Alex­ander Ridha, wer hat mehr Likes auf Face­book. Boys Noize“ oder der FC St. Pauli?
Ganz klar der FC St. Pauli.

Ich muss Sie ent­täu­schen. Sie haben über 100.000 Likes mehr als der Verein Ihres Her­zens.
Krass, damit hätte ich nicht gerechnet.

Sie sind in Ham­burg geboren und auf­ge­wachsen, hatten also früh die Wahl zwi­schen dem HSV und dem FC St. Pauli. Die Wahl fiel auf St. Pauli. Warum?
Ich wurde vor gut zwanzig Jahren Pauli-Fan. Als Kind hat mich der Stadt­teil St. Pauli mit der Ree­per­bahn und seiner Aus­strah­lung sehr gereizt. Ich durfte da nicht hin, habe immer nur Geschichten gehört und daher habe ich recht schnell Sym­pa­thie für St. Pauli auf­ge­baut. Außerdem mochte ich die dama­lige Fan-Szene des HSV nicht son­der­lich gerne, weil sich dort viele Faschisten auf­hielten. Das hat sich zum Glück in den letzten Jahren geän­dert.

Wann ging es denn dann richtig los?
Als ich in der fünften Klasse war, habe ich meinen ersten St. Pauli-Zecken­pulli bekommen und meine Haare halb rasiert. Spä­tes­tens da war ich kom­plett drin. Bei den ersten Spielen bin ich mit meinen Kum­pels immer noch heim­lich über einen Zaun geklet­tert, obwohl die Tickets nur fünf, sechs Mark kos­teten. Dann habe ich mir aber irgend­wann eine Dau­er­karte für die Nord­kurve geholt. Obwohl ich eine Karte hatte, habe ich viele Spiele auf einem Baum ver­folgt, da es manchmal ein­fach zu voll war.

Klingt nach einer inten­siven Zeit.
Ich kann mich auch noch genau an die Auf­stiegs­saison 1994/1995 erin­nern. Wir hatten am letzten Spieltag ein Heim­spiel gegen Hom­burg und haben 5:0 gewonnen. Meine Jungs und ich sind direkt nach dem Spiel auf den Rasen und dann hat mir Holger Sta­nis­lawski ein Auto­gramm auf meinen Pull­over gegeben. Diesen Pulli trage ich auch heute noch. Leider sieht man das Auto­gramm nicht mehr so gut wie noch vor zwanzig Jahren, aber der Pulli ist für mich das teu­erste Stück über­haupt, was sich in meinem Schrank befindet.

Haben Sie selbst Fuß­ball gespielt?
Ich habe es mal im Verein aus­pro­biert, aber das war nichts für mich. Trotzdem war ich immer froh, wenn ich nach der Schule oder am Wochen­ende auf dem Bolz­platz war und dort mit meinen Freunden ein biss­chen kicken konnte. 

Aber Sie hatten doch sicher ein Idol, oder?
Mir ging es nie so wirk­lich um ein­zelne Spieler. Klar hatte ich Sym­pa­thien für Sta­nis­lawski oder auch Klaus Thom­forde, aber für mich war das Gesamt­kon­strukt FC St. Pauli ent­schei­dend. Da standen meine Clique und ich voll hinter. Pauli war für uns eine Lebens­ein­stel­lung, eine Art Ideo­logie, die ich auch heute noch in meiner Musik wie­der­finde.