Fuß­ball­trainer waren schon immer viel mehr als bloße Hüt­chen­auf­steller und Tak­tik­vor­geber. Trainer ent­scheiden nicht nur, wer spielt und wie man spielt. Sie sind auch Abbild dessen, was ihre Mann­schaft cha­rak­te­ri­siert.

Dort­munds Jürgen Klopp passt mit seinem emo­tio­nalen Dau­er­feuer per­fekt zum BVB, dessen Ver­ant­wort­liche und Fans ja nicht müde werden zu betonen, dass es sich beim Dort­munder Fuß­ball um eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit han­dele. Sowjet-Trainer Walerij Loba­nowski prä­sen­tierte der Öffent­lich­keit über Jahr­zehnte seinen immer glei­chen Gemüts­zu­stand, für den selbst das Wort sto­isch“ viel zu auf­re­gend war. Wenn es je einen Mann gegeben hat, der das Hol­ly­wood-Kli­schee vom Eisernen Vor­hang per­so­na­li­siert hat, dann der gebür­tige Ukrainer. Und José Mour­inho passt mit seiner vor­ge­lebten Mischung aus Per­fek­tion, Arro­ganz, über­trie­benem Ehr­geiz und Arsch­loch­haf­tig­keit ideal zum FC Chelsea des Roman Abra­mo­witsch.

Van Gaal wie auf Par­ty­drogen

Bei dieser Welt­meis­ter­schaft haben sich die Trainer bis­lang ziem­lich zurück­ge­halten. Heiß dis­ku­tiert werden die Schieds­richter und die in Bra­si­lien erstaun­lich auf­fäl­ligen Super­stars. Gut, der sonst so ele­gante Jogi Löw wurde mal wieder beim Nase­bohren erwischt, Louis van Gaal sieht noch immer aus wie auf fri­schen Par­ty­drogen und die Kovac-Brüder hatten bei ihren Auf­tritten was von einem eis­kalten Killer-Duo. Aber das war es dann schon auch.

Wie lang­weilig wäre dieses Tur­nier mit Blick auf den Sei­ten­rand, wenn da nicht Mexikos Miguel Her­rera wäre? El Piojo“, die Laus. Ein 1,68 Meter kleiner Mann ohne Hals und Vor­schlag­hammer-Schädel.

Beim Sieg gegen Kroa­tien war Her­rera eine echte Attrak­tion. Die Tore seiner Mann­schaft beju­belte der 46-Jäh­rige, als habe er soeben die Ban­den­kri­mi­na­lität in seinem Hei­mat­land aus­ge­rottet. Die Kameras zeigten einen bul­ligen Der­wisch, der sich mit See­manns­köpper in die Jubel­traube seiner Spieler schmiss und sich bei einer Umar­mungs­rolle mit seinen Leuten den teuren Anzug rui­nierte. Als klar war, dass seine Riege das Ach­tel­fi­nale bei dieser WM errei­chen würde, flippte Her­rera völlig aus: Diesen Gesichts­aus­druck – hoch­roter Kopf, her­vor­tre­tende Augen, her­aus­ge­streckte Zunge – kennt man nor­ma­ler­weise nur von Men­schen, die gerade eine Fisch­gräte ver­schluckt haben und um ihr Leben ringen. Miguel Her­rera rang um seinen Ver­stand.

Löw oder Capello im Her­rera-Style? Unvor­stellbar

Es gibt Trainer, zu denen ein solch ent­rücktes Ver­halten nicht passen würde. Undenkbar, dass Fabio Capello auf Knien über den Rasen rutscht und dabei sein über Jahr­zehnte auf­ge­bautes Image vom knall­harten Schleifer gefährdet. Und auch Jogi Löw können wir uns nicht dabei vor­stellen, wie er mit schla­ckernder Zunge Bas­tian Schwein­s­teiger umtacklet und mit ihm durch die Coa­ching Zone rollt. Nein, für sol­chen Wahn­sinn muss man schon gemacht sein.

Wie Miguel Her­rera. Der trifft mit seiner Mann­schaft im Ach­tel­fi­nale übri­gens auf die Nie­der­lande und den Kol­legen Louis van Gaal. Sämt­li­chen Pan­to­mime-Künst­lern dieser Welt sei eine 90-minü­tige Beob­ach­tung der Trai­ner­bänke drin­gend emp­fohlen. ARD und ZDF bieten das ja tat­säch­lich mit ihren Apps an. Es könnte wieder lausig werden. Mit fri­schen Par­ty­drogen.