In Tagen wie diesen sucht sich jeder seine eigenen Über­le­bens­stra­te­gien. Ewald Lienen hat ges­tern Helmut Schmidt bei Sandra Maisch­berger gesehen, und es hat ihm sehr gut gefallen. So gut, dass der Trainer von Arminia Bie­le­feld die tur­nus­mä­ßige Pres­se­kon­fe­renz vor dem Spiel gegen Ale­mannia Aachen als eine Art Schmidt-Par­odie insze­niert. Na gut, Lienen raucht nicht, aber rhe­to­risch hat er sich einiges beim Alt­kanzler abge­schaut. 

Der Trick: immer die Gesprächs­ho­heit behalten, Fragen auch mal mit Gegen­fragen beant­worten und gezielt das eine oder andere rup­pige Bonmot ein­streuen, um die Runde bei Laune zu halten. Der Termin gerät zu einer kaba­ret­tis­ti­schen Miniatur. Was hält Lienen davon, dass der Arminia vor dem Spiel die Abwehr­spieler aus­gehen? Die Arbeits­platz­be­schrei­bung Innen­ver­tei­diger wird dem­nächst abge­schafft, weil die Leute sich dann sofort ver­letzen.“ Hat Ver­tei­diger Markus Boll­mann noch Schmerzen? Schmerzen ertragen wir schon die ganze Saison.“ Was weiß er vom nächsten Gegner? Ich könnte Ihnen alles erklären, wenn Sie darauf bestehen“, meint Lienen. Ich bestehe nicht darauf“, ant­wortet der Fra­ge­steller. Ich erkläre es Ihnen aber trotzdem“, sagt Lienen. Es folgt ein län­gerer Vor­trag über das Team von Ale­mannia Aachen, kom­plett mit Namen, Rücken­num­mern und per­so­nellen Alter­na­tiven, und vorne zwei Spitzen, die asyn­chron spielen“. Keiner traut sich mehr zu fragen, was genau das bedeutet. Aber es wird viel gelacht, und das ist schon eine Menge in Bie­le­feld dieser Zeit.

Zettel-Ewald“ braucht ein Wunder

Ewald Lienen, den die Medien einst Zettel-Ewald“ tauften, weil er als einer der Ersten seiner Zunft auf der Trai­ner­bank das Spiel­ge­schehen akri­bisch mit­no­tierte, hat im November seinen bisher här­testen Job über­nommen. Der Mann, der vor 57 Jahren in Schloss Holte vor den Toren von Bie­le­feld geboren wurde, soll den Tra­di­ti­ons­verein Arminia vor dem Absturz in die Dritt­klas­sig­keit bewahren – und mög­li­cher­weise vor Schlim­merem. Wenn Geschäfts­führer Ralf Schnitz­meier sagt, es sei nicht aus­zu­schließen“, dass der Klub die Lizenz auch für die Dritte Liga bekäme, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Vier Punkte hatte Arminia auf der Haben­seite, als Lienen das Ruder über­nahm. Drei mehr sind es vor dem Spiel gegen Aachen – die Dif­fe­renz erklärt sich aus einem Heim­sieg gegen den VfL Osna­brück, zu dem der Gegner beide Tore bei­steu­erte. Es braucht ein kleines Wunder, um diesen Verein noch zu retten.

