Dieses Inter­view wurde mit dem bela­rus­si­schen Medium Nasha Niva geführt und ist in deut­scher Über­set­zung erst­mals bei Dekoder erschienen. Wir dürfen das Gespräch mit Oleg Dulub, der über die rus­si­sche Inva­sion und seine Flucht aus der Ukraine spricht, mit freund­li­cher Geneh­mi­gung eben­falls ver­öf­fent­li­chen.

Oleg Dulub, ist Ihnen die Ent­schei­dung schwer gefallen, das Land zu ver­lassen?
Die ist spontan gefallen, ich hatte nicht vor, die Ukraine zu ver­lassen. Ich kam wie gewöhn­lich zum Platz, und dort wurde mir und Was­sili Cho­mu­towski (dem bela­rus­si­schen Tor­wart­trainer des FK Lwiw., d. Red.) gesagt, dass wir schleu­nigst weg müssten, weil bald bela­rus­si­sche Truppen in die Ukraine ein­mar­schieren. Wenn das pas­siert, würde uns die EU viel­leicht nicht mehr rein­lassen. Es gab gute Gründe, diesem Tipp zu ver­trauen. Außerdem sahen wir ja, was rundum vor sich ging. Unsere ukrai­ni­schen Spieler mussten sich zum Bei­spiel bei bei der Ein­satz­lei­tung der Ter­ri­to­ri­al­ver­tei­di­gung melden und sich dort ein­tragen. Wir haben gefragt, was wir Aus­länder denn tun sollen. Die Leute vom Verein tele­fo­nierten herum und sagten uns dann: Fahrt schnell weg! Auch wenn ich es immer noch bedaure, dass ich die Ukraine ver­lassen habe, weil die Mann­schaft dort geblieben ist und ich dort immer gut behan­delt wurde.

Wie sind Sie aus­ge­reist?
Der Club hat uns geholfen. Wir fuhren mit einem Auto mit bela­rus­si­schen Kenn­zei­chen. Vor uns fuhr ein Fahr­zeug vom Verein zur Beglei­tung, und an allen Kon­troll­punkten ging es durch den grünen Kor­ridor.

Was waren für Sie die stärksten Ein­drücke?
Vor allem die Menge an Men­schen. Wir hatten im Voraus die War­te­schlangen an den Grenz­über­gängen gecheckt; bis zwei Uhr nach­mit­tags war nie­mand da, keine Autos, keine Geflüch­teten. Als wir aber ankamen, da hatte schon der Flücht­lings­strom ein­ge­setzt. Beein­druckt im posi­tiven Sinne hat mich, wie der Grenz­über­tritt orga­ni­siert war, wie gut die ukrai­ni­schen und pol­ni­schen Grenz­be­amten gear­beitet haben. Auf der anderen Seite der Grenze, in Polen, wollten viele Männer in die Ukraine fahren, um sie zu ver­tei­digen. Es ist nur schwer zu ver­mit­teln, was wir im Vor­feld der Grenze gesehen haben. Eine Schlange von fünf Kilo­me­tern, aus Frauen und Kin­dern, die von Män­nern begleitet waren. Sie haben die Frauen und Kinder zur Grenze gebracht und sind dann umge­kehrt, um ihr Land zu ver­tei­digen. In War­schau erlebte ich dann eine beson­dere Situa­tion. Ich erreichte mein Hotel am Flug­hafen, all inclu­sive“. Hinter mir saß ein älterer Mann, ihm war anzu­sehen, dass er die Kleider anhat, in denen er von zu Hause los­ge­gangen war. Dieser Mann war sehr ver­wirrt, als ob er zum ersten Mal in einem sol­chen Hotel ist und nicht weiß, was er tun soll. Vom Aus­sehen her schien er Bauer zu sein. Der Hotel­ma­nager ging zu ihm und bot ihm Kaffee oder Tee an, der Mann ver­stand ihn nicht. Eine junge Frau wurde gerufen, die Rus­sisch spricht und ihm nochmal Kaffee oder Tee anbietet. Der Mann schaute sie an und saget: Ich habe Hunger.“ Das heißt, da wurde jemand ein­fach aus seiner nor­malen Umge­bung gerissen und über die Grenze gebracht. Das hat mich sehr ergriffen. Ich kann ver­stehen, was für ein Stress das für ihn ist.

