An diesem Wochen­ende starten die Regio­nal­ligen in die neue Saison. Oder besser: vier der fünf Staf­feln tun das, denn die Regio­nal­liga Bayern hat ja schon drei Spiel­tage hinter sich. Aller­dings ohne einen der Auf­steiger in die vierte Spiel­klasse, den man dort schon allein wegen seines Namens erwarten würde: den FC Bayern Alzenau. Der spielt näm­lich in der Regio­nal­liga Süd­west. Doch warum eigent­lich?

Die Ant­wort hat mit Geo­grafie zu tun. Die Stadt Alzenau liegt am nörd­li­chen Ende des Bezirks Unter­franken, direkt an der Lan­des­grenze zu Hessen und kaum 30 Kilo­meter öst­lich von Frank­furt. Sieben Jahr­zehnte lang spielte der Klub trotzdem als Mit­glied des Baye­ri­schen Fuß­ball-Ver­bandes, kam dort aber nicht über die Lan­des­liga hinaus. Anfang der Neun­ziger stellte dann Bayern, der Klub, einen Ein­trag an Hessen, den Ver­band, und bat um Auf­nahme, damit die Aus­wärts­fahrten des FC kürzer würden.

Ver­bands­wechsel als Erfolgs­re­zept 

Es gab keinen Grund, den Antrag abzu­lehnen, schließ­lich mischte damals schon seit langer Zeit ein anderer baye­ri­scher Klub im hes­si­schen Fuß­ball mit: Vik­toria Aschaf­fen­burg. So wech­selte Bayern Alzenau im Sommer 1992 den Lan­des­ver­band – und plötz­lich stellte sich der Erfolg ein. Zuerst stieg der Klub in die Ober­liga auf, dann sogar zweimal in die Regio­nal­liga, 2009 und 2012.

Seine Mit­glied­schaft im eigent­lich fal­schen Lan­des­ver­band ist nicht die ein­zige Beson­der­heit des Ver­eins. Wenn die Fans aus Offen­bach, Saar­brü­cken oder Ulm in der neuen Saison nach Alzenau fahren, dürfen sie zum Bei­spiel die wohl unge­wöhn­lichste Sta­di­on­spre­cher­ka­bine in ganz Hessen (oder Bayern) bewun­dern. Wie der Tower eines Flug­ha­fens erhebt sich der Arbeits­platz von Toni Ritter über dem Sport­zen­trum am Prischoß, wes­halb der Alzen­auer Sta­di­on­spre­cher auch Toni vom Turm“ genannt wird.

Ritter gibt als sein Hobby Berg-Dau­er­läufe am Hah­nen­kamm“ an. Damit meint er zwar nicht den Berg in den Kitz­bü­heler Alpen, son­dern nur einen Höhenzug im Land­kreis Aschaf­fen­burg, trotzdem ist der 65-Jäh­rige fit wie ein Turn­schuh. Das muss er auch sein, schließ­lich bietet sein impo­santer Spre­cher­turm zwar einen 360-Grad-Pan­ora­ma­blick, besitzt aber keinen Aufzug.

Der Rund­blick erklärt auch, warum Toni über­haupt so einen schi­cken Turm hat, wäh­rend seine Kol­legen sich in ein sti­ckiges Well­blech­ka­buff zwängen oder direkt vom Brat­wurst­stand aus die Tor­schützen und Ein­wech­se­lungen durch­geben müssen. Das Sport­areal im Süden der 18.500-Einwohner-Stadt Alzenau besteht nicht nur aus dem Fuß­ball­platz des FC Bayern, son­dern hat auch noch ein Leicht­ath­le­tik­sta­dion und einen Kunst­ra­sen­platz zu bieten. Anstatt jede der drei Anlagen mit einer eigenen Spre­cher­ka­bine aus­zu­statten, baute man einen Turm in die Mitte, von dem aus alle drei Sport­flä­chen ein­zu­sehen sind. 

Die letzten Bayern 

Sol­chen Ein­falls­reichtum werden die hes­si­schen Bayern in der neuen Saison gut gebrau­chen können. Ihre letzten beiden Aus­flüge in die Regio­nal­liga endeten näm­lich jeweils auf einem trost­losen letzten Platz. Will Alzenau beim dritten Anlauf den sofor­tigen Wie­der­ab­stieg ver­meiden, muss man auf jeden Fall schon mal drei Teams hinter sich lassen. Ein alter Rivale wird aller­dings nicht dar­unter sein. Vik­toria Aschaf­fen­burg ent­schied sich vor sieben Jahren, Hessen zu ver­lassen und zurück in den Frei­staat zu gehen. Seither ist der FC aus Alzenau mit den baye­ri­schen Rauten im Wappen der ein­zige Baju­ware im fuß­bal­le­ri­schen Süd­westen.