Erste Liga, das scheint in Bie­le­feld eine Ewig­keit her zu sein

Dabei ist es gerade zwei Jahre her, dass der DSC Arminia Bie­le­feld ein pro­spe­rie­render Erst­li­gist war. Na ja, so pro­spe­rie­rend, wie es einem sol­chen Klub in die Wiege gelegt wird; der Fahr­stuhl ist sein natür­li­cher Lebens­raum. Da sind fünf Bun­des­li­ga­jahre am Stück ein Höhe­punkt der Ver­eins­ge­schichte. So etwas war den Arminen vorher erst einmal gelungen, und zwar tief in den Acht­zi­gern. Das Unglück begann mit der Saison 2008/09, viel­leicht auch schon früher, aber dazu später mehr. Im Mai 2009 war Arminia Bie­le­feld jeden­falls zum siebten Mal aus der ersten Liga abge­stiegen, was auch die bizarre Ver­pflich­tung des mitt­ler­weile ver­stor­benen Trai­ners Jörg Berger für ein ein­ziges Spiel nicht ver­hin­dern konnte. Gemessen an Geschichte und Mög­lich­keiten des DSC war der Abstieg ein ver­gleichs­weise nor­maler Vor­gang.
Weniger normal war, was in den 18 Monaten danach folgte: ein zurück­ge­tre­tener Vor­stand und ein ent­las­sener Geschäfts­führer. Eine denk­wür­dige Mit­glie­der­ver­samm­lung, bei der beide Kan­di­daten die Fas­sung ver­loren und an deren Ende der gerade zurück­ge­tre­tene Prä­si­dent wieder im Amt war. Ein Abzug von vier Punkten durch die DFL wegen Lizenz­ver­gehen, der den sofor­tigen Wie­der­auf­stieg unmög­lich machte. Eine Finanz­lücke in zwei­stel­liger Mil­lio­nen­höhe. Der Ver­such, einen Kredit über fünf Mil­lionen Euro von der Stadt Bie­le­feld zu erhalten. Die tat­säch­liche Gewäh­rung eines Kre­dits in Höhe von 0,5 Mil­lionen Euro. Der Ver­zicht auf diesen Kredit, weil der (nun tat­säch­lich neue) Prä­si­dent dafür hätte zurück­treten müssen. Die Ret­tung in letzter Minute durch Spon­soren. Der Aus­ver­kauf der Mann­schaft. Ein Trai­ner­cas­ting zur Rege­lung der Nach­folge des geschei­terten Chris­tian Ziege, an dessen Ende sich jener Kan­didat durch­setzte, der der Ein­la­dung fern­blieb. Eine ver­zwei­felte, zwi­schen Zorn, Resi­gna­tion und Gal­gen­humor pen­delnde Anhän­ger­schaft.

Wie konnte all das nur pas­sieren?

Um es zu ver­stehen, muss man einen etwas genaueren Blick auf diesen Verein werfen. Arminia war immer Aus­hän­ge­schild und Sor­gen­kind zugleich für die Kauf­manns- stadt Bie­le­feld, irgendwo im Nie­mands­land zwi­schen dem Ruhr­ge­biet und Han­nover. Der Bun­des­li­ga­skandal Anfang der Sieb­ziger ist nur das pro­mi­nen­teste Bei­spiel für eine Reihe von Kapriolen bei der Jagd nach einem Platz an der Sonne. Bie­le­felds bekann­tester Unter­nehmer Dr. Oetker soll zeit­weise sogar weniger Pud­ding ver­kauft haben wegen der Ver­stri­ckung des Klubs in die flä­chen­de­ckenden Mani­pu­la­tionen. Doch nach einer Bei­nahe-Pleite in den späten acht­ziger Jahren und der Ära des legendär bär­bei­ßigen Duos Lamm und Mid­den­dorp Mitte der Neun­ziger war es zuletzt bemer­kens­wert ruhig geworden.

Das lag nicht zuletzt daran, dass es im Klub nur noch einen Mann gab, der alle Macht auf sich ver­einte: Roland Kentsch, Quer­ein­steiger aus dem Ban­ken­wesen und zunächst ehren­amt­li­cher Schatz­meister, später zusätz­lich haupt­amt­li­cher Geschäfts­führer. Der erwarb sich einen Ruf als Sanierer des chro­nisch klammen Ver­eins, ein Spar­kom­missar ohne Diplo­ma­ten­pass, der Sport­di­rek­toren wie Thomas von Heesen oder Rein­hard Saftig in die Ver­zweif­lung trieb, weil er sie beim Etat für das Team an der kurzen Leine hielt. Weil Kentsch außerdem zu rüdem Ver­halten neigt, mochten ihn die wenigs­tens in Bie­le­feld wirk­lich, fach­lich aller­dings galt er lange als unan­greifbar. Das änderte sich mit dem Abstieg 2009, als die destruk­tive Spiel­weise des Teams und zuneh­mende Que­relen die Atmo­sphäre so sehr ver­gif­teten, dass Prä­si­dent Hans-Her­mann Schwick seinen Rück­tritt anbot und Kentsch beur­laubt wurde.

