Joa­quim Ale­gret unter­stützt seit seiner Kind­heit zwei Ver­eine: Den FC Girona, den Verein seiner Hei­mat­stadt und den FC Bar­ce­lona. Aus­ge­rechnet dieses Duell hat in der letzten Woche viel Auf­re­gung gesorgt. Denn LaLiga hat bekannt gegeben, dass das kata­la­ni­sche Derby nicht in der Klein­stadt Girona, son­dern in den USA aus­ge­tragen werden soll. Ale­gret merkt man diese Auf­re­gung nicht an, wäh­rend er durch die Straßen Gironas fährt. Er redet ruhig und besonnen: Die Spiele gegen Barça sind immer etwas Beson­deres. Die Fan­lager ver­stehen sich sehr gut, es ist immer ein kleines Fest“, sagt der Vor­sit­zende des Fan­klubs Penya Sal­tenca“ des FC Girona. Er ver­stehe zwar, dass es wirt­schaft­liche Inter­essen gäbe, das Spiel in den USA statt­finden zu lassen, aber: Die meisten von uns tragen beide Ver­eine im herzen. Und wie oft gibt es denn die Mög­lich­keit den besten Spieler der Welt bei uns, im kleinen Estadi Mon­ti­livi zu begrüßen? Wir Fans würden das Spiel sehr gerne in unserem zu Hause sehen.“

Wenn es nach Javier Tebas, dem Prä­si­denten der spa­ni­schen Liga, geht, wird das nicht pas­sieren. In den kom­menden 15 Jahren soll jede Saison ein Spiel der Pri­mera Divi­sión in den USA statt­finden. Girona gegen Bar­ce­lona soll im Januar zur Pre­miere werden. Nie­mand war ein­ge­weiht, als Tebas den Ver­trag mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen Sport­ver­markter Rele­vent Sports unter­schrieb. Nicht die Ver­eine, nicht die Spieler und auch nicht der spa­ni­sche Ver­band. Die Fans sowieso nicht. Und als David Aganzo, der Prä­si­dent der spa­ni­schen Spie­ler­ge­werk­schaft, nach einem Treffen mit Tebas am Montag vor die ver­sam­melte Presse trat, wirkte er genervt. Wir sind empört“, sagte er immer wieder. Javier (Tebas; Anmer­kung d. Red.) sieht den Fuß­ball vor allen Dingen als Geschäft. Wir sehen das Ganze ziem­lich anders.“

Der Fan muss sich geliebt fühlen“

Es war das erste per­sön­liche Treffen zwi­schen Tebas und Aganzo, seitdem der LaLiga-Prä­si­dent den Ver­trag bekannt gegeben und die Spie­ler­ge­werk­schaft dar­aufhin mit einem Streik gedroht hatte. Die Gewerk­schaft warte immer noch darauf, dass sie alle wich­tigen Infor­ma­tionen von der Liga bekomme, erst dann würde dar­über ent­schieden, ob die Spieler streiken, oder nicht. Javier und wir sind sehr weit aus­ein­ander“, sagte Aganzo. Es soll doch nicht darum gehen, was das Beste für die TV-Ver­mark­tung ist, was den Leuten in den USA oder Japan ent­ge­gen­kommt. Der Fan muss sich doch geliebt fühlen. Wir Fuß­baller denken, dass das so nicht mehr pas­siert.“

Anders sehen das die beiden, zumin­dest in dieser Saison, betrof­fenen Ver­eine. Der FC Girona und der FC Bar­ce­lona haben dem spa­ni­schen Fuß­ball­ver­band RFEF gemeinsam einen Brief geschrieben, in dem sie ihn dazu auf­for­dern, die Erlaubnis für das Spiel in den USA zu geben. Denn ohne die Ein­wil­li­gung des RFEF ist der Ver­trag ungültig. Die kata­la­ni­schen Klubs sehen in dem Spiel eine Mög­lich­keit ihre Marke“ auf dem inter­na­tio­nalen Markt besser zu plat­zieren. Der FC Girona, der zu Teilen der Hol­ding des Man­chester-City-Besit­zers Man­sour Bin Zayed Al Nahyan gehört, sagte dazu, dass es eine gute Mög­lich­keit wäre, um zusätz­li­ches Geld ein­zu­nehmen und den Verein bekannt zu machen.