Beson­ders beein­druckt zeigt sich Thomas Tuchel stets von der Pro­fes­sio­na­lität und der Per­sön­lich­keit Nuri Sahins. Allein dadurch strahle der Mit­tel­feld­spieler jeden Tag in die Mann­schaft“, for­mu­lierte der Dort­munder Trainer neu­lich auf der Dienst­reise nach War­schau.

Der tür­ki­sche Natio­nal­spieler hatte sie erst gar nicht antreten dürfen. Wie so oft in dieser Saison. Noch nicht einmal stand Sahin auf dem Platz, noch nicht einmal konnte er mit einer Grät­sche den Ball fest­ma­chen, und ihn dann ver­teilen. 

Bälle ver­teilen, sich hinter die Innen­ver­tei­diger fallen lassen, anti­zi­pieren: Das sind jetzt die Auf­gaben von Julian Weigl, dem 21-jäh­rigen Traum der Genera­tion Spiel­ver­la­ge­rung, dem Ball­kon­takt­re­kord­halter der Bun­des­liga. Die Sahin-Grät­sche ist da nicht mehr gefragt. Im 4−1−4−1 ist kein Platz mehr für ihn. Davor spielen: Rode, Castro, Guer­reiro, Götze, manchmal sogar Kagawa. Alle sind offen­siver. 

Ein Ver­spre­chen auf eine noch glanz­vol­lere Zukunft

Die Erin­ne­rungen an seinen Bei­trag zum Dort­munder Auf­schwung unter Jürgen Klopp ver­blassen langsam. Als die Dort­munder werden, was sie jetzt sind, ist Sahin der Takt­geber im Mit­tel­feld, der mit seinen Pässen das Spiel domi­niert, der Traum­tore anhäuft und die Mann­schaft 2011 zum uner­war­teten Meis­ter­titel führt. 

Wie er es als 18-jäh­riger in einem kicker-Inter­view ver­spro­chen hat. Irgend­wann werde ich diese Mann­schaft führen können“, sagt er im Juli 2007. Das tut er nach seiner Rück­kehr aus dem Rot­ter­damer Exil, in das er 2007 unter Doll geflüchtet war. 

Ins erste Meis­ter­jahr geht er mit der Erfah­rung über 100 Bun­des­li­ga­spielen. Dort ist er ein Ver­spre­chen auf eine noch glanz­vol­lere Zukunft der Borussia. Er kann diese Mann­schaft führen. Jeder sieht das. Und dann ver­lassen. Nach 135 Liga­spielen, 13 Tore und 28 Assists. Der erste Stamm­spieler dieser Mann­schaft, der den Ver­lo­ckungen der großen Fuß­ball­welt nicht wider­stehen kann.

In Madrid nur ein wei­terer Name

Er ist 22 Jahre. Ich kann ver­spre­chen, dass ich, egal was in den nächsten Jahren pas­sieren wird, immer ein Dort­munder bleiben werde“, sagt er auf seiner letzten Pres­se­kon­fe­renz im Mai 2011, Michael Zorc starrt Berater Reza Fazeli miss­mutig an, der grinst zurück. Gewinner und Ver­lierer.

Gün­dogan kommt und der BVB durch­lebt die noch glanz­vol­lere Zukunft mit dem Double im Fol­ge­jahr und der großen Cham­pions League-Saison 2012/2013. Sahin wird in der Ferne nicht glück­lich. Er wird nicht der neue Xabi Alonso in Madrid. Das Knie ist kaputt, die König­li­chen unge­duldig, er nur ein wei­terer Name, ein Ver­such, der nach 18 Monaten und einer Leihe nach Liver­pool schei­tert.

Also zurück. Zorc schaut nicht mehr miss­mutig, er lacht. Eine große Insze­nie­rung an einem Frei­tag­abend. Char­ter­flug direkt aus dem Trai­nings­lager in La Manga. An Bord: Geschäfts­führer Aki Watzke und Michael Zorc. Die Lokal­presse berichtet live vom Medi­zin­check. Nuri is back. Und das ist auch gut so“, wowe­reitet Watzke, Zorc ergänzt: Nuri ist wieder zuhause“, und Nuri lacht und Dort­mund weint vor Freude.