War die Ukraine für Sie ein Zuhause?
Ich würde sie als mein zweites Zuhause bezeichnen, beson­ders jetzt, wo ich zum zweiten Mal gekommen bin, um in der höchsten ukrai­ni­schen Liga zu arbeiten. Die Hal­tung gegen­über uns (als Trai­ner­team, Anm. d. Red.) ist jetzt eine ganz andere, denn die Leute haben gesehen, wie wir 2016/17 beim ersten Mal in der Ukraine gear­beitet haben. Sie haben für uns die besten Bedin­gungen geschaffen, im Alltag und fürs Trai­ning. Es ver­steht sich, dass es bei der Arbeit unter­schied­liche Momente gibt. Aber so ist Fuß­ball, alles gut. Ich will noch etwas zur Hal­tung der Men­schen in der Stadt sagen, beson­ders bei unserer zweiten Ankunft. Ich war ange­nehm über­rascht, dass mich die Leute in Lwiw erkannten; sie kamen auf mich zu, grüßten mich, wünschten viel Erfolg. Und das, obwohl die meisten in der Stadt Fans von Kar­paty sind (der Verein hatte sich 2021 auf­ge­löst, Anm. d. Red.). Viel­leicht kennen mich die Leute gerade des­halb, weil ich Kar­paty 2016 von ganz unten hoch­ge­holt habe.

Was, du schläfst? Bei euch ist doch Krieg!“

Wie steht es jetzt um Lwiw?
Die aus­län­di­schen Spieler haben das Land ver­lassen, aber die Ukrainer sind alle in Lwiw. Sie sind ver­pflichtet, in der Ter­ri­to­ri­al­ver­tei­di­gung zu arbeiten, beim Abladen der huma­ni­tären Hilfs­güter mit­zu­helfen. Anschlie­ßend trai­nieren alle gut orga­ni­siert, gehen in die Trai­nings­halle und spielen Fuß­ball.

Wie haben Sie den 24. Februar erlebt?
Ich erin­nere mich an den Abend davor. Wir waren mit dem Trai­ner­team im Hotel etwas essen und redeten über die Lage und den dro­henden rus­si­schen Ein­marsch. Wir waren uns einig, dass in einer sol­chen Situa­tion kein nor­maler Mensch einen Krieg anfängt, weil der nicht zu gewinnen ist. Wir gingen ganz ruhig schlafen, und so gegen halb sechs bekam ich einen Anruf auf Viber. Die Jungs aus Belarus mel­deten sich und fragten: Was, du schläfst? Bei euch ist doch Krieg!“ Ich ging ins Internet, schaute mir die Rede eines gewissen Genossen über den Beginn der soge­nannten Spe­zi­al­ope­ra­tion an. Ich dachte sofort an die Zeilen aus dem Lied: „[Am 22. Juni] // Genau um vier Uhr // Wurde Kyjiw bom­bar­diert // Uns wurde gesagt, // Dass jetzt Krieg ist“. Die Rede ging ja um fünf Uhr Mos­kauer Zeit raus, und in Kyjiw war es da vier. Ich sah sofort viele Par­al­lelen zu jenem Krieg, zu 1941. Um 12 Uhr hatten wir eine Ver­samm­lung und danach ein Gespräch mit der Ver­eins­lei­tung. Rund drei Stunden saßen wir noch auf der Anlage rum, dann fuhren wir ins Hotel zurück.

Wie sehr spürt man in Lwiw, dass jetzt Krieg ist?
Lwiw ist im Hin­ter­land, und alle Kampf­hand­lungen werden vom Hin­ter­land aus unter­stützt. Und was ich in dieser Stadt gesehen habe, hat mich ver­blüfft, zutiefst berührt. Zum einen sah ich lange Schlangen vor den Mus­te­rungs­be­hörden. Da standen Männer, die ver­suchten sich zur Armee zu melden, aber nicht genommen wurden. Es hieß, alle Ein­heiten seien schon kom­plett, es gebe aber nicht genug Waffen. Ein paar Tage später begann vor den Mus­te­rungs­be­hörden die Samm­lung von Sachen für die Geflüch­teten. Ich erin­nere mich an Berge von Essen und Klei­dung. Und wei­tere fünf Tage später gab es in Lwiw die ersten Kon­troll­posten. Das kam sehr uner­wartet: Du kommst abends von der Anlage und es ist nichts zu sehen. Mor­gens willst du dann zur Anlage und stehst plötz­lich vor einem Kon­troll­posten. Gleich­zeitig waren die Schlangen vor dem Mili­tär­kom­mis­sa­riat nicht ver­schwunden. Da standen sehr viele Männer, die nach Kyjiw wollten, um die Stadt zu ver­tei­digen. Rund eine Woche nach Kriegs­be­ginn erklärte der Bür­ger­meister von Lwiw, dass sich alle Männer zwi­schen 18 und 60 für eine Betei­li­gung an der Ter­ri­to­ri­al­ver­tei­di­gung regis­trieren lassen müssen, auch die Spieler des Ver­eins.

