Sté­phane Cha­puisat, in Ihrer Bio­grafie Sté­phane Cha­puisat – eine Geschichte“ steht fol­gender Satz: Ottmar Hitz­feld hat auch heute, Jahre später noch, eine Ver­bin­dung zu Sté­phanes Seele.“ Was genau wollte der Ver­fasser, Phil­ippe Dubath, damit sagen?
Manchmal kann man die Ver­bin­dung zwi­schen zwei Men­schen nicht bis ins letzte Detail erklären. Wir haben viel Schönes zusammen erlebt. Sechs Jahre sind eine lange Zeit (1991 bis 1997 war Hitz­feld Cha­pui­sats Trainer beim BVB, d. Red.). Die Chemie stimmte zwi­schen uns. Viel­leicht des­halb, weil wir beide aus der Schweiz kommen. Als wir uns Anfang Neun­ziger kennen lernten, waren wir beide zur rich­tigen Zeit am rich­tigen Ort.

Wann wussten Sie, dass Sie Fuß­ball­profi werden wollen?
In den Acht­zi­gern war in der Schweiz im Pro­fi­fuß­ball noch alles anders und schwie­riger. Also habe ich zuerst eine Lehre als kauf­män­ni­scher Ange­stellter in einem Treu­hand­büro abge­schlossen und dann kam gleich der Fuß­ball. Ein anderer Beruf kam für mich nie in Frage. 

So richtig Schwung bekam Ihre Kar­riere als Sie Manager Felix Magath im Winter 1990/1991 von Lau­sanne-Sport zu Bayer 05 Uer­dingen holte. Was bedeu­tete Ihnen der Wechsel nach Deutsch­land?
Das Angebot von Uer­dingen war für mich als Schweizer natür­lich eine große Ehre, schließ­lich durften Ver­eine zu dieser Zeit nur drei Aus­länder unter Ver­trag nehmen. Ich wollte meine Chance unbe­dingt nutzen. Leider hatte ich großes Pech und ver­letzte mich bereits in der ersten Woche bei einem Hal­len­tur­nier und fiel drei Monate aus. Ich konnte gegen Ende der Saison 1990/91 nur noch in acht Par­tien für unser Team auf­laufen. Glück­li­cher­weise rief ich damals meine beste Leis­tung ab und als wir in die zweite Liga abstiegen, war Dort­mund bereit, mich aus­zu­leihen. Danach hatte ich die Chance, mich ein Jahr in der Bun­des­liga zu beweisen.

Stimmt es, dass Sie erst in Uer­dingen zu Chappi“ wurden?
Man hat kurz nach meinem Wechsel zu Bayer Uer­dingen ange­fangen, mich so zu nennen. Den Fans aus Uer­dingen war mein Name wohl zu lang.

War es Hitz­feld, der Sie dann 1991 von Bayer Uer­dingen zum BVB holte?
Zuerst war ich mit Dort­mund nur über die Ver­eins­lei­tung in Kon­takt, sie wusste näm­lich noch gar nicht, wer Trainer werden würde. Als Ottmar Hitz­feld dann für die Saison 1991/1992 als Coach fest­stand, hat er sich für meinen Wechsel ein­ge­setzt.

War Hitz­feld Ihr prä­gendster Trainer?
Jeder Trainer hat natür­lich seine Cha­rak­te­ris­tiken. Ich habe auch einen guten Draht zu Roy Hodgson gepflegt (Natio­nal­trainer der Schweiz von 1992 bis 1995, d. Red.). Aber für mich war Hitz­feld der Wich­tigste. Ich hätte gerne noch unter seiner Lei­tung im Natio­nal­team gespielt. Immerhin wusste ich ja, wie er tickt.

Unter der Lei­tung Hitz­felds wurden Sie mit dem BVB schließ­lich zweimal Deut­scher Meister und gewannen 1997 den Cham­pions-League-Titel.
Wir hatten damals ein ganz tolles Team. Das war sicher­lich meine schönste Zeit in Deutsch­land.

Im Rück­spiel des Cham­pions-League-Vier­tel­fi­nals 1998 gegen die Bayern (1:0) war es Ihr Tor, das den Halb­fi­nal­einzug garan­tierte. Damals trafen Sie gegen Oliver Kahn. Im April 1999 kam der Titan“ dann mit einem Kung-Fu-Tritt auf Sie zuge­schossen. Die Rache des Kahn?
Zum Glück habe ich Oliver Kahn damals kommen sehen! Es sieht aller­dings bru­taler aus, wenn man es auf den Videos und den Bil­dern anschaut. Aus meiner Per­spek­tive war es gar nicht so schlimm.

1995 buhlten ver­schie­dene ita­lie­ni­sche Klubs um Ihre Dienste. Sie sagten damals: Borussia ist besser als Ita­lien.“ Wollten Sie wirk­lich nicht wech­seln?
Ich hatte einige Kon­takte. Das größte Inter­esse bestand von Seiten des AS Rom, aber das war für mich zu dem Zeit­punkt kein Thema, weil ich mich in Dort­mund sehr wohl­fühlte. 

Stürmer sollen angeb­lich beson­ders aber­gläu­bisch sein. Wie berei­teten Sie sich auf Spiele mit den Borussen vor?
Als junger Spieler glaubt man noch, dass Rituale ein gutes Spiel garan­tieren. Ich habe immer zuerst meinen linken und dann erst meinen rechten Schuh gebunden. Aber je älter man wird, desto mehr legt man diese Gewohn­heiten ab. Irgend­wann habe ich rea­li­siert, dass wir trotzdem Spiele ver­loren. (Lacht.)

Sie wurden zweimal Tor­schüt­zen­könig in der Schweiz (2001, 2004) und mit 106 Toren in 228 Bun­des­li­ga­ein­sätzen stehen Sie – zusammen mit Aílton – auf dem dritten Platz der ewigen Liste aus­län­di­scher Bun­des­liga-Tor­schützen. Wel­ches war Ihr schönstes Tor?
Ich habe kein spe­zi­elles Lieb­lingstor. Ein Treffer gegen die Bayern bedeu­tete mir in der Bun­des­liga natür­lich am meisten – fast mehr als ein gelun­gener Fall­rück­zieher. Wichtig war für mich auch: Ein Tor muss Bedeu­tung haben, am liebsten war mir, das 1:0 zu erzielen.

Sie waren nicht nur ein Star in der Bun­des­liga. Ihr Por­trait zierte 2004 eine Brief­marke in Tadschi­ki­stan. Wie kam es denn dazu? 
Als mich ein Schweizer Jour­na­list darauf auf­merksam machte, war ich sehr über­rascht. In Tadschi­ki­stan gab es damals wohl einen Post-Beamten, der Dort­mund-Fan war (lacht).

Bewahren Sie eigent­lich noch andere Schätze aus Ihrer Spiel­er­zeit auf?
Ich habe sogar noch Panini-Hefte irgendwo in einer Kiste mit Erin­ne­rungs­stü­cken. Außerdem noch zwei, drei Kisten voller Tri­kots. Für mehr fehlt mir ein­fach der Platz. Aber mein wert­vollster Schatz sind die Medaillen: vom Cham­pions-League-Sieg und den natio­nalen Meis­ter­schaften.

Sie sind Vater von drei Kin­dern. Werden Sie Ihre Fuß­ball­lei­den­schaft mit Ihnen teilen?
Ob mein Sohn Fuß­ball­profi werden will, muss er selber ent­scheiden. Aber ich werde sicher ver­su­chen, ihm den Weg zum Tor zu zeigen. Meine Töchter betreiben andere Sport­arten.