Seite 2: Sanés Defensivarbeit wird zum Musterbeispiel

Eine ähn­liche Szene hatte es schon gegen Liech­ten­stein gegeben. Zweite Halb­zeit, Ball­ver­lust, er geht hin­terher, holt sich den Ball wieder. Da kann man vieles erkennen, was Leroy aus­zeichnet“, berich­tete Flick, der diese Szene in der Ana­lyse des Spiels mit der Mann­schaft noch einmal ganz bewusst gezeigt hatte.

Dass Leroy Sané einmal zum Role Model in Sachen defen­sive Ent­schlos­sen­heit werden würde, das hätte man auch nicht unbe­dingt erwartet. Eher schien er auf dem besten Weg, legi­timer Nach­folger von Mesut Özil in Sachen labb­riger Kör­per­sprache zu werden. Das ganze Land hat sich im Sommer, bei der EM, daran abge­ar­beitet. Mie­se­petrig und unmo­ti­viert, in sich gekehrt und abwe­send, scheu und lau­nisch, ange­fressen und emo­tional sehr labil – all das war über Sané zu lesen.

So lala

Natür­lich hat das auch etwas mit ent­täuschten Erwar­tungen zu tun. Sané galt schon früh als extra­or­di­näre Bega­bung, er ist schnell, drib­bel­stark und in seinen besten Momenten ein­fach unwi­der­steh­lich. Auch wenn der Raum eng ist, ist er immer in der Lage, sich Frei­raum zu ver­schaffen und zum Abschluss zu kommen“, sagt Hansi Flick.

Doch gemessen an seinen unge­ahnten Mög­lich­keiten und der Ablöse von 50 Mil­lionen Euro war die ver­gan­gene Saison, seine erste beim FC Bayern nach der Rück­kehr aus Eng­land, eher so lala. Dass es auch die erste Saison nach seinem Kreuz­band­riss war, hat in der Bewer­tung aller­dings nur eine unter­ge­ord­nete Rolle gespielt. Sané selbst hat Anfang des Jahres in einem Inter­view mit dem Spiegel“ gesagt: Ich habe schon das Gefühl, dass auf mich anders geschaut wird als auf andere.“

Man sagt ja immer, er und ich, wir hätten in Mün­chen unsere Pro­bleme gehabt. Das ist ein­fach Unsinn“

Hansi Flick

Hinzu kommt, dass er ein Spieler zu sein scheint, der Zuspruch benö­tigt und das Ver­trauen seines Trai­ners spüren muss. Bei Flick ist er damit genau an den Rich­tigen geraten. Man sagt ja immer, er und ich, wir hätten in Mün­chen unsere Pro­bleme gehabt. Das ist ein­fach Unsinn“, hat der Bun­des­trainer dieser Tage erzählt. Wir haben keine Pro­bleme gehabt, und wir werden sie hier auch nicht haben.“

Nicht nur, weil Marco Reus wegen Knie­pro­blemen für das Spiel gegen Island aus­fällt, spricht einiges dafür, dass Sané in Reykjavik erneut von Anfang an auf­laufen wird – und zwar wieder auf der linken Seite, wo er erkennbar besser klar­kommt als auf rechts. Und so könnte nach all den Debatten um seine Person tat­säch­lich ein wenig Ruhe ein­kehren. Wenn er so spielt, ist alles gesagt“, hat Hansi Flick über die jüngsten Auf­tritte von Leroy Sané in der Natio­nal­mann­schaft gesagt. Dann sind wir alle super happy.“

Der Artikel erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Ber­liner Tages­spiegel.