Wie haben Sie die Zeit von Kriegs­be­ginn bis zur Aus­reise ver­bracht?
Ich musste mich irgendwie ablenken. Ich habe natür­lich die Nach­richten geschaut, haupt­säch­lich CNN und ukrai­ni­sche Sender. Ich sah jetzt weniger rus­si­sche und bela­rus­si­sche Pro­gramme. Ins­be­son­dere nach den Bei­trägen über den Angriff auf das Ver­wal­tungs­ge­bäude in Charkiw, als die Bela­russen sagten, die Ukrainer hätten sich selbst in die Luft gejagt. Ich bekomme ja aus ver­schie­denen Quellen Infor­ma­tionen, was tat­säch­lich in der Ukraine vor sich geht. Der Manager unseres Ver­eins war in Butscha, im Zen­trum der Kämpfe, ein­ge­schlossen unter der Erde. Er hat erzählt, was die soge­nannten rus­si­schen Befreier“ getan haben, und das erin­nert mich an das Vor­gehen der Faschisten im Zweiten Welt­krieg.

Was haben Sie erfahren?
Ende März gab es da den Jungen, dessen Vater vor seinen Augen erschossen wurde. Dem Jungen haben sie in den Kopf geschossen. Dieser Junge war der Freund der Tochter unseres Mana­gers, er kennt das Kind und die Eltern, die ums Leben kamen. Irgend­wann am zweiten oder dritten Tag der Bom­ben­an­griffe rief ich diesen Manager an, und er schal­tete auf Video. Ich sah, wie da die Leute im Luft­schutz­keller saßen. Ziem­lich schwer, jemanden in dieser Situa­tion etwas zu fragen. Andrej Maka­re­witsch hat das gut gesagt: Wenn jemand im Krieg war, erin­nert er sich nicht gern daran. Auch einer unserer Scouts war in Butscha. Andere Scouts waren in Charkiw und in Sapo­rishshja und erzählten, wie dort die Häuser mit direktem Beschuss bom­bar­diert werden, mit den Mehr­fach­ra­ke­ten­wer­fern, mit Gra­naten und so weiter. Bei der Menge an Infor­ma­tionen könnte man ver­rückt werden. So viel Nega­tives. Ich sah die Erschüt­te­rung der Men­schen, ich weiß, dass der Sohn unseres Scouts seit den Bom­ben­an­griffen ständig Schluckauf vor Ner­vo­sität hat, und wie sehr sich die Hal­tung dieses Mannes gegen­über Russen und Bela­russen ver­än­dert hat.

Die Nation hat sich um Selensky zusam­men­ge­schlossen“

Haben Sie selbst Anfein­dung erlebt?
Was Lwiw angeht, da gab es nichts. Weil man mich hier sehr gemocht hat. Der ein­zige Nach­teil war, dass einige Tage nach Kriegs­be­ginn meine Geld­karte gesperrt wurde, weil die Konten von Russen und Bela­russen ein­ge­froren werden sollten. Das war für mich okay, schließ­lich ist das Land im Krieg, und da geht es zur Sache.

Hat diese Zeit ihre Wahr­neh­mung von den Ukrai­nern ver­än­dert?
Nur zum Posi­tiven. Ich habe eine geeinte Nation gesehen. Für sie ist dieser Krieg so wie der Große Vater­län­di­sche Krieg für die Sowjet­union: Die Men­schen sind durch das gemein­same Ziel ver­eint, diesen Krieg zu gewinnen. Mich hat auch erstaunt, wie sich die ukrai­ni­schen Sportler ver­halten haben. Sie standen mit wenigen Aus­nahmen zusammen. Andrij Boh­danow, ein Fuß­baller von Kolos, legte den Eid ab, nahm die Maschi­nen­pis­tole und zog in den Krieg – und es gibt noch mehr sol­cher Bei­spiele. Vor dem Krieg schienen die Ukrainer nicht son­der­lich geschlossen hinter Prä­si­dent Selensky zu stehen. Aber wie er sich dann nach Kriegs­be­ginn ver­halten hat! Die Lage ist kri­tisch, man müsste eigent­lich weg, und er sagt: Nein, ich werde mit der Waffe in der Hand kämpfen. Und das hat sich auf die Bevöl­ke­rung über­tragen. Die Nation hat sich um Selensky zusam­men­ge­schlossen.

