richtig. Die Wahr­heit ist fol­gende: Ich habe immer noch Spaß am Fuß­ball. Wenn ich aber nicht spiele, bin ich sauer und ent­täuscht. Ich kann keine Freude daran emp­finden, dass ich nicht spiele. Der Verein zahlt mir gutes Geld, wenn man beachtet, was der­zeit in Grie­chen­land pas­siert. Ich kann PAOK noch auf dem Platz helfen – mit meiner fuß­bal­le­ri­schen Qua­lität, die ich habe und in meiner Kar­riere gezeigt habe. Wenn meine Lei­den­schaft für Fuß­ball irgend­wann nach­lässt und ich nicht mehr sauer bin, her­um­schreie und auf dem Platz ges­ti­ku­liere, dann gewinne ich dem Fuß­ball auch nichts mehr ab – oder dem Team, für das ich spiele. Dann ist die Lei­den­schaft weg. Aber soweit ist es noch nicht. PAOK ist jetzt mein Verein, ich kämpfe für die Mann­schaft, selbst wenn das bedeutet, manchmal eine Rote Karte zu bekommen.