Seite 2: „Zum Glück habe ich Kahn kommen sehen“

Im Rück­spiel des Cham­pions-League-Vier­tel­fi­nals 1998 gegen die Bayern (1:0) war es Ihr Tor, das den Halb­fi­nal­einzug garan­tierte. Damals trafen Sie gegen Oliver Kahn. Im April 1999 kam der Titan“ dann mit einem Kung-Fu-Tritt auf Sie zuge­schossen. Die Rache des Kahn?
Zum Glück habe ich Oliver Kahn damals kommen sehen! Es sieht aller­dings bru­taler aus, wenn man es auf den Videos und den Bil­dern anschaut. Aus meiner Per­spek­tive war es gar nicht so schlimm.

1995 buhlten ver­schie­dene ita­lie­ni­sche Klubs um Ihre Dienste. Sie sagten damals: Borussia ist besser als Ita­lien.“ Wollten Sie wirk­lich nicht wech­seln?
Ich hatte einige Kon­takte. Das größte Inter­esse bestand von Seiten des AS Rom, aber das war für mich zu dem Zeit­punkt kein Thema, weil ich mich in Dort­mund sehr wohl­fühlte. 

Stürmer sollen angeb­lich beson­ders aber­gläu­bisch sein. Wie berei­teten Sie sich auf Spiele mit den Borussen vor?
Als junger Spieler glaubt man noch, dass Rituale ein gutes Spiel garan­tieren. Ich habe immer zuerst meinen linken und dann erst meinen rechten Schuh gebunden. Aber je älter man wird, desto mehr legt man diese Gewohn­heiten ab. Irgend­wann habe ich rea­li­siert, dass wir trotzdem Spiele ver­loren. (Lacht.)

Sie wurden zweimal Tor­schüt­zen­könig in der Schweiz (2001, 2004) und mit 106 Toren in 228 Bun­des­li­ga­ein­sätzen stehen Sie – zusammen mit Aílton – auf dem dritten Platz der ewigen Liste aus­län­di­scher Bun­des­liga-Tor­schützen. Wel­ches war Ihr schönstes Tor?
Ich habe kein spe­zi­elles Lieb­lingstor. Ein Treffer gegen die Bayern bedeu­tete mir in der Bun­des­liga natür­lich am meisten – fast mehr als ein gelun­gener Fall­rück­zieher. Wichtig war für mich auch: Ein Tor muss Bedeu­tung haben, am liebsten war mir, das 1:0 zu erzielen.

Sie waren nicht nur ein Star in der Bun­des­liga. Ihr Por­trait zierte 2004 eine Brief­marke in Tadschi­ki­stan. Wie kam es denn dazu? 
Als mich ein Schweizer Jour­na­list darauf auf­merksam machte, war ich sehr über­rascht. In Tadschi­ki­stan gab es damals wohl einen Post-Beamten, der Dort­mund-Fan war (lacht).

Bewahren Sie eigent­lich noch andere Schätze aus Ihrer Spiel­er­zeit auf?
Ich habe sogar noch Panini-Hefte irgendwo in einer Kiste mit Erin­ne­rungs­stü­cken. Außerdem noch zwei, drei Kisten voller Tri­kots. Für mehr fehlt mir ein­fach der Platz. Aber mein wert­vollster Schatz sind die Medaillen: vom Cham­pions-League-Sieg und den natio­nalen Meis­ter­schaften.

Sie sind Vater von drei Kin­dern. Werden Sie Ihre Fuß­ball­lei­den­schaft mit Ihnen teilen?
Ob mein Sohn Fuß­ball­profi werden will, muss er selber ent­scheiden. Aber ich werde sicher ver­su­chen, ihm den Weg zum Tor zu zeigen. Meine Töchter betreiben andere Sport­arten.