Seite 2: Ein seltsames Paar wie Matthau und Lemmon

Es gibt die Hol­ly­wood­filme mit Walther Matthau und Jack Lemmon, in denen sich die beiden zeit ihres Lebens bekriegen und sich selbst im hohen Alter noch an den Kragen wollen. Immer noch ein selt­sames Paar“, so der Titel ihres letzten gemein­samen Films, hätte auch eins zu eins von Küff­hausen und Bock han­deln können. Jahr­zehn­te­lang gingen die beiden zusammen auf Zeche, sie waren direkte Nach­barn, wech­selten zusammen den Pütt. Als auch die letzten Zechen dicht­machten, musste eine andere Tätig­keit her. Die Berg­leute defi­nieren sich über ihre Arbeit, zu Hause zu sitzen oder krank­zu­feiern, das gilt als ein Zei­chen von Schwäche. So arbei­teten sie zusammen bei einem Indus­trie­ser­vice, putzten die Böden, Kessel und Treppen in Fabriken. Der eine schimpfte auf den anderen, sie tauften sich gegen­seitig Bow­ling­kugel“ und Sab­bel­kopp“. Heute betreut Küff­hausen gehan­di­capte Kinder bei Bus­fahrten, Bock ist Haus­meister in einem Senio­ren­heim. Die Bio­gra­fien mögen sich glei­chen, 30 Jahre Nach­barn, 30 Jahre Arbeits­kol­legen.

Doch das Leben der beiden unter­scheidet sich an einem, dem wich­tigsten Punkt: Der eine ist Schalker, der andere Dort­munder.

Das Derby ist wich­tiger als der Geburtstag

Zwei unter­schied­liche Lieb­lings­ver­eine, das mag woan­ders viel­leicht eine Peti­tesse sein, doch nicht in dieser Ecke der Welt. Hier, wo die Frage Wie geht es dir?“ mit dem Ergebnis vom Wochen­ende beant­wortet wird. Eine Ecke, in der manche Eltern eben nicht stolz der Ver­wandt­schaft vor­führen, wie ihr Spröss­ling schon vor der Ein­schu­lung die Prim­zah­len­reihe auf­sagen kann, son­dern wie er lückenlos die Auf­stel­lung von Schalke oder Dort­mund beherrscht. Und eine Ecke, in der sie dafür nicht Gering­schät­zung, son­dern auf­rich­tige Aner­ken­nung ernten. Hier hängt der Spiel­plan direkt neben dem Kalender an der Küchen­wand. Der Termin des Revier­derbys ist dicker rot mar­kiert als der eigene Geburtstag. Olaf Bock und Heinz Küff­hausen trafen sich in all den Jahren auch nach der Arbeit auf eine Fla­sche Bier am Gar­ten­zaun. Die Leute hier lernen ja kli­schee­gemäß bereits im Brut­kasten, wenn nicht sogar prä­natal, zwei Grund­tu­genden: eben nicht nur datt Malo­chen, son­dern auch datt Klönen, also das Erzählen.

Was den Römern der Ver­samm­lungsort Forum war, ist den Püttro­logen die Trink­halle oder der Gar­ten­zaun. Mein Haus ist dein Haus“ heißt hier Komma ruhich bei mich in Gatten“. Hier ver­quatscht man schon einmal den Nach­mittag, und meis­tens geht es natür­lich um den Fuß­ball, das Grillen oder beides. Der Garten oder die dort befind­liche Laube erfahren Pflege und Ach­tung, als stünden sie nicht im Herzen von Cas­trop-Rauxel, son­dern in der Peri­pherie von Sans­souci. Das hier ist die Schule für Schlag­fer­tig­keit und Poin­ten­si­cher­heit – und so wäre es ver­schenkt, würde man die Anek­doten in indi­rekter Rede oder gar in Hoch­deutsch nach­er­zählen.

Ruhrpott MG 0069 RZ Kopie

Olaf Bock über die ver­passte Meis­ter­schaft 2001:
Ich denk, wir sind Meister. Schön raus ausse Kneipe, und ab nach Hause. Ich denk auf eima: Sauba, ich hab noch ne eis­kalte Kiste Bier zu Hause, ast­rein. Ich komm da rein, da fällt mir alles ausm Gesicht. Bayern an Jubeln, alles scheiße, ich an Heulen wien Schloss­hund. Und der Bayern-Fan, der Nachbar von paar Häuser weiter, iss da drüben an Tanzen. Ich denk, watte ab, du Schwei­ne­sack. Gezz hatte ich noch schön n paar Knall­frö­sche von Sil­vester in Keller, zack, rüber. Und n Kübel Kraut­salat, alles rüber­ge­schmissen. Der iss gesprungen, aber da war Ruhe. Hier iss schon watt abge­gangen teil­weise.

Heinz Küff­hausen über Ottmar Hitz­feld:
Ich hab den Hitz­feld ma rich­tich watt kommen lassen. Hitz­feld war noch Spieler, datt war Stutt­gart gegen Dort­mund. Da hat­tern dickes Foul gemacht, ich hatte son Rochus auf den. Auffem Gang zur Kabine bin ich rüber und hab ihm n paar Takte gesacht. Da wurd er ösig und frech, hat er n Gelben hoch­ge­holt und mir inne Fresse gerotzt. Ich über die Bar­riere und hab ihm voll eine geta­felt. Er sachte: Ich zeig dich an. Ich sach: Hier iss mein Name, Heinz Küff­hausen, kanns mich anzeigen. 30 Jahre später steht mein Ottmar im West­fa­len­sta­dion nach der Meis­ter­schaft und die Spieler und er am Zapfen für die ganzen Fans. Ich mich durch­ge­drän­gelt mitte Elle­bogen nach vorn und ich sach: Na, Ottmar?! “ Er guckt. Nee, ne?! Ker, Heinz, wie geht’s dir denn? Wie viel willse?“ Da hatter gezapft wien Welt­meister. Da sindse alle ausse Socken gesprungen.

Eigent­lich müsste man die beiden Sonntag für Sonntag als Experten in den Dop­pel­pass“ auf Sport1 ein­laden, um die Quote der Sen­dung in die Höhe schnellen zu lassen. Doch Bock und Küff­hausen setzen sich nicht mehr an einen Tisch. Sie haben sich zer­stritten. Nicht eine ein­fache Mei­nungs­ver­schie­den­heit, son­dern eine hef­tige Aus­ein­an­der­set­zung bis vor Gericht hat die beiden end­gültig aus­ein­an­der­di­vi­diert.