Seite 2: Fußball unter chaotischen Bedingungen

Von Träumen lebt der Fuß­ball, in Peru und anderswo. Beson­ders greifbar ist der Enthu­si­asmus oft am Jah­res­an­fang und in klei­neren Orten, wo ein wich­tiges Spiel schon einmal zum Festtag werden kann, an dem alle davon träumen, dass der Name des eigenen Ortes bald in ganz Peru bekannt sein wird.

Fútbol macho“

Aller­dings ist die Copa kein Ort für Fein­geister. Fútbol macho“, Fuß­ball für echte Männer, nennen die Ein­hei­mi­schen den Wett­be­werb. Wer hier weit kommen will, darf tat­säch­lich nicht allzu zart besaitet sein. Nicht nur muss man sich gegen zahl­lose Gegner durch­setzen, son­dern sich auch gegen frag­wür­dige Schieds­richter über Orga­ni­sa­ti­ons­de­fi­zite bis hin zu aben­teu­er­li­chen Platz­ver­hält­nissen behaupten – kaum ein Platz in der Copa Perú ver­fügt über echten Rasen, das Reper­toire reicht vom bil­ligsten Kunst­rasen bis zu staub­tro­ckenen Böden. Und oft auch beschwer­li­chen Anreisen. Ins­be­son­dere in den Bergen können viele Spiel­orte nur nach langen Bus­fahrten über teils unasphal­tierte Straßen erreicht werden.

Spä­tes­tens auf natio­naler Ebene kommt hinzu, dass in einem Land mit mar­kanten geo­gra­phi­schen Unter­schieden der Heim­vor­teil oft gigan­tisch ist. Im Dezember 2015 – als es noch keine Final­runde in Lima gab – kam es im Halb­fi­nale zum Duell zwi­schen Defensor La Bocana aus Sechura im Flach­land des Nor­dens und Alfredo Salinas aus Yauri im süd­li­chen Hoch­land. Im Hin­spiel gewann La Bocana zu Hause in sen­gender Hitze, auf echtem, aber staub­tro­ckenem Rasen und fast auf Mee­res­höhe mit 9:0.

Im Rück­spiel siegte Alfredo Salinas mit 6:0, bei knapp 20 Grad, auf 3920 Metern Höhe und einem tücki­schen Kunst­rasen. Letzt­lich schaffte La Bocana den Sprung in die erste Liga, ohne in der gesamten Ver­eins­ge­schichte auch nur ein ein­ziges Spiel außer­halb des eigenen Depar­te­ments gewonnen zu haben.

Stoff für zahl­reiche Anek­doten

Für die Anzie­hungs­kraft der Copa Perú sind diese teils chao­ti­schen Bedin­gungen kei­nes­falls abträg­lich. Das mediale Inter­esse ist groß, und gerne stürzt man sich auf die Anek­doten, die sich unwei­ger­lich ergeben. Zu den schönsten Anek­doten gehört ein Spiel aus Pariñas, in dem die Gast­geber von Miguel Grau aus San Pedro mit sieben Spie­lern antraten, zur Pause gegen das voll­zählig ange­tre­tene Depor­tivo Chocán aber sen­sa­tio­nell mit 2:1 führten, nur um dann das Spiel zu Gunsten eines Frei­zeit­tur­niers abzu­bre­chen.

Ähn­lich ver­hielt es sich mit den Kol­legen vom Klub Peña Qui­roga aus dem Distrikt Los Órganos, die im Februar 2016 am grünen Tisch ver­loren, nachdem sich der Schieds­richter ange­sichts des erkenn­baren Voll­rau­sches weiter Mann­schafts­teile gewei­gert hatte, das Spiel auch nur anzu­pfeifen.