Schwä­bisch ist ein schöner Dia­lekt. Vor allem wenn es ums Flu­chen geht. In der dor­tigen Mundart gibt es ganz beson­ders viele spek­ta­kulär klin­gende Aus­drücke der Unzu­frie­den­heit. Des isch doch zum Hen­na­melge“ zum Bei­spiel. Oder All­machds Jen­seids Gottes Dob­bl­wegga“. Oder Des isch a beese Grank­heid“. Was genau diese Flüche bedeuten, können wir an dieser Stelle nicht final erklären. Einer­seits, weil wir sie selbst nicht ver­stehen, ande­rer­seits, weil wir aus Jugend­schutz­gründen leider auch auf die Über­set­zung ver­zichten müssen. Eins steht jedoch fest: die Fans des VfB Stutt­gart werden ob der Leis­tung ihrer Mann­schaft beim Spiel bei Hertha BSC am ver­gan­genen Wochen­ende die ganze Palette dieser Flüche benutzt haben. Denn: Der VfB steckt mit­ten­drin im Abstiegs­kampf. Doch warum eigent­lich?

Es reicht ein­fach nicht“

Die Reak­tion auf das Hertha-Spiel eines VfB-Fans, der das Spiel via You­Tube kom­men­tierte und beglei­tete, sprach Bände. Kochend vor Wut sprach er seiner Mann­schaft jeg­li­chen Ein­satz und jeg­liche Lei­den­schaft ab. Gelinde gesagt. Dass sogar Davie Selke ein Tor gegen uns geschossen“ hat, war für ihn der Beweis, dass seine Mann­schaft jetzt nun wirk­lich nicht mehr zu retten sei. Mit 0:2 hatten die Schwaben das so wich­tige Abstiegs­duell bei der kri­selnden Hertha in den Sand gesetzt. In der Defen­sive prä­sen­tierte sich die Mann­schaft anfällig, in der Offen­sive zu harmlos. Wirk­liche Tor­chancen waren über weite Stre­cken des Spiels Man­gel­ware, auch die all­ge­meine Kör­per­sprache wirkte seltsam apa­thisch. Oder wie es Trainer Pel­le­grino Mata­razzo aus­drückte: Es reicht ein­fach nicht“. 

Auch die sta­tis­ti­schen Werte des Spiels spra­chen in diesem Fall Bände. Wäh­rend der VfB in nahezu allen spiel­tech­ni­schen Aspekten (Abschlüsse, Ecken, gespielte Pässe, Pass­quote etc.) die Nase vorne hatte, wurden sie von der Hertha ledig­lich in drei Punkten geschlagen: Lauf­leis­tung, Zwei­kampf­quote und Tore. Oder um es anders aus­zu­drü­cken: Hertha gab dem VfB Anschau­ungs­un­ter­richt in Sachen Abstiegs­kampf. Gna­denlos effi­zient, dazu eklig und aggressiv gegen den Ball und laufen bis zum Umfallen. Eine Sta­tistik, die sym­bo­lisch für die Saison des VfB steht – spie­le­risch wei­test­ge­hend ordent­lich, aber es wirkt, als hätte die Mann­schaft den Abstiegs­kampf immer noch nicht ange­nommen.

Kein typi­scher Auf­steiger

Als Erklä­rungs­an­satz für diese Theorie dient unter anderem der Ver­gleich zur ver­gan­genen Saison. Als Auf­steiger hatte der VfB für ordent­lich Furore gesorgt und mit einem erfri­schenden und offen­siven Spiel­kon­zept über­zeugt. Die Mann­schaft spielte anders als der typi­sche Auf­steiger“ und sorgte immer wieder für High­lights, wie zum Bei­spiel den 5:1‑Sieg über Borussia Dort­mund. Im Sturm trafen Kalajdzic und Silas wie am Fließ­band, Borna Sosa lie­ferte eine Traum­flanke nach der anderen, Rou­ti­nier Gon­zalo Castro sta­bi­li­sierte das Mit­tel­feld und Gregor Kobel prä­sen­tierte sich als Rück­halt im Tor. Unter dem Strich stand mit Platz neun eine sor­gen­freie Saison, in der mit etwas Glück sogar das inter­na­tio­nale Geschäft mög­lich gewesen wäre. 

Mata­razzo sagte damals, man wolle die Euphorie mit in die neue Saison nehmen und die offen­sive Spiel­idee bei­be­halten. Doch irgendwie wollte das nicht so recht gelingen. Die Abgänge von Kobel und Castro konnten nicht adäquat auf­ge­fangen werden und auf dem Trans­fer­markt wurde Dia­man­ten­auge“ Mis­lintat einmal mehr vor allem mit der Ver­pflich­tung von Talenten aktiv. Unter dem Strich steht des­halb auf Seiten des VfB zwar ein junger, span­nender und talen­tierter, aller­dings auch uner­fah­rener Kader, der nicht über die nötige Ruhe und Erfah­rung zu ver­fügen scheint, die in der Bun­des­liga und spe­ziell im Abstiegs­kampf von Nöten ist. Der Kader scheint nicht richtig aus­ba­lan­ciert. Die Euphorie, sie war schnell ver­flogen.

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