Seite 2: „Du versuchst, die Umstände auszublenden“

Sind die beson­deren Bedin­gungen des Spiels vorab the­ma­ti­siert worden
Wir haben damals unser Abschluss­trai­ning häu­figer im Sta­dion abge­halten, auch ohne Zuschauer. Des­wegen kannten wir die Situa­tion zumin­dest ein biss­chen. Aber ein Spiel ist noch etwas anderes. Man sollte sich darauf vor­be­reiten, wird sich aber nicht end­gültig darauf vor­be­reiten können – weil man es nicht kennt. Und selbst wenn man es weiß, fühlt es sich noch einmal anders an. Das eine ist Wissen, das andere Erleben. Der ein­zige Vor­teil war, dass du die Anwei­sungen deines Trai­ners auch am anderen Ende des Platzes noch gehört hast. Das ist bei einem nor­malen Spiel mit Zuschauern nicht der Fall.

Es war also ein biss­chen wie in der A‑Jugend, wenn nur ein paar Ver­wandte am Spiel­feld­rand stehen.
In der Jugend spielst du ja nicht in einem leeren Sta­dion mit Tri­bünen an allen Seiten. Gegen Nürn­berg im Sta­dion war es noch mal anders. Ein­fach weil es so gehallt hat. Wenn ich einem Kol­legen etwas zuge­rufen habe, gab es ein leichtes Echo, so als wür­dest du dich dop­pelt hören.

Hat das dazu geführt, dass Sie im Spiel weniger geredet haben als sonst?
Der eine oder andere wird mit Sicher­heit weniger gespro­chen haben, weil er sein eigenes Wort per­ma­nent gehört hat. Aber ich war ein recht kom­mu­ni­ka­tiver Spieler. Und du ver­suchst in einem sol­chen Spiel ja auch, die Umstände irgendwie aus­zu­blenden, dich trotz allem auf deinen Job zu fokus­sieren.

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Gab es Anfeue­rungen von den Ord­nern oder den Sani­tä­tern, die ins Sta­dion durften?
Es gab Sprech­chöre, ja. Aber wenn die von ein paar wenigen Leuten kommen, klingt das natür­lich anders. Ich meine, es hätten sich auch Fans vor dem Sta­dion getroffen, die ver­sucht haben, Stim­mung zu machen, ohne dass sie das Spiel ver­folgen konnten.

Man hat von der Begeg­nung vor allem das Gespenst vor Augen, das bei dem Geis­ter­spiel auf den leeren Rängen des Tivoli umher­lief. Ist das von Ale­mannia insze­niert worden?
Ja, hab‘ ich im Nach­hinein erfahren.

Sie wissen also, wer unter dem weißen Laken steckte.
Ich weiß es, ja.

Und? Sagen Sie es uns?
(Lacht.) Da müssen Sie noch ein biss­chen recher­chieren.

Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.