Herr Thurk, der Sai­son­start der Ein­tracht ver­lief mit zehn Punkten aus fünf Spielen nahezu optimal. Sie selbst standen aller­dings nur zwei mal in der Start­for­ma­tion. Über­wiegt die Ent­täu­schung oder die Freude?

Wir sind ein Team mit 25 Mann im Kader. Jeder wird gebraucht – auch ich. Ich freue mich natür­lich über unseren Start und hoffe, dass wir in den nächsten Wochen an die zuletzt gezeigten Leis­tungen anknüpfen können.

Vor der Saison wurden Sie mit Racing Straß­burg in Ver­bin­dung gebracht und sollen schon fast weg gewesen sein. Wie kon­kret war die Wech­sel­ab­sicht?

Ich habe nie daran gedacht zu wech­seln, denn ich bin Frank­furter und bin hier zu Hause. Außerdem fühle ich mich bei der Ein­tracht sehr wohl. Sie war schon, als ich ein kleiner Junge war, mein Lieb­lings­verein.

Als Sie 2006 zur Ein­tracht kamen, lief es gut an. Im ersten UEFA-Cup-Spiel gegen Bröndby Kopen­hagen gelang Ihnen ein Hat­trick.

Das war schon ein tolles Spiel, in der Tat. Ich weiß aber ganz genau, dass noch wei­tere schöne Spiele für mich und die Mann­schaft kommen werden.

Dabei muss das Wech­sel­theater zuvor doch an Ihnen gezerrt haben.

Na ja, ich habe in dieser Zeit ein­fach nur ver­sucht, keine Zei­tungen zu lesen, und mich voll und ganz auf das kon­zen­triert, was ich kann: Fuß­ball­spielen. Ich wollte diesen Wechsel ja und war mir bewusst dar­über, dass es viel Staub auf­wir­beln wird.

Sie hatten ihren Arbeit­geber Mainz 05 zuvor kri­ti­siert, und nach außen wirkte es so, als hätten Sie ihren Wechsel bewusst pro­vo­zieren wollen. Wie beur­teilen Sie ihre dama­lige Rolle?

Ich habe weder pro­vo­ziert noch sonst was. Zu einem Wechsel gehören immer drei Par­teien: der abge­bende Klub, der auf­neh­mende Klub und der Spieler selbst. Wenn Mainz mich hätte unbe­dingt halten wollen, dann hätten sie meinen Wechsel ver­hin­dern können. Ich beur­teile meine dama­lige Rolle so, dass ich die Mög­lich­keit bekommen habe, bei der Ein­tracht zu spielen, und diese genutzt habe.

Nach ihrem Wechsel sollen Sie Jürgen Klopps Methoden kri­ti­siert haben.

Ich habe seine Methoden nicht kri­ti­siert, son­dern ledig­lich gesagt, dass er mich nach den vielen Jahren unserer Zusam­men­ar­beit nicht mehr moti­vieren kann. Das war ein Ding zwi­schen uns beiden. Dass Kloppo sehr gute Arbeit leistet ist unbe­stritten, und ich möchte hier auch gar nicht mehr groß dar­über reden. Ich habe ihm viel zu ver­danken und habe es mit Toren zurück­ge­zahlt.

Es war davon die Rede, dass ihre Freund­schaft zu Klopp daran zer­bro­chen sei. Stimmt das?

Quatsch. Wir können uns nach wie vor in die Augen sehen und mit­ein­ander reden. Aber jetzt bin ich bei der Ein­tracht, und er trai­niert den FSV. Wir achten und respek­tieren uns, und ich wün­sche ihm und den Null­fün­fern eine erfolg­reiche Saison.

Haben Sie heute noch Kon­takt?

Dazu fehlt leider die Zeit. Aber wie gesagt, wenn wir uns sehen, reden wir normal mit­ein­ander.

Ging es wirk­lich darum, dass Klopp Manuel Fried­rich und nicht Sie für die Natio­nalelf emp­fahl?

Da wurde viel geschrieben, aber nicht alles, was unter uns dis­ku­tiert wurde, ist für die Öffent­lich­keit bestimmt.

Ist das Thema Natio­nal­mann­schaft mitt­ler­weile abge­hakt oder warten Sie noch auf einen Anruf von Joa­chim Löw?

Nein, dass wäre ver­messen von mir. Die DFB-Elf setzt vor allem auf junge Spieler, und ich befürchte, das der Zug für mich in der Hin­sicht abge­fahren ist.

Können Sie sich vor­stellen, noch einmal, wie nach ihrem Wechsel zu Cottbus, an den Bruchweg zurück­zu­kehren?