Die Blutspur des Tigers Belgrader Hooligans als Freischärler

Im Jahre 1992 zieht die Miliz des ser­bi­schen Unter­welt­kö­nigs Arkan eine blu­tige Spur durch Kroa­tien und Bos­nien. Unter den Frei­schär­lern sind zahl­reiche Hoo­li­gans von Roter Stern Bel­grad. Die Geschichte einer Ver­wand­lung.

Hat sich Ihre Hal­tung zu Russ­land jetzt geän­dert?
Ja, meine Bezie­hung zu Russ­land hat sich sehr ver­schlech­tert. Wie sich die soge­nannten Befreier ver­halten (denkt nach.) – so kann man im 21. Jahr­hun­dert nicht vor­gehen. Sie ver­nichten ganze Städte zusammen mit der Zivil­be­völ­ke­rung, ein­fach nur des­halb, weil diese Städte rus­sisch­spra­chig sind, aber die Men­schen sie dort nicht mit Salz und Brot emp­fangen. Man muss ver­stehen, dass die Ukraine ein freies Land ist und die Ukrainer nur sehr schwer zu ver­sklaven sind. Eher sterben sie, aber sie werden nie­mals mehr Sklaven sein.

Was denken Sie über die Sank­tionen gegen rus­si­sche und bela­rus­si­sche Sportler?
Ich ver­stehe über­haupt nicht, warum diese Sank­tionen für Empö­rung sorgen. Die­je­nigen, die damit nicht ein­ver­standen sind, sagen: Nun, der Sport steht jen­seits der Politik. Wer hat sich bloß diesen Satz aus­ge­dacht? Jeder Sport, und sei es im Kleinsten, spie­gelt trotzdem das Geschehen in der Gesell­schaft wider. Erin­nern wir uns nur an die Olym­pi­schen Spiele 1936 in Deutsch­land. Wozu haben die Deut­schen sie gebraucht? Um die Über­le­gen­heit der ari­schen Rasse zu zeigen. Die Olym­pi­schen Spiele in Moskau und Sot­schi haben dazu gedient, mit Hilfe des Sports die Über­le­gen­heit der Sowjet­union bzw. Russ­lands zu zeigen. Meiner Mei­nung nach sollte ein Land, das im 21. Jahr­hun­dert im Herzen Europas einen Krieg ent­facht hat, bestraft werden. Ich sage nicht, dass die Sportler am Krieg schuld sind: Die großen Firmen ver­lassen das Land, den Banken wird der Zugang zu SWIFT gesperrt und so weiter. Der Sport steht hier an vor­letzter Stelle. Ich denke nicht, dass sich der Sport jen­seits der Politik befindet. Jeder Sportler ist auch Bürger seines Landes. Und wir reden hier nicht davon, wen du wählst, ob die Roten, die Gelben, die Weißen oder die Grünen, son­dern darum, ob du Mord gut­heißt oder nicht.

Die schlimmsten Men­schen auf der Welt, das sind wirk­lich die schwei­genden Duck­mäuser“

