Dariusz Wosz, 2007 been­deten Sie Ihre Kar­riere als Profi – und spielen seitdem für einen Bezirks­li­gisten. Ein ehe­ma­liger Natio­nal­spieler als Ama­teur­fuß­ball: Warum tun Sie sich das an?
Ganz ein­fach: Ich wollte mich weiter fit halten. Mein ehe­ma­liger Berater und Kumpel arbeitet beim SC Union Bergen im Vor­stand, er lud mich ein, für seinen Verein zu spielen. Bis heute habe ich das nicht bereut.

Was war die größte Umstel­lung von Bun­des­liga auf Bezirks­liga?
Der Asche­platz!

Furchtbar, was?
Ach was, auf Asche bin ich doch auch groß geworden. Wenn man so will, bin ich ein­fach dahin zurück­ge­kehrt, wo ich her­komme.

Welche Posi­tion spielen Sie inzwi­schen?
Ich habe hier schon jede denk­bare Rolle gespielt. Mein Trainer sagt: Dariusz, spiel ein­fach wo du willst. Ich bin also frei wie ein Vogel.

Sie waren Natio­nal­spieler, haben im Uefa-Cup gespielt und sehr viel Geld ver­dient. Wie viel Diven­haf­tig­keit mussten Sie sich abtrai­nieren?
Och, das war schon alles im Rahmen. Nur mit den Schieds­rich­tern war ich zu Beginn sehr selten zufrieden. Diese jungen Kerle könnten ja teil­weise fast meine Söhne sein! Ich habe mich mit ihnen ange­legt, sie haben mich ver­warnt. Das war es dann aber auch.

Sind schon einmal von einer Bezirks­sport­an­lage geflogen?
Einmal. Aber das war ein Miss­ver­ständnis. Ich wollte den Schieds­richter gar nicht belei­digen!

Wie viele Kästen Bier mussten Sie springen lassen, um von der neuen Mann­schaft akzep­tiert zu werden?
Einen oder zwei Kästen habe ich bestimmt mal aus­ge­geben. Aber das war es dann. Die Jungs hatten mit mir nie Pro­bleme und ich mit ihnen nicht. Wir haben unseren Spaß. Aller­dings sehe ich meine Mann­schaft momentan nur sehr selten.

Weil Sie beruf­liche Ver­pflich­tungen haben. Bochums neuer Trainer Peter Neururer hat Sie zu seinem Assis­tenten gemacht.
Er sagte: Darek, wenn, dann mache ich das mit Dir!“ Wir kennen uns ja schon lange, waren auch in den ver­gan­genen Jahren immer in Kon­takt und schätzen uns sehr.

Was zeichnet den Trainer Neururer aus?
Er ist in der Lage, eine Mann­schaft aus dem Dorn­rös­chen­schlaf zu wecken. Weil er selber fest daran glaubt und diesen Glauben an den Erfolg auch seinen Spie­lern ein­impft. Das kann er besser als jeder andere Trainer, den ich kenne.

Neururer ist der klas­si­sche Feu­er­wehr­mann, nur selten blieb er bei seinen Ver­einen länger als ein Jahr. Nur beim VfL blieb er zwi­schen 2001 und 2005 gleich vier Jahre. Sie spielten damals in Bochum. Warum klappte es irgend­wann nicht mehr mit Neururer?
Er hatte damals beschlossen: Wenn der VfL absteigt, über­nehme ich dafür die volle Ver­ant­wor­tung und ver­lasse den Klub. Das hat er dau­ernd gemacht: sich vor die Mann­schaft gestellt und die Schläge ein­ge­steckt. Viel­leicht hat er das zu häufig gemacht, denn Schuld an der sport­li­chen Misere hatten ja wir, die Spieler! Wir haben Peter Neururer damals im Stich gelassen, seinen Worten nicht mehr die Bedeu­tung geschenkt, die es für den Klas­sen­er­halt benö­tigt hätte. Im Nach­hinein müssen wir Spieler uns alle dafür ver­ant­worten.

Jetzt ist Neururer wieder da – und das mit Erfolg. Was haben Sie gedacht, als er Ihnen den Job an seiner Seite ange­boten hat?
Ich dachte: Man müsste schon ver­rückt sein, um die Mann­schaft in dieser Situa­tion zu über­nehmen. Der VfL lag auf der Inten­siv­sta­tion! Nur gut, dass Peter und ich ver­rückt genug waren. Einen Vor­wurf muss ich meinem Chef aber machen.

Und zwar?
Er hätte sich in seinen Ver­trag rein­schreiben lassen müssen, dass er für jeden Zuschauer, der wegen ihm wieder zum VfL kommt, zehn Euro bekommt. Dann hätte er schon jetzt ein Ver­mögen kas­siert.

Dariusz Wosz, warum muss der VfL Bochum in der 2. Bun­des­liga bleiben?
Weil hier doch sonst nichts mehr ist! Opel weg, Nokia weg – wenn jetzt noch der VfL in der Ver­sen­kung ver­schwindet, können wir gleich auf die Orts­schilder schreiben: Bochum – bitte fahren sie weiter. Hier gibt es eh nichts zu sehen.“ Die Stadt braucht den VfL wie die Luft zum Atmen.