Nein, das kann ich mir nicht mehr vor­stellen.

Sie und Energie Cottbus. Das schien wie ein großes Miss­ver­ständnis. Sie star­teten zwar gut in die Saison, ver­letzten sich aber dann und wollten bald wieder weg. Was waren die Gründe für ihren Weg­gang?

Ich bin Frank­furter, und meine Familie sowie Freunde leben hier. Der Grund war schlichtweg, dass ich zurück ins Rhein-Main-Gebiet wollte, weil mir mein Zuhause gefehlt hat.

Erleich­terten die finan­zi­ellen Sorgen der Cott­buser, die durch ihren Transfer benö­tigtes Geld ein­nehmen konnten, den schnellen Wechsel?

Das weiß ich nicht, da müssen sie die dama­ligen Ver­ant­wort­li­chen bei Energie fragen.

Bevor Sie Mainz 2004 in die Bun­des­liga schossen, war ihr Ver­trag nicht ver­län­gert worden, und Sie hatten bereits in Cottbus unter­schrieben. Haben Sie das schnell bereut?

Im Nach­hinein schon, aber hin­terher ist man immer schlauer.

Wenn man Ihre Wechsel nach Cottbus und Frank­furt betrachtet, wirkt es so, als hätten Sie dabei nicht immer das glück­lichste Händ­chen bewiesen.

Auf Cottbus mag dies zutreffen, aber über den Wechsel nach Frank­furt bin ich noch heute glück­lich. Dieser Schritt war absolut richtig.

In einem Aus­wärts­spiel in Trier prallten Sie mit Claus Grzes­ko­wiak zusammen und ver­loren drei Schnei­de­zähne. Zwei davon steckten im Knie ihres Gegen­spie­lers. Sie sollen zeit­weise nicht ansprechbar gewesen sein. Wann rea­li­sierten Sie, was pas­siert war?

Erst später im Kran­ken­haus. Das war wirk­lich schlimm. Die Schmerzen waren brutal, ich wün­sche das nie­mandem.

Haben Sie sich die Spiel­szene später noch einmal ange­schaut?

Ja, und ich habe ganz schnell wieder weg­ge­schaut. Das sehe ich mir nie mehr an.

Ihr nächstes Spiel bestritten Sie dann im Februar 2005 für Mainz. Es folgten 18 Tore in ein­ein­halb Bun­des­li­ga­jahren. Klingt nach Erfolg. Warum wollten Sie den­noch unbe­dingt weg aus Mainz?

Weil die Ein­tracht schon immer mein Traum gewesen ist. Ich bin ein abso­luter SGE-Fan und wollte immer hier spielen.

Was fehlte Ihnen in der letzten Saison in Frank­furt, um wieder auf eine ähn­liche Tor­aus­beute zu kommen?

In Mainz war alles auf mich zuge­schnitten. Hier bei der Ein­tracht muss ich auch sehr viel gegen den Ball arbeiten, und wir haben mit Amana­tidis und Taka­hara zwei abso­lute Welt­klas­se­stürmer im Kader. Unser System und unsere Phi­lo­so­phie ist mit Mainz nicht zu ver­glei­chen.

Die Ein­tracht spielt zumeist nur mit einem echten Stürmer. Sie müssen sich mit Ioannis Amana­tidis um den Platz streiten. Keine leichte Auf­gabe.

Wie gesagt, wir werden – wenn Taka und Ama fit sind – wahr­schein­lich auch wieder mit zwei Spitzen spielen. Das heißt für mich, dass die Kon­kur­renz klar groß ist. Aber ich werde alles dafür tun, im Team zu bleiben – und da zählt meis­tens die Leis­tung im Trai­ning, wo ich alles geben werde, um es dem Trainer so schwer wie mög­lich zu machen.

Was macht Sie den­noch opti­mis­tisch, dass Sie häufig spielen und diese Saison mehr Tore erzielen?

Ich bin opti­mis­tisch, dass wir eine viel bes­sere Saison spielen werden als im Vor­jahr. Wer von uns dabei die Tore erzielt, ist mir total egal. Wir möchten als Mann­schaft erfolg­reich sein.

Wel­ches Sai­son­ziel haben Sie sich für 2007/08 gesteckt?

Wir haben uns ein Ziel gesteckt, alle zusammen: Wir wollen mehr Heim­spiele gewinnen und 45 Punkte plus X holen. Wenn dann am Ende eine ein­stel­liger Tabel­len­platz her­aus­springen würde, hätten wir eine gute Saison gespielt.