Ich hab es ja immer gewusst. Andere mögen der Mei­nung gewesen sein, es man­gele an Talent, ich sei zum Schreien lauf­faul, oder dass man mit so einem Bauch gar nicht pro­fes­sio­nell Fuß­ball spielen könne. Aber ich habe es immer gewusst. Das tech­ni­sche Rüst­zeug, die Eises­kälte vor dem Tor, der Blick für Spiel­si­tua­tionen – ich war immer sicher, dass ich prin­zi­piell in ein Team gehöre, das mit Natio­nal­spie­lern gespickt ist. Oder zumin­dest mit einem. Und wie sehr ich recht hatte. Ha!

Aber der Reihe nach, denn: Eigent­lich hat meine Fuß­ball­kar­riere nie statt­ge­funden. Warum, ist mir schlei­er­haft. War nicht ich es, der einst in einem E‑Ju­gend-Spiel gleich sie­ben­fach gegen die zweite Mann­schaft getroffen hatte? Sollten die beiden errun­genen Halllen-Kreis­meis­ter­schaften in F- und D‑Jugend gänz­lich umsonst gewesen sein? Und was war mit dem gewon­nenen Kreis­po­kal­fi­nale, mit dem mein Sturm­partner Sebas­tian dank seiner zwei Tore meine Jugend­zeit erfolg­reich abrun­dete? War das denn nichts?

Anschei­nend nicht. Offen­sicht­lich waren die Scouts meiner heiß­ge­liebten Ein­tracht aus Frank­furt nur spo­ra­disch in der Nord­hes­si­schen Pro­vinz zugegen, sodass ich umdis­po­nieren und Ger­ma­nistik stu­dieren musste, anstatt mich im Frank­furter Jugend­in­ternat zum Welt­meis­ter­schafts­ka­pitän und ‑Tor­schüt­zen­könig 2014 aus­bilden zu lassen, der mit Seri­en­meister Ein­tracht Frank­furt die Liga auf­mischt. Schade, klar, aber mit der Zeit arran­gierte ich ich damit. Trotzdem, siehe oben, glaubte ich natür­lich wei­terhin unbe­irrbar an meine Profi-Eig­nung und die Chance, sie irgend­wann einmal unter Beweis stellen zu können. Und sei es nur für einen kurzen Moment.

Und dieser Moment sollte kommen, in Person unseres neuen Mit­ar­bei­ters. Mitte des Jahres näm­lich kam Thomas Hitzl­sperger in die Redak­tion, der sich für die Zeit nach der Kar­riere beruf­lich neu ori­en­tieren wollte und des­halb ein Prak­tikum bei uns begann. End­lich ein Fuß­baller auf Augen­höhe, dachte ich und klatschte wis­send ab. Ha! Thomas schwieg. Wenige Tage später ver­ein­barten wir mit der Redak­ti­ons­mann­schaft einen Hob­by­kick gegen die Frei­zeit­mann­schaft eines Bekannten. Ich wusste: Heute würde meine Stunde schlagen.

Ich würde bril­lieren und anschlie­ßend über Thomas’ Kon­takte doch noch im bezahlten Fuß­ball landen. End­lich. Ob er jemanden bei Frank­furt kannte? Mal fragen. Stutt­gart wäre sicher auch eine Option für ein 30-Jäh­riges Nach­wuchs­ta­lent wie mich. Ande­rer­seits: In Wolfs­burg ver­dient man bekann­ter­maßen am besten. Oder viel­leicht doch zu West Ham? Die Pre­mier League ist schließ­lich immer reiz­voll.