Bie­le­feld 2011: Chaos auf allen Ebenen

Die klub­in­ternen Ver­wer­fungen kul­mi­nierten in einer chao­ti­schen Jah­res­haupt­ver­samm­lung im Juni 2009, die als einer der bemer­kens­wer­testen Abende in der an bemer­kens­werten Abenden nicht armen Arminia-Geschichte ein­ging. Im Vor­feld war eine Kampf­ab­stim­mung um das Prä­si­den­tenamt erwartet worden: auf der einen Seite der Unter­nehmer Klaus Daudel als Favorit des Bie­le­felder Estab­lish­ments, auf der anderen Dirk Ober­mann, Kan­didat der umtrie­bigen Fan­gruppe Kri­ti­sche Arminen“. Dann aber beschimpfte der indis­po­nierte Daudel in seiner Rede die Fans und machte sich inner­halb von wenigen Minuten zur Per­sona non grata. Der ver­blie­bene Kan­didat Ober­mann hin­gegen zog seine Kan­di­datur erst über­ra­schend zurück, wollte aber plötz­lich doch wieder antreten. Spät am Abend wurde die Sit­zung vom Ver­samm­lungs­leiter, dem aus Bie­le­feld stam­menden Olym­pia­funk­tionär Michael Vesper, unter­bro­chen. Einer der dama­ligen Betei­ligten erin­nert sich an erstaun­liche Bilder hinter den Kulissen. Einer der kri­ti­schen Arminen fiel vor Vesper auf die Knie und rief: Lassen Sie das den Ober­mann machen! Der kann das!“ Doch es kam anders. Tief in der Nacht und nach zahl­losen Tur­bu­lenzen war Ober­mann aus dem Rennen, und der Prä­si­dent hieß erneut Hans-Her­mann Schwick – wie in den 19 Jahren zuvor.

Man hatte mir damals einen Zettel rüber­ge­schoben“, sagt der dama­lige Kan­didat Ober­mann heute. Auf dem stand: Wenn Sie nicht antreten, bekommt der Verein 50 bis 75 Mil­lionen Euro.“ Die Hoff­nung auf üppige Zuwen­dungen der großen ost­west­fä­li­schen Wirt­schafts­un­ter­nehmen ist ein Leit­motiv der jün­geren Geschichte Armi­nias. In Ost­west­falen befinden sich bestimmt zehn Unter­nehmen, die unter den Top 50 in Deutsch­land stehen“, schwärmt auch Ober­mann. Doch der warme Regen von Oetker, Ber­tels­mann & Co, der Arminia irgend­wann ins Mit­tel­feld der ersten Bun­des­liga spülen sollte, ist auch nach Ober­manns Rückzug aus­ge­blieben. Enga­gier­teste För­derer sind der Fas­sa­den­bauer Schüco, der das Namens­recht am Sta­dion erwarb, und das Mode­un­ter­nehmen Gerry Weber.

Hin­gegen haben sich die finan­zi­ellen Nöte des Klubs seit jenem denk­wür­digen Abend dra­ma­tisch ver­schärft. Anfang 2010 wurde offenbar, dass ein Defizit in zwei­stel­liger Mil­lio­nen­höhe den Etat der Arminen bedroht. Als Haupt­grund dafür gilt in Bie­le­feld der Bau einer neuen Haupt­tri­büne zwei Jahre zuvor, die um einiges teurer aus­fiel als ursprüng­lich geplant. Mit dem Fall beschäf­tigt sich mitt­ler­weile sogar die Staats­an­walt­schaft, doch selbst wenn die kol­por­tierte Dif­fe­renz von geplanten und tat­säch­li­chen Kosten (11 zu 20 Mil­lionen) stimmt, kann der Kapi­tal­dienst dafür nur zu einem über­schau­baren Anteil für die Pro­bleme des Ver­eins ver­ant­wort­lich sein. Und der Rest? Ein über­teu­erter Zweit­li­gakader in der ver­zwei­felten Hoff­nung auf den sofor­tigen Wie­der­auf­stieg, dazu viel zu opti­mis­ti­sche Annahmen über den Zuschau­er­zu­spruch und den Sai­son­ver­lauf. Diese Pro­bleme hat Arminia Bie­le­feld sicher nicht exklusiv, das Bei­spiel ist nur beson­ders mar­kant.

