Man könnte meinen, zwölf­ein­halb Mil­lionen Euro seien eine Stange Geld. Für die aller­meisten Men­schen auf dieser Welt sind sie es auch. Im modernen Spit­zen­fuß­ball aller­dings, wo Geld zumeist keine Rolle mehr spielt, sind sie es nicht. Nicht mehr zumin­dest. 1998 hin­gegen sah das noch anders aus.

Im Sommer jenen Jahres wech­selte Jörg Hein­rich von Borussia Dort­mund zum AC Flo­renz. 25 Mil­lionen Mark bezahlten die Ita­liener für den Bran­den­burger. Wäh­rend man sich davon vor drei Jahren gerade mal ein Viertel Leroy Sané hätte kaufen können, war es damals die höchste Ablö­se­summe für einen deut­schen Spieler. Hein­rich kam als Natio­nal­spieler und ehe­ma­liger Cham­pions-League-Sieger in die Tos­kana.

Hein­rich allein in Flo­renz

Ihren Anfang nahm die Kar­riere des viel­seitig ein­setz­baren Beid­fü­ßers 1988 bei der BSG Motor Rathenow. Über Chemie Velten machte er nach der Wende den Schritt in den Westen zu Kickers Emden, wurde in der Ober­liga Nord zum Spieler der Saison 1993/94 und schaffte den Sprung zum SC Frei­burg in die Bun­des­liga – im Alter von 24 Jahren. Mit Dort­mund wurde er anschlie­ßend Meister, gewann die Cham­pions League und den Welt­pokal. Bei der WM 1998 spielte er sein erstes und ein­ziges großes Tur­nier mit der Natio­nal­mann­schaft. Den Wechsel nach Flo­renz bezeich­nete er später mal als logi­sche Kon­se­quenz“.

In Ita­lien spielte Hein­rich mit Welt­stars wie Rui Costa, Gabriel Bati­stuta und Pedrag Mija­tovic zusammen, Flo­renz rüs­tete kurz vor der Jahr­tau­send­wende gehörig auf. Doch nach zwei Jahren wurde klar, dass der Klub sich über­nommen hatte. Hein­rich wurde für nur acht Mil­lionen Mark zurück nach Dort­mund ver­ramscht, wo er 2002 zum zweiten Mal deut­scher Meister wurde. Eigent­lich wollte Rudi Völler ihn zur WM mit nach Japan und Süd­korea nehmen, doch Hein­rich erklärte am Tag der Nomi­nie­rungs­dead­line seinen Ver­zicht. Der schlei­chende Abschied von der großen Fuß­ball­bühne hatte begonnen.

Für den DFB lief er danach nicht mehr auf, ein Jahr später war auch in Dort­mund Schluss. Für Köln machte er noch 20 Spiele, dann spielte er jeweils noch ein Jahr für den Lud­wigs­felder FC und Union Berlin, wo er 2005 schließ­lich wei­test­ge­hend unbe­merkt mit der Pro­fi­kar­riere abschloss. Das Ende des Fuß­bal­lers Jörg Hein­rich war das aber noch lange nicht.

Auf Anfrage von Freunden und Bekannten – so waren auch schon die beiden vor­he­rigen Enga­ge­ments zusam­men­ge­kommen – strei­chelte Hein­rich den Ball auch noch beim TSV Chemie Prem­nitz, erneut in Velten und schließ­lich ab 2008 wieder in Rathenow, diesmal beim BSC in der Lan­des­liga. Erst im April 2011, mit 41 Jahren, ver­ab­schie­dete er sich end­gültig vom Her­ren­fuß­ball – nur um seitdem für die Senioren in Rathenow auf­zu­laufen. Die Zeit nach der Kar­riere begann aber eigent­lich schon früher.

Als ihn ein Band­schei­ben­vor­fall 2005 bei Union stoppte, über­nahm Hein­rich im Winter als Sport­di­rektor beim dama­ligen Ober­li­gisten. Der Büro­alltag sagte ihm aller­dings nicht zu, wes­halb er nach etwas mehr als einem Jahr die Geschäfte wieder übergab.

2012 schloss Hein­rich die Trai­ner­aus­bil­dung ab und stieg ein Jahr später als Coach beim BSC Rathenow ein, wo er noch zwei Jahre zuvor selber gekickt hatte. Zur Saison 2015/16 über­nahm er beim frisch­ge­ba­ckenen Regio­nal­li­gisten FSV 63 Lucken­walde, musste aller­dings noch vor Sai­son­ende seinen Hut nehmen. 2017 war er dann eigent­lich beim SV Fal­kensee-Fin­ken­krug in seinem Wohnort beschäf­tigt, als plötz­lich Aki Watzke anrief, der wenige Minuten zuvor Peter Stöger als neuen BVB-Chef­trainer unter Ver­trag genommen hatte und jetzt panisch nach dessen zukünf­tigen Assis­tenten fahn­dete. Es war mehr Befehl als Nach­frage – Hein­rich setzte sich prompt ins Auto und fuhr zu seiner sport­li­chen Liebe ins Ruhr­ge­biet. Von Erfolg gekrönt war Stö­gers und seine Amts­zeit aller­dings nur bedingt.

Hier modelt der Chef noch selbst

Des­halb war es auch gut, dass Hein­rich eine Fall­back-Option hatte, als die Ent­las­sung Stö­gers und damit auch seine eigene bevor­stand. Schon 2008 grün­dete er Sport Hein­rich“, einen Sport­fach­handel, der mitt­ler­weile zwei Filialen in Rathenow und Berlin hat. Auf der Web­site des Geschäfts, die ebenso ehr­lich und alt­mo­disch daher­kommt wie dessen Name, ist Jörg Hein­rich im Header abge­bildet. Wie gewohnt im Deutsch­land­trikot, mit Mit­tel­scheitel und ohne Schnauzer, wo man immer irgendwie einen erwartet.

Bei Sport Hein­rich“ legt der Chef noch selbst Hand an, bezie­hungs­weise steht Jörg Hein­rich für den Flyer des Sport Hein­rich Soc­cer­camp“ noch selbst Modell. Das zahlt sich aus: 4,9 von fünf Sternen weist die durch­schnitt­liche Bewer­tung aus. Ein Rezen­sent schreibt: Die Leute da haben Ahnung, wissen wovon Sie reden und das – weil Sie selber Fuss­ball spielen, oder gespielt haben!!!“. Könnte man so sagen. 

Scheinbar bekommen die Kunden auch ordent­liche etwas geboten für den Preis, der auf Face­book mit gleich drei Euro-Zei­chen ange­geben ist. Dass das Preis-Leis­tungs-Ver­hältnis bei Hein­rich stimmt, wusste auch schon der AC Flo­renz – wobei für einen Trikot-Satz mit Beflo­ckung ver­mut­lich keine 12,5 Mil­lionen Euro fällig werden. Ist ja schließ­lich auch ne Stange Geld.