Drei Fakten über Man­chester, die beinah jeder aus dem Ärmel schüt­teln kann. Ers­tens: In der dor­tigen Baum­woll­in­dus­trie wurde der Kapi­ta­lismus erfunden – und das gleich in seiner bru­talsten Erschei­nungs­form. Zwei­tens: Man­chester ist eine Hoch­burg des Fuß­balls. Und drit­tens: In dieser Gegend schifft es tagein, tagaus. In einem Buch, das dann auch kon­se­quen­ter­weise Shake, Rattle and Rain“ heißt, erfährt man außerdem, dass Man­chester wäh­rend einer kurzen Blü­te­zeit Ende der acht­ziger Jahre angeb­lich auch noch das Welt­zen­trum des Pop war, wes­halb die Stadt inof­fi­ziell vor­über­ge­hend Mad­chester“ genannt wurde.

Erst­klas­sigen Beat, Pop, Rock, Punk und noch viel mehr, das aller­dings so mar­ginal und flüchtig war, dass keine eigene Gen­re­bezeich­nung dafür abfiel, hat es dort gegeben. Das bemer­kens­wert schlechte Wetter trug wohl seinen Teil dazu bei, musik­be­geis­terte und nicht selten auch ‑begabte Kids in die Kaschemmen und Übungs­keller zu treiben. Die Band­dichte war min­des­tens so hoch wie im nahen Liver­pool, dem ewigen Rivalen nicht nur im Fuß­ball.

Was die Beatles für Liver­pool waren, bedeu­teten die Hol­lies – die musik­his­to­risch natür­lich längst nicht so wichtig sind, aber kaum weniger Hits hatten – für Man­chester. Beide Gruppen kehrten ihrer Hei­mat­stadt aber schnell den Rücken, weil man in einem so zen­tra­lis­tisch auf die Haupt­stadt – in der die Labels, Manager und Kon­zert­agen­turen resi­dierten – aus­ge­rich­teten Land nur von dort aus über­re­gional Kar­riere machen konnte.

Skandal um Bob Dylan

Im Früh­jahr 1965, als United erst­mals nach dem trau­ma­ti­schen Munich Air Crash wieder Meister wurde, belegten mit Freddie & The Drea­mers, Wayne Fon­tana & The Mind­ben­ders (eine Vor­läu­fer­gruppe von 10CC) und den Her­man’s Her­mits einmal drei Beat­bands aus Man­chester die ersten drei Plätze der US-Charts. Wie in Liver­pool gab es Clubs, die Geschichte schrieben, etwa das Twisted Wheel, von wo aus das Phä­nomen des Nort­hern Soul seinen Aus­gang nahm. Und in der Free Trade Hall schallte Bob Dylan der Ruf Judas“ ent­gegen, weil er es gewagt hatte, mit elek­tro­nisch ver­stärkten Instru­menten auf­zu­treten. Die Electric Dylan Con­tro­versy – hier begann sie. Wahr­lich ein his­to­ri­scher Moment.

Anders als Liver­pool war Man­chester schon damals kaum noch eine Arbei­ter­stadt, es wurde, mit starken Aus­wir­kungen auf die Kul­tur­szene, von seinen diversen Uni­ver­si­täten geprägt, auch von den schon damals dort ansäs­sigen großen TV-Stu­dios.

Diese Ein­rich­tungen sorgten frei­lich für den Zuzug von unzäh­ligen jungen Leuten mit unkon­ven­tio­nellen Ideen und dem Drang zur Selbst­ver­wirk­li­chung. Die Sieb­ziger waren bis zur Revo­lu­tion von Punk und New Wave magere Zeiten gewesen, im Fuß­ball wie im Pop.