Ein Etat­loch in Mil­lio­nen­höhe

Als die DFL Wind von dem rie­sigen Etat­loch bekam, bestrafte sie die Arminen mit dem Abzug von vier Punkten. Damit war der ersehnte Wie­der­auf­stieg unmög­lich geworden und die Lizenz­er­tei­lung für die Saison 2010/2011 massiv bedroht. In seiner Not wandte sich der Klub an die Stadt Bie­le­feld, die dem Verein aller­dings tra­di­tio­nell reser­viert gegen­über­steht. Im Mai 2010 lehnte der Rat der Stadt das gewünschte Dar­lehen in Höhe von fünf Mil­lionen Euro ab und bot nach einer leb­haften öffent­li­chen Sit­zung eine halbe Mil­lion – unter der Bedin­gung, dass der gerade gewählte neue Prä­si­dent Wolf­gang Brink­mann, zugleich Geschäfts­führer der Bie­le­felder Stadt­werke, sein Amt nicht antreten würde. Ein poli­ti­sches Rän­ke­spiel, auf das sich der Verein nicht ein­ließ. Wenn ich nicht 20 oder 25 Jahre Poli­tik­erfah­rung gehabt hätte, hätte ich den Tag wahr­schein­lich nicht durch­ge­standen“, sagt Brink­mann heute. Die Lizenz sicherte schließ­lich eine Finanz­spritze von Modezar Weber und seinem Unter­neh­merkumpel, dem Spiel­hal­len­be­treiber Paul Gau​sel​mann​.In die aktu­elle Saison star­tete Arminia Bie­le­feld also unter schwie­rigen Vor­zei­chen. Viele Leis­tungs­träger waren ver­kauft worden, der größ­ten­teils namen­lose Ersatz, den der neue Coach Chris­tian Ziege holte, tat sich schwer. Als der Klub Anfang November den Anschluss an die übrigen 17 Mann­schaften zu ver­lieren drohte, musste Ziege gehen. Die Rege­lung seiner Nach­folge wurde zu einem wei­teren Schwank. Als die Aus­wahl der Kan­di­daten sich auf Ewald Lienen und Rudi Bommer ver­engte, lud der Verein beide zu einer zweiten Vor­stel­lungs­runde in das Bie­le­felder Hotel Olden­truper Hof. Als Bommer erschien, sah er sich zu seiner eigenen Über­ra­schung einer zwei­stel­ligen Zahl von Offi­zi­ellen gegen­über, die ihn mit boh­renden Fragen nach seinen sport­li­chen Kon­zepten („Haben Sie ein Herz für Arminia?“) löcherten. Lienen hin­gegen ließ aus­richten, dass er für ein sol­ches Schau­laufen nicht zur Ver­fü­gung stünde. Am Ende bekam er den Job.

Der skur­rile Vor­gang ver­deut­licht eines der zen­tralen Pro­bleme des Klubs nach dem Abgang des – wenn­gleich umstrit­tenen – Macht­men­schen Kentsch, der nun in glei­cher Funk­tion in Duis­burg tätig ist. Das Gefüge der Gre­mien und Man­dats­träger ist schwer durch­schaubar, im Geflecht zwi­schen Vor­stand, Auf­sichtsrat, Ver­wal­tungsrat und Ehrenrat gibt es wenig Struktur, aber viele offene Rech­nungen. Über­spitzt könnte man sagen: Jeder, der im Bie­le­felder Rotary Club seinen Mit­glieds­bei­trag zahlt, möchte irgendwie Ein­fluss nehmen.

Unter diesen Vor­aus­set­zungen das Tages­ge­schäft abzu­wi­ckeln, ist eine Her­kules- auf­gabe. Ewald Lienen, der hier schon als Spieler mit wehendem Haupt­haar den Rasen beackerte, ver­sprüht einen ehr­furcht­ein­flö­ßenden Opti­mismus. Der größte Fehler, den man in einer Krise machen kann, ist sich zu lange mit den Ursa­chen aus­ein­an­der­zu­setzen“, sagt er. Das bringt einen keinen Zen­ti­meter weiter.“er jet­zige Geschäfts­führer Schnitz­meier, mit dem Lienen bereits in Han­nover gear­beitet hat, gelobt der­weil eine neue Kon­zen­tra­tion auf das Wesent­liche: Man kann sich nicht ein­fach Sport­club der Ost­west­falen nennen. Das wird man durch Taten und nicht dadurch, dass man es auf ein Plakat oder einen Brief­kopf schreibt.“Präsident Brink­mann hat im Moment wahr­schein­lich den undank­barsten Job von allen. Wegen seiner eins­tigen Mit­glied­schaft im Auf­sichtsrat, der als Kon­troll­organ in der Ver­gan­gen­heit ver­sagt hat, ist er bei den Anhän­gern unten durch. Neu­lich gab es eine Fra­ge­stunde für Mit­glieder, weil Arminia das Sta­dion zur Umschul­dung in einer Toch­ter­ge­sell­schaft aus­glie­dern will. Dabei sah sich Brink­mann mit har­scher Kritik und Rück­tritts­for­de­rungen kon­fron­tiert und wirkte in diesem Moment wie jemand, der sich woan­ders hin­wün­schen würde. 

