Wenn die Fans des FC Schalke 04 über ihren Mann­schafts­ka­pitän reden, dann leuchten die Augen. Mar­celo Bordon ver­kör­pert für die meisten von ihnen, was sie unter einem echten Schalker ver­stehen. Mit großem Kämp­fer­herzen geht der Innen­ver­tei­diger loyal seiner Arbeit nach. Ist der Bra­si­lianer nicht ver­letzt (was relativ selten vor­kommt) oder gesperrt (was eben­falls nicht oft der Fall ist), gehört er in der Innen­ver­tei­di­gung zu den Säulen des Schalker Spiels. Das ist nicht ver­wun­der­lich, denn er bringt die unab­ding­baren Vor­aus­set­zungen mit, die man im Abwehr­zen­trum braucht. Er hat mit 1,89 Metern nicht nur die rich­tige Kör­per­größe, son­dern ver­fügt auch über eine beein­dru­ckende Ath­letik.

Der knapp 90 Kilo­gramm schwere Bordon lässt gestan­dene Bun­des­li­ga­spieler im Luft­duell nicht selten wie unbe­darfte Jugend­ki­cker wirkten. Er ist inso­fern auch ein sehr bra­si­lia­ni­scher Ver­tei­diger, weil von diesen oft vor allem über­ra­gende Prä­senz im Straf­raum ver­langt wird, dafür ihr Spiel nach vorne nicht sehr hoch ent­wi­ckelt ist, wie man auch an Lúcio vom FC Bayern sieht. In der ver­gan­genen Saison hat es zwei­fellos auch mit an Bordon gelegen, dass Schalke nur 32 Gegen­tore hat hin­nehmen müssen, die dritt­we­nigsten aller Bun­des­li­gisten. In der Defen­sive lagen die Pro­bleme der Schalker also nicht, die zugleich jedoch nur 55 Treffer erzielten. Immerhin die Hälfte davon fielen nach Stan­dard­si­tua­tionen, wobei Bordon vor allem mit seiner Kopf­ball­stärke gefähr­lich war und fünf Tore selber schoss und ein wei­teres vor­be­rei­tete.

Quer­passen und nach vorne dre­schen


Doch genau dieses erfolg­reiche Spiel nach dem ruhenden Ball täuschte zugleich über das spie­le­ri­sche Desaster in der letzten Saison hinweg. Aus dem Spiel heraus erzielten näm­lich nur sechs Mann­schaften noch weniger Tore als Schalke, die fünf Teams am Tabel­len­ende und der Karls­ruher SC. Wenn der neue Trainer Fred Rutten das Schalker Spiel einer Revi­sion unter­zieht, wird er auch die Abwehr genauer in den Blick nehmen müssen. Hatte man zu Beginn des letzten Jahres noch den Ein­druck, dass Mirko Slomka den Spiel­aufbau von hinten heraus flüssig gestal­tete, die Angriffe dann aber nach vorne ver­läp­perten, änderte sich das Bild wäh­rend der Saison. Zuneh­mend wurde schon das Spiel aus der letzten Reihe schlep­pend, und dabei fiel Mar­celo Bordon negativ auf. Ent­weder passte er den Ball quer auf den Außen­ver­tei­diger Rafinha, oder er drosch gar lange Bälle in die Spitze, mit denen nie­mand etwas anfangen konnte.

Schaute man dann noch etwas genauer auf sein Defen­siv­spiel, fiel auf, dass Bor­dons Timing nicht mehr so gut war wie früher. Vor allem ver­ur­sachte er mehr Frei­stöße, als man von einem Mann seiner Klasse erwarten sollte. Schalke kas­sierte übri­gens sieben Gegen­tore nach Frei­stößen, der FC Bayern hin­gegen nur eines, Werder Bremen und der Ham­burger SV nur vier. Ob die erhöhte Zahl von Fouls nur Folge einer Form­schwäche von Bordon war oder ob sich beim 32-Jäh­rigen schon das Alter mel­dete, wird Rutten ent­scheiden müssen. Aber wenn er mit Schalke wieder näher an die abso­lute Spitze her­an­rü­cken will, wird er um eine Unter­su­chung von Mar­celo Bor­dons Part in Defen­sive und Offen­sive nicht her­um­kommen.