Seite 2: Karriereende – oder doch nicht?

Auf Anfrage von Freunden und Bekannten – so waren auch schon die beiden vor­he­rigen Enga­ge­ments zusam­men­ge­kommen – strei­chelte Hein­rich den Ball auch noch beim TSV Chemie Prem­nitz, erneut in Velten und schließ­lich ab 2008 wieder in Rathenow, diesmal beim BSC in der Lan­des­liga. Erst im April 2011, mit 41 Jahren, ver­ab­schie­dete er sich end­gültig vom Her­ren­fuß­ball – nur um seitdem für die Senioren in Rathenow auf­zu­laufen. Die Zeit nach der Kar­riere begann aber eigent­lich schon früher.

Als ihn ein Band­schei­ben­vor­fall 2005 bei Union stoppte, über­nahm Hein­rich im Winter als Sport­di­rektor beim dama­ligen Ober­li­gisten. Der Büro­alltag sagte ihm aller­dings nicht zu, wes­halb er nach etwas mehr als einem Jahr die Geschäfte wieder übergab.

2012 schloss Hein­rich die Trai­ner­aus­bil­dung ab und stieg ein Jahr später als Coach beim BSC Rathenow ein, wo er noch zwei Jahre zuvor selber gekickt hatte. Zur Saison 2015/16 über­nahm er beim frisch­ge­ba­ckenen Regio­nal­li­gisten FSV 63 Lucken­walde, musste aller­dings noch vor Sai­son­ende seinen Hut nehmen. 2017 war er dann eigent­lich beim SV Fal­kensee-Fin­ken­krug in seinem Wohnort beschäf­tigt, als plötz­lich Aki Watzke anrief, der wenige Minuten zuvor Peter Stöger als neuen BVB-Chef­trainer unter Ver­trag genommen hatte und jetzt panisch nach dessen zukünf­tigen Assis­tenten fahn­dete. Es war mehr Befehl als Nach­frage – Hein­rich setzte sich prompt ins Auto und fuhr zu seiner sport­li­chen Liebe ins Ruhr­ge­biet. Von Erfolg gekrönt war Stö­gers und seine Amts­zeit aller­dings nur bedingt.

Hier modelt der Chef noch selbst

Des­halb war es auch gut, dass Hein­rich eine Fall­back-Option hatte, als die Ent­las­sung Stö­gers und damit auch seine eigene bevor­stand. Schon 2008 grün­dete er Sport Hein­rich“, einen Sport­fach­handel, der mitt­ler­weile zwei Filialen in Rathenow und Berlin hat. Auf der Web­site des Geschäfts, die ebenso ehr­lich und alt­mo­disch daher­kommt wie dessen Name, ist Jörg Hein­rich im Header abge­bildet. Wie gewohnt im Deutsch­land­trikot, mit Mit­tel­scheitel und ohne Schnauzer, wo man immer irgendwie einen erwartet.

Bei Sport Hein­rich“ legt der Chef noch selbst Hand an, bezie­hungs­weise steht Jörg Hein­rich für den Flyer des Sport Hein­rich Soc­cer­camp“ noch selbst Modell. Das zahlt sich aus: 4,9 von fünf Sternen weist die durch­schnitt­liche Bewer­tung aus. Ein Rezen­sent schreibt: Die Leute da haben Ahnung, wissen wovon Sie reden und das – weil Sie selber Fuss­ball spielen, oder gespielt haben!!!“. Könnte man so sagen. 

Scheinbar bekommen die Kunden auch ordent­liche etwas geboten für den Preis, der auf Face­book mit gleich drei Euro-Zei­chen ange­geben ist. Dass das Preis-Leis­tungs-Ver­hältnis bei Hein­rich stimmt, wusste auch schon der AC Flo­renz – wobei für einen Trikot-Satz mit Beflo­ckung ver­mut­lich keine 12,5 Mil­lionen Euro fällig werden. Ist ja schließ­lich auch ne Stange Geld.