Gesucht: Einer für die Kol­lek­tiv­schuld

Der Prä­si­dent wird für alles ver­ant­wort­lich gemacht“, klagt er. Wenn morgen irgendwo ne Kiste Bier umkippt, dann sagen die Leute, Herr Brink­mann, wieso konnten Sie das nicht verhindern?“Der Abend des Aachen-Spiels. Es ist schnei­dend kalt und es schneit. Die Anfahrts­wege sind glatt, für Fans aus dem Umland kein Zucker­schle­cken. Wer durch den Tri­bü­nen­auf­gang das Sta­di­on­in­nere betritt, hält den Atem an: Die Ränge sind unglaub­lich leer, selbst im Fan­block zeigen sich deut­liche Lücken. Angeb­lich wurden 8600 Karten ver­kauft, aber hier drin sind höchs­tens 5000 Leute. Was bedeutet, dass allen­falls noch die Hälfte der Dau­er­kar­ten­be­sitzer tat­säch­lich erschienen ist​.ie Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Nach vier Minuten schießt Ale­mannia Aachen das 1:0. Armi­nias junges Team rennt danach um sein Leben, aber schon die Rücken­num­mern der Spieler – 42, 44, 23 oder 27 – erin­nern nicht an die große Fuß­ball­welt. Die 10, 9 oder 8 traut sich hier keiner zu. Den­noch schießt der Gast­geber den Aus­gleich und drängt auf das Siegtor. Doch in der Schluss­phase ist bis auf die Tri­büne zu spüren, wie die Kräfte schwinden. Immer näher kommen die Aachener dem Bie­le­felder Tor. Vier Minuten vor Schluss fällt das 1:2, unmit­telbar vor dem Ende das 1:3. Später sitzt Ewald Lienen auf dem Podium im Pres­se­raum. Die Lokal­re­porter, von denen viele Arminia Bie­le­feld seit Jahren begleiten, stehen vor seinem Tisch, aber keiner spricht. Es ist ein biss­chen gespens­tisch. Lienen beißt gedan­ken­ver­loren in ein Käse­bröt­chen, an Helmut Schmidt erin­nert er in diesem Moment nicht mehr.

In der Win­ter­pause beherr­schen zwei Themen die Dis­kus­sionen in Bie­le­feld. Ers­tens: Wird die Sta­di­on­aus­glie­de­rung von den Mit­glie­dern abge­nickt? Nun, die Sache wird wenige Tage vor der geplanten Abstim­mung in das Früh­jahr ver­schoben. Und zwei­tens: Welche Spieler werden kommen, um das Unmög­liche mög­lich zu machen? Geschäfts­führer Schnitz­meier hat ein paar Hoch­ka­räter“ ver­spro­chen, die Spon­soren haben noch mal ihre Scha­tullen geöffnet. Bis zum Rück­run­den­start ver­pflichtet der Klub Dario Vidosic, Josip Tadic, Eke Uzoma, Sandro Kaiser und Romano Den­ne­bohm. Arminia Bie­le­feld bleibt wohl nichts anderes übrig, als sich in Würde aus dem Pro­fi­fuß­ball zu ver­ab­schieden. Oder aber das größte Ding in dessen Geschichte zu drehen.

Anm. d. Red­dak­tion: Wenigs­tens die Sta­di­on­aus­glie­de­rung ist mitt­ler­weile in Bie­le­feld beschlossen worden. Noch immer steht Arminia Bie­le­feld abge­schlagen auf dem letzten Platz der zweiten Liga.