Seite 3: „Ein Traum“

Dass viele Mit­ar­beiter des Klubs Frauen sind, findet Goros­tiza nicht unge­wöhn­lich: Wir schauen hier nicht auf das Geschlecht von Per­sonen, son­dern ob ihre Fähig­keiten uns wei­ter­bringen. Ich habe mein ganzes Leben im Kraft­fahr­zeug­sektor gear­beitet. Als ich dort ange­fangen habe, war der zum ganz großen Teil, wenn nicht aus­schließ­lich, männ­lich. Jetzt ist das anders. Der Fuß­ball ist eben noch ein biss­chen später dran.“ Dass aus­ge­rechnet im Bas­ken­land ein Verein eine Vor­rei­ter­rolle ein­nimmt, ist kein Zufall. Dort führten schon in der Stein­zeit Frauen die Clans an. Auch im Mit­tel­alter und in der Neu­zeit war die Frau im Bas­ken­land in der Gesell­schaft bes­ser­ge­stellt als im Rest von Europa. Nach der Hoch­zeit nahmen die Männer den Namen der Frau an, denn diese waren es, die Bau­ern­höfe lei­teten. Beim Erbrecht wurde nicht auf das Geschlecht, son­dern nur auf den Zeit­punkt der Geburt geschaut. Der durch­schnitt­liche Frau­en­an­teil in den Ver­wal­tungs­räten der spa­ni­schen Liga liegt bei rund elf Pro­zent, in Eibar sind es 27, bei Ath­letic Bilbao, dem größten bas­ki­schen Verein, sogar 35 Pro­zent Das Bas­ken­land ist his­to­risch gesehen ein Matri­ar­chat. Es ist ein gutes Vor­bild. Dass ich einen Fuß­ball­verein leite, fanden nur Kol­legen aus anderen Klubs ein biss­chen seltsam. Aber mitt­ler­weile ist das über­haupt nicht mehr so“, sagt Goros­tiza.

Doch dass sich Frauen auch bei der SD Eibar ihren Status erst erkämpfen mussten, zeigt Patricia Rodri­guez. Sie kam gleich­zeitig mit Goros­tiza in den Verein. Beson­ders am Anfang war es schwierig. Manchmal, wenn ich meine Mei­nung gesagt habe, wurde mir nicht die gleiche Beach­tung geschenkt wie meinen männ­li­chen Kol­legen“, sagt Rodri­guez, die von Goros­tiza zur Geschäfts­füh­rerin ernannt wurde. Jetzt haben mich meine männ­li­chen Kol­legen akzep­tiert, ich bin eine von ihnen. Auch wenn ich Außer­ge­wöhn­li­ches leisten musste, um auf das­selbe Level zu kommen.“ Sie glaubt daran, dass es bald die erste Trai­nerin in der Liga geben wird.

Auch José Luis Men­di­libar, der aktu­elle Eibar-Trainer, hält viel von seiner Prä­si­dentin. Er ist seit 2015 im Amt. In der Saison, in der Goros­tiza über­nahm, lag Eibar lange auf einem Abstiegs­platz. Eine Trai­ner­ent­las­sung stand im Raum, doch Goros­tiza hielt an Men­di­libar fest: Die Zeit hat uns enger zusam­men­ge­schweißt. Ich kann mit ihr über alles reden, was im Verein pas­siert. Wenn ich ein Pro­blem habe, gehe ich zu ihr. Und sie ver­steht sich extrem gut mit den Spie­lern. Das macht es sehr ange­nehm, mit ihr zu arbeiten.“

Eibar 3:0 Real Madrid

Samstag, kurz nach 13 Uhr. Es läuft die 16. Spiel­mi­nute. Die Prä­si­dentin streicht sich im Sekun­den­takt durch die Haare, als wollte sie mit ihnen auch die Ner­vo­sität aus dem Gesicht wischen. Neben ihr sitzt Flo­ren­tino Perez und tippt im Sekun­den­takt Nach­richten in sein Telefon. Schon in der Anfangs­phase wirken Reals Welt­stars über­for­dert. Die gut orga­ni­sierte Defen­sive der Basken lässt keine drei Pässe zu, das win­zige Ipurua scheint die Madri­lenen ein­zu­engen. Und plötz­lich ist der Ball im Tor von Madrid, die 7000 Men­schen im Sta­dion springen auf und ab, nur Goros­tiza presst sich in ihren Sitz. In Spa­nien schickt es sich nicht, dass Ver­eins­prä­si­denten große Emo­tionen zeigen.

Real Madrid hat das ganze Spiel keine Chance. Am Ende steht es 3:0. Goros­tiza steht auf, in ihren feuchten Augen sieht man den Stolz, wäh­rend sie ihren Spie­lern applau­diert. Sie steht auch noch da, als jeder andere die VIP-Tri­büne schon ver­lassen hat, bückt sich von der Loge her­unter, um Fans in den Arm zu nehmen und schüt­telt den Kopf. His­to­rico.“ Im Inneren des Sta­dions geht es weiter. Umar­mung für den Bür­ger­meister, Kopf­schüt­teln, ein kurzes Inter­view: Ein Traum. Harte Arbeit. Nur mit Liebe mög­lich. Wei­ter­ma­chen. His­to­rico.“ Dann macht sie sich auf den Weg zur Kabine, der Jubel ist groß. Zum Glück ist der Cham­pa­gner kalt­ge­stellt. Sie ist die Erste, die eine Fla­sche auf­macht und damit her­um­spritzt.