Es war im Herbst 1997, als drei Arminia-Anhänger Ernst Mid­den­dorp in den Sani­tär­räumen der Uni Pader­born um ein Auto­gramm baten. Der Coach der Arminia stutzte kurz, er sollte unbe­dingt auf einem Auf­kleber signieren, der den Erz­feind Preußen Münster schmähte. Dann brum­melte Mid­den­dorp: Ist ja für einen guten Zweck“ und unter­schrieb. Arminia spielte zu diesem Zeit­punkt in der Bun­des­liga, der Rivale zwei Klassen weiter unten.

Die Signatur machte den­noch Sinn. Denn bis heute ver­binden viele Anhänger Ernst Mid­den­dorp mit jenen eupho­ri­schen Jahren Ende der 80er, als der junge Coach erst­mals den Trai­nerjob beim hoch­ver­schul­deten Tra­di­ti­ons­klub über­nahm und mit Nach­wuchs­spie­lern und Hurra-Fuß­ball die Ober­liga West­falen auf­mischte. Zweimal schei­terte der Klub denkbar knapp am Pro­jekt Wie­der­auf­stieg und Mid­den­dorp wurde zum ersten Mal gefeuert. Nie­mand hätte zu diesem Zeit­punkt gedacht, dass Mid­den­dorp noch einmal zurück­kehren würde, zumal er sich als höchst dünn­häu­tiger Zeit­ge­nosse erwiesen hatte. Mein Name ist M‑i-d-d-e-n-d-o-r‑p! Ich sage dies aus­drück­lich, weil es bereits dreimal Schwie­rig­keiten gab“, hatte er Jour­na­listen ange­raunzt und nach Pfiffen auch schon mal die Anhänger ange­feindet.

Ich bin ver­rückt, aber er ist wahn­sinnig!“

Es war die pure Not, dass Arminia 1994 Mid­den­dorp zurück­holte. Die hoch­ge­rüs­tete Regio­nal­li­ga­truppe um die Stars Thomas von Heesen und Fritz Walter musste unbe­dingt auf­steigen, Mid­den­dorp machte sich mit Beses­sen­heit an die Arbeit. Halb bewun­dernd, halb fürch­tend hatte selbst der umtrie­bige Manager Rüdiger Lamm damals fest­ge­stellt: Ich bin ver­rückt, aber er ist wahn­sinnig!“ Arminia stieg mit Mid­den­dorp auf, zweimal bis in die Bun­des­liga und hielt dort im ersten Jahr die Klasse. Erfolg­reiche Jahre waren das, da sahen die Anhänger schon mal dar­über hinweg, dass Manager Lamm und Coach Mid­den­dorp schon in leiser Kritik eine Palast­re­vo­lu­tion wit­terten. Mid­den­dorps klare Ansage an einen Reporter: Knien Sie nieder, Sie Brat­wurst!“ wurde zum Klas­siker, der Coach hatte das Image eines unge­ho­belten Klotzes weg. Es waren den­noch jene Jahre und die Erin­ne­rung an die Euphorie der ersten Ober­liga-Jahre, die die Arminia-Anhänger wohl bewogen, Mid­den­dorp zu ihrem Jahr­hun­dert­trainer“ zu wählen. Und das obwohl Mid­den­dorp, unge­achtet aller Ver­dienste, schon 1998 wieder ent­lassen worden war, wegen des sport­li­chen Miss­erfolgs, zum zweiten Mal.

Als nun Arminia in diesem Früh­jahr in ernsten Abstiegs­nöten steckte, wurde schon bald ganz auto­ma­tisch der Name Mid­den­dorp gehan­delt. Gespro­chen wurde über ihn nicht wie über einen neuen Übungs­leiter, nein, als Retter, als Erlöser sollte er kommen. Und plötz­lich war Mid­den­dorp tat­säch­lich wieder da. Indes, er hatte sich stark ver­än­dert, wie die Presse, die die Neu­ig­keit mit gemischten Gefühlen auf­ge­nommen hatte, bald erleich­tert fest­stellte. Wenige Wochen zuvor war Mid­den­dorp, der früher Bal­lon­seide in grellen Farben bevor­zugte, zum best­ge­klei­deten Mann in Süd­afrika gewählt worden. Und wirk­lich erschien der Heim­ge­kehrte im Maß­anzug zum ersten Medi­en­treffen und gab auch sonst den cha­rak­ter­lich Geläu­terten. Zwar dozierte er immer noch in end­losen Schach­tel­sätzen, diese waren mitt­ler­weile aber besser struk­tu­riert und man konnte ihnen in Ansätzen sogar folgen. Vor­aus­ge­setzt, man war der eng­li­schen Sprache mächtig, denn der neue Mid­den­dorp sagte gerne schil­lernde Dinge wie Chal­lenge“, Com­pe­ti­tion“ und overex­cited“. So redet der Mann von Welt, das kommt gut an. Jeden­falls musste bei diesem char­manten, umgäng­li­chen Plau­derer nie­mand mehr befürchten, sich als Brat­wurst beschimpfen und auf die Knie fallen zu müssen.

Damage is done“, sagte Mid­den­dorp milde zu den frühen Eska­paden. Was blieb, war jedoch sein Hang zu extremen Maß­nahmen. Kurz nach seinem Amts­an­tritt strich er sämt­liche Stamm­platz­ga­ran­tien, er machte den 19-jäh­rigen Robert Tesche, der bis dahin im Ober­li­ga­team gekickt hatte, zum Stamm­spieler und holte den bereits abge­schrie­benen Tobias Rau zurück ins Team. Ein Ritt auf der Rasier­klinge, wäre das alles schief gegangen, hätte man ihm blinden Aktio­nismus vor­ge­worfen. Es ging gut. Arminia hielt im Husa­ren­ritt die Klasse und so wurde Mid­den­dorp als exzel­lenter Moti­vator und gewiefter Tak­tiker beju­belt.

Nun trauen sie sich bei Arminia alles zu. Wieder die Klasse zu halten und in ferner Zukunft mal UI-Cup zu spielen. Mehr nicht, reicht schon. Und sollte es bei Arminia mal nicht so laufen und Mid­den­dorp irgend­wann wieder ent­lassen werden, ist das auch egal. Dann zieht er wieder ein paar Jahre um die Welt, bis sie ihn zurück­holen.