Eric Olhats ist ein unschein­barer Typ. Mit Brille im Haar und Pulli um die Schulter sieht er aus, als sei er gerade auf dem Weg zum Ten­nis­trai­ning, und nichts deutet darauf hin, dass dieser Kerl der fran­zö­si­schen Natio­nal­mann­schaft mög­li­cher­weise den EM-Titel ermög­licht. Doch wenn Antoine Griez­mann weiter so ver­läss­lich trifft, wird sich Frank­reich viel­leicht bald schon bei Olhats bedanken müssen.

Griez­manns Ent­de­cker

Olhats ist Griez­manns Ent­de­cker. Einst hat er den Stürmer spielen gesehen, nur wenige Minuten und eher durch Zufall. Auf dem Heimweg von einer Arbeits­reise machte Olhats, damals Scout von Real Sociedad San Sebas­tian, bei einem Jugend­tur­nier in Paris Halt, weil er einen befreun­deten Kol­legen treffen wollte. Griez­mann, gerade 14 Jahre alt, hatte zuvor schon bei Auxerre, Saint-Eti­enne, Sochaux und Metz vor­ge­spielt, jedoch eine Absage nach der nächsten bekommen.

Ich bekam immer die gleiche Ant­wort. Ständig hieß es, ich wäre zu klein. Kein Klub im Land wollte mich ver­pflichten“, erzählte er einmal. Einzig in Mont­pel­lier erbarmte man sich seiner und nahm ihn mit zu jenem Tur­nier. Olhats, nicht einmal Jugend­scout, son­dern für Real Sociedads Profis zuständig, sah etwas in dem kleinen Jungen, das die anderen Späher nicht sahen. Und drückte ihm nach dem Spiel eine Visi­ten­karte in die Hand, darauf ein Angebot: Eine Woche Pro­be­trai­ning bei Real Sociedad.“

Ich war Vater, Mutter, Lehrer“

Griez­mann kam der Ein­la­dung nach und wech­selte 2005 tat­säch­lich nach Spa­nien. Vier Tage lang musste Olhats die Eltern des Jungen über­reden, den Sohn gehen zu lassen. Eine Beharr­lich­keit, die sich nicht nur des­wegen aus­ge­zahlt hat, weil Olhats mitt­ler­weile Griez­manns Berater ist. Bei Real Sociedad durch­lief Griez­mann sämt­liche Jugend­teams, ohne Olhats wäre Griez­manns Weg in Spa­nien sicher­lich weniger schnör­kellos ver­laufen. Als den Teen­ager das Heimweh plagte, nahm Olhats ihn bei sich auf und sorgte für die nötige Nest­wärme. Ich war Vater, Mutter, Lehrer, alles“, sagt er.

2009, vier Jahre nach seinem Wechsel nach Spa­nien, fei­erte Griez­mann sein Pro­fi­debüt, für San Sebas­tian schoss er ins­ge­samt 52 Tore in 202 Spielen. Aus dem schmäch­tigen, ver­schmähten Jungen war ein gestan­dener Profi geworden, der 2014 für 30 Mil­lionen Euro zu Atle­tico Madrid ging, seither einmal im Cham­pions-League-Finale stand und vom Schweizer Inter­na­tional Centre for Sports Stu­dies gerade als wert­vollster Spieler der Welt ein­ge­schätzt wurde. Nicht schlecht für einen, der eigent­lich zu leicht war.