Es könnte eine Szene aus einem Spio­na­ge­film sein. Eine Kneipe in Anda­lu­sien. Ein Raum, die Wände gefließt, der Ser­rano hängt am Bein von der Decke. Die Wein­fla­schen in den oberen Etagen des Regals hinter der Bar sind ver­staubt, in einer schumm­rigen Ecke läuft ein kleiner Fern­seher. Es läuft La Liga. Fünf Leute – drei Gäste, der Bar­keeper und ein Kellner – schauen zu. Doch eigent­lich sind sie zu sechst. Von den anderen unbe­merkt, hört auch ein ver­deckter Spion mit. Aller­dings nicht der anda­lu­si­sche James Bond, son­dern der Liga­ver­band LFP.

Ob alles eine Frage des Geldes ist, daran scheiden sich die Geister. Im modernen Pro­fi­fuß­ball ist die These aller­dings größ­ten­teils unbe­stritten. Vom Spie­ler­transfer über den Spon­so­ren­ver­trag bis zum ver­mark­teten Sta­di­on­namen besitzt sie weit­rei­chende Gül­tig­keit. Auch bei der Ver­mark­tung von TV-Rechten lässt sich dar­über nicht streiten, werden diese doch durch Auk­tionen an die höchst­bie­tenden Sender ver­geben.

Das Geschäft ist lukrativ. Die Deut­sche Fuß­ball­liga (DFL) erzielt mit dem Ver­kauf der natio­nalen Rechte pro Jahr rund 1,16 Mil­li­arden Euro. Sky wie­derum, der Inhaber des größten Rech­te­pa­kets, ver­dient mit den Abon­ne­ments seines Bun­des­liga-Ange­bots große Summen – nicht nur durch Pri­vat­kunden. Gas­tro­no­mie­be­triebe, die die Über­tra­gungen ihren Gästen zur Ver­fü­gung stellen, zahlen extra. 

250.000 Euro wegen man­gelnder Trans­pa­renz

Das gleiche Prinzip gilt euro­pa­weit. Auch in Spa­nien, wo der Rech­te­ver­kauf dem Liga­ver­band LFP im euro­päi­schen Ver­gleich nach Eng­land die zweit­höchste Summe ein­bringt: Ab 2019 werden es circa zwei Mil­li­arden Euro pro Jahr sein. Natür­lich zahlen die Sender diese Summen im Inter­esse, damit Gewinne zu machen. Dieses Inter­esse ver­tei­digt die LFP. Mit allen Mit­teln.

Dass sie dabei Grenzen über­schreitet, befand jetzt die spa­ni­sche Daten­schutz­agentur AEPD. Der Ver­band setzte die offi­zi­elle La-Liga-App ein, um über Posi­ti­ons­daten und Mikro­fone der Mobil­te­le­fone ihrer Nutzer unli­zen­sierte Aus­strah­lungen zu iden­ti­fi­zieren. Weil diese Funk­tionen nicht trans­pa­rent genug seien, belegte die AEPD ihn mit einem Buß­geld von 250.000 Euro.

400 Mil­lionen Euro Ver­lust durch Über­tra­gung­s­pi­raten

Zehn Mil­lionen Men­schen haben die App run­ter­ge­laden. Wer sie erst­mals auf seinem Mobil­gerät öffnet, muss sich durch einige Nut­zungs­be­din­gungen kämpfen, ver­schie­dene Zustim­mungen erteilen und Infor­ma­tionen als gelesen mar­kieren, die dar­über auf­klären, welche Daten die App erhebt. Anschlie­ßend kann man der App Zugriff auf Mikrofon und Stand­ort­daten erlauben. 

Früher war das hin­gegen nicht so. Erst mit der Ein­füh­rung der EU-weiten Daten­schutz­grund­ver­ord­nung (DSGVO) kam die bis dahin ver­deckte Praxis ans Licht. Ähn­lich dem Musik-Erken­nungs­pro­gramm Shazam greift die App zum Zeit­punkt von La-Liga-Über­tra­gungen auf Mikrofon und Ortungs­dienste der Smart­phones zu, um her­aus­zu­finden, ob sich der Fan in einer Kneipe befindet, die lizen­siert ist, Spiele öffent­lich zu zeigen. Ist sie es nicht, landet wenig später eine Abmah­nung im Brief­kasten. Über­tra­gungs-Pira­terie koste den Ver­band rund 400 Mil­lionen Euro im Jahr.