Etwa ein Drittel der Saison ist gespielt und in der Ligue 1 muss man schon genauer hin­schauen, wenn man nach einer posi­tiven Über­ra­schung sucht. Wäh­rend Paris Saint-Ger­main wie immer an der Spitze einsam seine Kreise zieht, haben die anderen Größen aus Mar­seille und Lyon so ihre Schwie­rig­keiten. Lyon steht nach dem Trai­ner­wechsel auf Rang 14, Mar­seille immerhin auf Platz zwei und das trotz einer nega­tiven Tor­dif­fe­renz – auch eine Leis­tung.

Auch die Bilanz der fran­zö­si­schen Mann­schaften im Euro­pa­pokal dürfte den Fran­zosen die Sor­gen­falten auf die Stirn treiben. Saint-Éti­enne und Rennes konnten in der bis­he­rigen Europa-League-Saison noch keinen ein­zigen Sieg erringen. In der Liga beträgt der Abstand zwi­schen dem Tabel­len­letzten aus Straß­burg und dem Tabel­len­zweiten aus Mar­seille ledig­lich 11 Punkte – positiv for­mu­liert könnte man sich über die Span­nung freuen, weil Ver­eine mit einer Sie­ges­serie schnell wieder nach oben springen können. Kri­tiker bemän­geln jedoch die feh­lende Attrak­ti­vität der meisten Spiele der Ligue 1.

Länger im Amt als Streich und Simeone

Wenn der­zeit eine Mann­schaft abge­sehen von PSG posi­tive Schlag­zeilen in Frank­reich schreibt, ist das der SCO Angers. Dessen Trainer Sté­phane Moulin hat zur Niveau-Dis­kus­sion eine eigene Mei­nung. In Frank­reich sagt man: Wenn jemand nach zwölf Spiel­tagen auf dem zweiten Platz liegt, sind die anderen Mann­schaften schlecht und das Niveau niedrig. Das ist man­gelnder Respekt“, sagte er auf der Pres­se­kon­fe­renz vor dem Spiel seines Ver­eins gegen Reims. Jeder darf denken, was er möchte. Ich finde aber, dass es etwas sehr Fran­zö­si­sches ist, wenn man sagt, dass es woan­ders immer besser ist“, ergänzte er. In Eng­land sagt nie­mand, dass das Niveau schwach ist, weil Lei­cester Dritter ist. Wenn sie Meister werden, ist es eine tolle Geschichte. In Frank­reich hat man nicht das Recht dazu.“

Dass Moulin seinen SCO Angers so intensiv ver­tei­digt, ist keine Über­ra­schung, schließ­lich dient er dem Verein im Westen Frank­reichs bereits 25 Jahre in unter­schied­li­chen Funk­tionen und ver­kör­pert ihn wie kein Zweiter. Seit 2011 ist er Trainer der Profis und hält damit einen Rekord in den fünf großen euro­päi­schen Ligen: Kein anderer Trainer ist seit so einer langen Zeit ohne Unter­bre­chung für eine Mann­schaft ver­ant­wort­lich. Ähn­liche Vete­ranen sind höchs­tens Diego Simeone (Atlé­tico Madrid) und Chris­tian Streich, die beide nur ein paar Monate nach Moulin ihre Arbeit auf­nahmen.

Doch die Ver­bin­dung zwi­schen Moulin und dem SCO ist noch enger: Bereits zwi­schen 1984 und 1990 war er als Spieler für den Spor­ting Club de l’Ouest (den Sport­klub des Wes­tens“) aktiv, bevor er seine aktive Kar­riere bei wei­teren klei­neren fran­zö­si­schen Ver­einen fort­führte. Im Jahr 2005 kehrte er nach Angers zurück und über­nahm dort die Reser­ve­mann­schaft. Sechs Jahre später wurde er zum Chef­trainer der Profis beför­dert – genau genommen ist er also bereits seit 14 Jahren ohne Pause SCO-Trainer.