Jüngst flat­terte eine Mel­dung herein, die zunächst nicht für große Auf­re­gung sorgte. Der VfL Bochum trennte sich von Coach Jens Rasie­jewski. Nun gut, Trai­ner­ent­las­sungen sind nichts Unge­wohntes im Fuß­ball­busi­ness. Bei ledig­lich einem Punkt Vor­sprung auf den Rele­ga­ti­ons­platz in der zweiten Liga eine nach­voll­zieh­bare Hand­lung. Doch Moment einmal: Da war noch etwas. Nicht nur Rasie­jewski, auch Sport­vor­stand Chris­tian Hoch­stätter musste seinen Platz an der Cas­troper Straße räumen. Jener Mann, der im Sommer noch intensiv vom Ham­burger SV umworben wurde — und damit selbst den Anfang vom Ende seiner Ära in Bochum ein­lei­tete.

Wir haben uns nach einer sorg­fäl­tigen und inten­siven Suche für Chris­tian Hoch­stätter ent­schieden. Er soll (…) den wei­teren Weg dieses Clubs maß­geb­lich gestalten“. Diese Worte stammen von Hans-Peter Villis, dem Auf­sichts­rats­vor­sit­zenden des VfL Bochum. Er sprach sie am 08. Juni 2013 — einer Zeit, in der der VfL, der gerade mit Peter Neururer den Klas­sen­er­halt geschafft hatte, wieder einmal die Rück­kehr in die Bun­des­liga ins Visier nahm. In seiner ersten Trans­fer­phase ver­kaufte Hoch­stätter das 18-jäh­rige Wun­der­kind Leon Goretzka für 3,25 Mil­lionen Euro nach Schalke. Samt clever ver­han­delter Wei­ter­ver­kaufs­ge­bühr. Dafür kamen Danny Latza, Chris­tian Tif­fert und Felix Bas­tians. Namen, die in der zweiten Liga einen Klang hatten.

Der Unkon­trol­lier­bare

Sport­lich bergauf ging es zunächst jedoch nicht. Mit 40 Punkten lan­dete der VfL auf Rang 15. Im Winter 2015 dann der erste große Knall unter der Regent­schaft des Nef­fens von Helmut Haller. Neururer, der zu diesem Zeit­punkt mit dem VfL auf einem aber­mals ent­täu­schenden elften Platz lag, wurde seines Amtes ent­hoben. Inklu­sive des Vor­wurfs von ver­eins­schä­di­gendem Ver­halten. Neururer hat Spie­lern das Recht zuge­spro­chen, das höchste Gre­mium im Verein zu kri­ti­sieren. Das geht nicht“, sagte Hoch­stätter damals. Der geschasste Trainer reagierte empört. Er habe ledig­lich seinen Kapitän Andreas Luthe unter­stützt, nachdem dieser sich gegen öffent­lich geäu­ßerte Kritik von Villis wehrte. Wer auch immer Recht hatte: Hoch­stätter bewies mit dieser Ent­schei­dung, dass er keine Angst vor großen Namen hatte und mit aller Macht seine Vor­stel­lung vom VfL Bochum durch­drü­cken würde. Auch die über Jahre hinweg ständig wie­der­holte Kritik Neuru­rers, der Hoch­stätter zuletzt noch Anfang Januar 2018 als unkon­trol­lierbar“ bezeich­nete, ließ er ohne Kom­mentar an sich abprallen.

Die Ent­schei­dung über Neuru­rers Nach­folger wurde zum größten Coup des Sport­vor­stands in Bochum. Unter dem Nie­der­länder Gertjan Ver­beek hielt der VfL die Liga und ent­wi­ckelte sich in der Saison 2015/2016 zu einer Mann­schaft, die für attrak­tiven Offen­siv­fuß­ball stand. Die Gefahr zur grauen Maus zu werden, schien mit Rang fünf end­lich gebannt. Hoch­stätter trieb die Ent­wick­lung des Ver­eins weiter voran, ließ einen neuen Trai­nings­platz bauen und zeigte Mut bei der durchaus kon­tro­versen Dis­kus­sion um die U23, indem er sie aus Kos­ten­gründen vom Spiel­be­trieb abmel­dete. Die Fans waren eupho­risch, das Ruhr­sta­dion wieder voll: Der VfL wähnte sich auf einem guten Weg zurück in die Bun­des­liga.