Seit dem Wochen­ende ist der Fuß­ball um eine Geschichte rei­cher: Beim Spiel zwi­schen dem FC Thun und FC Zürich rannte ein Marder aufs Feld. Als der Zür­cher Loris Benito den Nager ein­fangen wollte, biss dieser zu. Schließ­lich machte Tor­hüter David Da Costa das gefräs­sige Viech ding­fest. Danach wurde gelacht und gescherzt. Doch Obacht! Der Angriff des Super-Mar­ders ist die dra­ma­ti­sche Fort­set­zung eines fal­schen Umgangs mit Tieren im Fuß­ball.

Am 6. Februar 2012 wurde eine Katze auf­fällig. Das grau­weiß gestreifte Tier rannte im Pre­mier-League-Spiel Liver­pool gegen Tot­tenham in Anfield über den Platz bis in den Straf­raum der Gäste und ent­schwand, bevor noch die erstaun­lich nach­läs­sigen Ord­nungs­hüter die Per­so­na­lien hatten auf­nehmen können. In der Presse wurde die Katze als Stu­ben­tiger“ ver­harm­lost, und ein Klub­spre­cher stellte mit befremd­li­chem Bedauern fest: Wir können sie nicht zum Mas­kott­chen machen, weil sie dem Klub leider nicht gehört.“ Damit nicht genug, Wett­an­bieter schlugen aus dem Vor­fall Kapital, boten Wetten auf die nächsten Tiere auf Anfields Rasen, mit attrak­tiven Quoten für Katzen (4:1), Tiger (50:1) und Giraffen (100:1).

Mehr tie­ri­sche als zwei­bei­nige Rowdys

Nur ein Bei­spiel für die erstaun­liche Lax­heit im Umgang mit den immer dreister agie­renden Vier­bei­nern. Wachen inzwi­schen in jedem Sta­dion in asia­ti­schen Kampf­tech­niken geschulte Ordner dar­über, dass kein Anhänger das Spiel­feld betritt und ver­schwinden ver­haf­tete Flitzer oft für Jahr­zehnte ohne Gerichts­ver­fahren in sump­figen Kel­ler­ver­liesen, so wird non­cha­lant dar­über hin­weg­ge­sehen, dass inzwi­schen deut­lich mehr tie­ri­sche als zwei­bei­nige Rowdys für Spiel­un­ter­bre­chungen sorgen.

Erstaun­lich ist das inso­fern, als die Schäden, die durch Wild und Geflügel in Fuß­ball­sta­dien ange­richtet worden sind, längst gerichts­fest doku­men­tiert wurden. Allein die Atta­cken durch den Deut­schen Schä­fer­hund: spitze Ste­hohren, gestreckte Schnauze, buschige Rute – so macht der ehe­mals brave Hüte­hund seit Jahr­zehnten Jagd auf unbe­schol­tene Kicker. Berühmt-berüch­tigt ist der heim­tü­cki­sche Biss des Schä­fer­hundes Blitz in das Gesäß des Schal­kers Friedel Rausch im Jahre 1969.

Das Täu­schungs­ma­növer des Hundes

Zu den Schmerzen, die Rausch in Rücken­lage plagten, gesellte sich der Spott der Gegen­spieler, die ihn in den fol­genden Spielen rei­hen­weise mit Wuff, wuff“-Rufen ver­höhnten. Weniger bekannt ist der fol­gen­schwere Zwi­schen­fall im Zweit­li­ga­spiel Hessen Kassel gegen For­tuna Köln anno 1985. Als sich der For­tuna-Spieler Janus Gud­laugsson den Ball auf der Tar­tan­bahn holen wollte, wurde er von einem Schä­fer­hund gebissen.

Der Richter ließ sich wäh­rend der Ver­hand­lung vom Hund (Kampf­name: Xaro von Fürs­ten­berg) täu­schen, der scheinbar wohl­erzogen Platz nahm, worauf ihn Richter Bär (sic!) von aller Schuld frei­sprach. Und noch im Jahr 2000 konnten die Profis des SV Werder Bremen unter der Woche nicht trai­nieren, weil das Welt­cham­pionat der Schä­fer­hunde“ den Trai­nings­platz unbe­spielbar gemacht hatte. Es ist noch längst nicht alles besei­tigt, was die Hunde hier hin­ter­lassen haben“, gab die Pres­se­ab­tei­lung ange­wi­dert zu Pro­to­koll.

Und so lassen sich nahezu für jede Rasse, jede Tierart Regel­ver­stöße notieren. Erin­nert sich nie­mand an den aus­ge­wach­senen Bullen, der 1978 wäh­rend eines Viert­li­ga­spiels auf den Rasen stürmte und den Schieds­richter bei­nahe auf die Hörner genommen hätte? War es nicht ein Hund, der 1972 bei West Ham United an einem Tor­pfosten dreist sein Bein hob? War es kein Eich­hörn­chen, das in High­bury Keeper Jens Leh­mann und seine Mit­spieler derart aus der Fas­sung brachte, dass Arsenal in dieser Saison aus­nahms­weise nicht die Cham­pions League gewann? War es nicht ein chi­le­ni­scher Stra­ßen­köter, der wäh­rend der WM 1962 das hoch­klas­sige 0:0 zwi­schen Eng­land und Bul­ga­rien störte, minu­ten­lang den sicht­lich ein­ge­schüch­terten Bobby Charlton ankläffte, bis sich Stürmer Jimmy Greaves von hinten ansch­lich und das sich wild weh­rende Vieh vom Rasen trug? Und war es schließ­lich kein Fuchs, der Celtic Glasgow 1997 im Celtic Park heim­suchte und par­tout nicht ein­zu­fangen war?

Stand­ge­richte für Klein­vieh und Wir­bel­tiere

Die Liste ließe sich mühelos um einen halben Tier­park, um Kühe, Rehe, Hasen, Möwen, Mäuse und Frö­sche erwei­tern, alle­samt schon betei­ligt an rück­sichts­losen Platz­stürmen. Und viel zu selten setzen sich Spieler so aktiv zur Wehr wie Michael Bal­lack, der in Diensten des FC Chelsea im Pokal­spiel gegen Ips­wich beim Auf­wärmen eine allzu vor­wit­zige Taube abschoss. Die ließ nur ein paar Federn und flat­terte danach mit gehö­rigem Schä­delweh ihres Weges.

Den­noch war Bal­lacks Bot­schaft weg­wei­send: Zero Tole­rance! Dra­ko­ni­sche Maß­nahmen sind erfor­der­lich: Ein­satz von erfah­renen Tier­fän­gern! Stand­ge­richte für Klein­vieh und Wir­bel­tiere! Rainer Wendt, über­nehmen Sie!