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3. Liga

Stellt euch, hieß es für die Dresdner Profis am Samstag gleich zweimal. Zunächst in Mann­heim: Dort baten die eigenen Fans unmiss­ver­ständ­lich um Aus­füh­rungen zur gerade ein­ge­fah­renen 1:2‑Pleite. Sicher kein ange­nehmer Moment im Leben eines Fuß­ball­profis. Doch es kam noch schlimmer. Rund drei Stunden Bus­fahrt hatte der Dynamo-Tross auf dem Rückweg bereits in den Kno­chen, als ihnen einige Nürn­berg-Fans ein zweites Mal zusetzten.

30 Mann, 30 Pro­mille – so in etwa der Status quo im Lager der Franken. Sie kamen gerade vom Aus­wärts­spiel in Kai­sers­lau­tern und hatten es sich noch eben zum Auf­trag gemacht, den Dynamo-Spie­lern das Päu­schen am Rasthof Kam­mer­steiner Land Süd zu ver­miesen. Zwei FCN-Fans schafften es laut Ver­eins­mit­tei­lung sogar in den Dresdner Mann­schaftsbus. Womög­lich, um dort den Aus­tausch mit den Ex-Nürn­ber­gern Stefan Kutschke und Manuel Schäffler zu suchen. Stellt euch.

Thema: Auf­stieg

Es blieb letzt­lich bei einem ver­balen Schar­mützel: keine Ver­letzten, kein Sach­schaden. Eine unschöne Rand­notiz. Trotzdem passte dieser Samstag aus­ge­zeichnet in das Gesamt­bild, das Dynamo gerade abgibt. Mit nur einem Sieg aus den ver­gan­genen sechs Liga­spielen läuft Dresden den eigenen Ansprü­chen weit hin­terher. Trainer Markus Anfang ver­steht auf Pres­se­kon­fe­renzen nicht einmal mehr, warum das Thema Auf­stieg per­ma­nent dis­ku­tiert wird.“ Steckt Dynamo also in der Krise? Oder sind es doch eher ungüns­tige Umstände auf den Spiel­fel­dern und Rast­stätten der Repu­blik, die Dresden das Leben schwer machen?

Zunächst zum Anfang: Dass sich der Trainer in Pres­se­runden über das Wört­chen Auf­stieg“ wun­dert, ist natür­lich nichts als Under­state­ment. Dynamo ist und bleibt der Top­fa­vorit auf den Auf­stieg. Diese Rolle haben die Sachsen als Zweit­li­ga­ab­steiger, als Publi­kums­ma­gnet und als ver­gleichs­weise liquider Klub zwangs­läufig inne. Das weiß sicher­lich auch Markus Anfang. Und doch sind ihm keine Vor­würfe zu machen, wenn er nicht in Dis­kus­sionen um den Wie­der­auf­stieg ein­steigt und statt­dessen auf den langen Weg ver­weist, der zu gehen sei.

Denn Anfang hat ja recht. Sein Job ist es, eine neu zusam­men­ge­stellte Mann­schaft in die Spur zu bringen und nicht nach jedem Rück­schlag über das große Ganze zu refe­rieren. Unrecht hat Anfang hin­gegen mit einer Fest­stel­lung, die er vor knapp zwei Wochen nach der Pleite gegen Saar­brü­cken tätigte. Die Tabelle? Kom­plett unwichtig.“ Unwichtig, dass Dresden nach 14 Spielen satte acht Punkte Rück­stand auf einen direkten Auf­stiegs­platz hat? Unwichtig, dass Dresden die Auf­stiegs­kon­kur­renz aus Saar­brü­cken und Mann­heim im Klas­se­ment pas­sieren lassen musste? Wohl kaum.

Wan­der­gruppe Dynamo

Markus Anfang hat einen schwie­rigen Job ange­treten. Vieles lag nach dem Zweit­li­ga­ab­stieg in Scherben, vieles musste neu zusam­men­ge­setzt werden. Bei stolzen 16 Neu­zu­gängen dauert das seine Zeit. Um beim Bild von Anfang zu bleiben: Ja, es ist ein Weg. Doch kann das kaum heißen, dass der Zustand der Wan­der­gruppe Dynamo an den Zwi­schen­etappen jeg­li­cher Aus­sa­ge­kraft ent­behrt. Ent­wick­lungs­pro­zess hin oder her – Dresden hat die letzten beiden Spiele gegen direkte Kon­kur­renten ver­loren.

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Da drängt sich ein vor­läu­figes Fazit gera­dezu auf. Sport­chef Ralf Becker sah das am Samstag bei Magenta Sport“ ähn­lich. Zunächst befand er die Zeit reif für eine Job­ga­rantie in Rich­tung des Trai­ners, dann gestand er ein, dass wir uns das alles anders vor­ge­stellt haben und nicht zufrieden sind. Wir wussten aber, dass es nach dem Umbruch eine schwie­rige Runde wird.“

Die Unzu­frie­den­heit in Dresden gründet auf Sta­tis­tiken, die ins­be­son­dere für eines stehen: Mit­telmaß. Sechs Siegen stehen fünf Nie­der­lagen gegen­über, 23 geschos­senen Toren 18 Gegen­tore. Macht zusam­men­ge­nommen Platz acht. Das ist keine Kata­strophe. Es hätte immerhin noch schlimmer kommen können, wie Dres­dens Mit­ab­steiger und Tabel­len­schluss­licht Aue gerade beweist. Doch ist nun einmal klar: mit Rang acht ist bei Dynamo nie­mand zufrieden. Die SGD hat einen der teu­ersten Kader der Liga und darf sich kaum mit Mann­schaften wie Verl oder Vik­toria Köln ver­glei­chen. Beide sitzen den Dresd­nern in der Tabelle aber im Nacken.

Können oder wollen sie nicht?

Dabei strotzt Dres­dens Kader vor Qua­lität. Eigent­lich. Nach Spie­lern wie dem Sturmduo Schäffler und Kutschke lecken sich viele Kon­kur­renten die Finger, genau wie nach Ahmet Arslan. Der von Zweit­li­gist Kiel gelie­hene Mit­tel­feld­mann hat bereits sieben Tore auf dem Konto. Doch gilt für ihn wie für die rest­liche Truppe: Über­zeu­genden Auf­tritten wie beim 3:2 gegen Osna­brück oder beim 3:0 gegen Dort­mund II stehen zu viele Aus­rut­scher gegen­über. Nicht nur gegen Spit­zen­teams wie Mann­heim und Saar­brü­cken, son­dern auch gegen die Auf­steiger aus Bay­reuth und Essen.

Nach der neu­esten Pleite in Mann­heim trat Angreifer Stefan Kutschke auf den Plan und schob noch eben die Cha­rak­ter­frage nach. Wollen oder können wir das nicht? Jeder muss sich hin­ter­fragen, ob das, was wir zeigen, tat­säch­lich unser Anspruch ist“, sagte er laut Tag24“-Lokalausgabe. Markus Anfang hatte zuvor noch bekräf­tigt, dass Stim­mung und Ein­stel­lung in seiner Mann­schaft bes­tens seien. Wie auch immer: Am Ende liegt die Ver­ant­wor­tung für die Dresdner Auf­tritte ohnehin bei ihm selbst. Klar ist: Sollte Anfangs Weg zum Erfolg wei­terhin derart viele Umwege ein­be­ziehen, wird er kaum zurück in die 2. Bun­des­liga führen. Umbruch? Sicher. Aber zur Sai­son­mitte könnte ein sol­cher dann auch mal voll­zogen sein.