Bela­rus­si­sche Sportler haben einen regi­me­freund­li­chen Brief unter­zeichnet, rus­si­sche Sportler sind zu regi­me­freund­li­chen Ver­an­stal­tungen gegangen. Haben sie alle die Sank­tionen ver­dient?
Für mich ist die Ant­wort klar: Sie haben es ver­dient. Natür­lich können sie sagen, sie hätten sich nicht für sowas inter­es­siert und hätten ein­fach nur trai­niert. Wissen Sie, es gab da den tsche­chi­schen Schrift­steller Julius Fučik, den haben die Nazis 1944 hin­ge­richtet. Als er im Gefängnis war, hat er das Buch Repor­tage unter dem Galgen geschrieben, in dem er beschreibt, was mit ihm geschah. Da gibt es einen guten Satz, den kenne ich aus­wendig: Fürchtet euch nicht vor Feinden, die können höchs­tens töten, fürchtet euch nicht vor Freunden, die können höchs­tens Verrat üben, fürchtet euch vor gleich­gül­tigen Leuten, denn durch ihre schwei­gende Zustim­mung geschehen die fürch­ter­lichsten Ver­bre­chen der Welt. Die schlimmsten Men­schen auf der Welt, das sind wirk­lich die schwei­genden Duck­mäuser. Ich respek­tiere jede Posi­tion, ver­stehe das aber so, dass jeder zumin­dest eine haben sollte. Jeder Mensch ist ein­malig, aber vor Gott sind alle gleich. Es ist ja nicht so, dass jemand als Prä­si­dent geboren wird. Nein, du wirst zunächst als Mensch geboren, erst dann erringst du ein Amt.

Ist der Sport in Belarus noch am Leben?
Ama­teur­sport, ja, der lebt. Der Pro­fi­sport aber, die Wett­be­werbe mit den besten Ath­leten der Welt, diese Mög­lich­keit wird es für bela­rus­si­sche und rus­si­sche Sportler nicht mehr geben. Daher wird der Sport in diesen Län­dern auf das Niveau von Frei­zeit­sport absinken, wenn er nur wegen der Gesund­heit betrieben wird. Erklären Sie mir doch bitte, wer den bela­rus­si­schen Sport noch braucht, von dem sich nach den Pro­testen im Jahr 2020 die Fans abge­wandt haben und dem die inter­na­tio­nale Bühne ver­sperrt ist?

Die Ideo­logen.
Die Ideo­logen müssen demons­trieren, dass die bela­rus­si­sche Nation den anderen Nationen über­legen ist. Aber wie wollen sie das zeigen, wenn sie sich nicht mit den besten Sport­lern messen können? Sie spielen nicht gegen Bayern Mün­chen oder Liver­pool, son­dern gegen Mann­schaften mit dem Niveau von Smo­le­wit­schi oder Mika­sche­wit­schi. Das ist das Niveau von Betriebs­sport­meis­ter­schaften. Was hat das mit Ideo­logie zu tun? Die ver­liert da den Sinn. Es ist ja so: Es wird gesagt, hebt die Sperre auf, und wir zeigen euch, dass wir gute Sportler haben. Die Sperre wird aber nicht auf­ge­hoben und die Bela­russen werden weiter im eigenen Saft schmoren. Es gibt einen guten Spruch: Wenn du ein Löwe sein willst, musst du auch mit Löwen kämpfen – nicht mit Katzen oder Mäusen, son­dern eben mit Löwen! Die Löwen, das sind hier die besten Sportler der Welt, und wenn du gegen die spielst, dann wirst du besser.

Glauben Sie an die Zukunft von Belarus?
Ja. Die Genossen, die da jetzt am Ruder sind, die kommen und gehen. Ich hoffe, dass das Land bald frei sein wird.

Machen Sie jetzt irgend­welche Pläne für Ihr Leben?
Nun, ich ver­suche her­aus­zu­finden, wie ich die Mann­schaft trai­nieren soll, wenn die ukrai­ni­sche Meis­ter­schaft wei­ter­geht. Ich denke, wir werden nur ein paar Wochen zum Trai­nieren haben, um zumin­dest teil­weise Kon­di­tion zu kriegen.

Gibt es eine Chance, dass die Meis­ter­schaft schon bald wei­ter­geht?
Das hoffe ich sehr. Man muss wissen, dass Fuß­ball in jedem Land mehr ist als nur eine Sportart. In Spa­nien wurde unter Franco ver­sucht, den Fuß­ball wie­der­zu­be­leben, um zu zeigen, dass im Land alles wieder normal sei. Ich denke, das erste, was die Ukraine machen wird, wenn sich alles wenigs­tens ein biss­chen wieder ein­ge­renkt hat, ist eine Fort­set­zung der natio­nalen Meis­ter­schaft. Als der Krieg begann, habe ich nach­ge­schaut, wann die sowje­ti­sche Meis­ter­schaft nach dem Großen Vater­län­di­schen Krieg wei­ter­ging. Und: Das erste Spiel fand am 13. Mai 1945 statt, wenige Tage nach Kriegs­ende. Da haben wir‘s.