Gibt es hier eigent­lich was zu maulen, nachdem die deut­sche Mann­schaft zum ersten Mal über­haupt bei einer Euro­pa­meis­ter­schaft alle drei Grup­pen­spiele gewonnen hat? Gibt es einen Anlass zu Sor­gen­falten, nachdem sie in der so genannten Todes­gruppe“ dem Tod zwar mit zwi­schen­durch zit­ternden Knien aber letzt­lich doch ziem­lich sicher von der Schippe gesprungen ist? Und welche Ein­wände könnte es geben, wo ange­sichts des nächsten Geg­ners Grie­chen­land der rote Tep­pich ins Halb­fi­nale bereits aus­ge­rollt scheint?

Mau­ernde Gegner

Woher kommt der selt­same Dunst von Unzu­frie­den­heit, der auch über dem Sieg gegen Däne­mark lag? Wie schon in den beiden Par­tien vorher war wieder viel von der Luft nach oben“ die Rede. Thomas Müller sprach aus­drück­lich davon und andere auch, denn eigent­lich kam in allen drei Spielen der Vor­runde das deut­sche Kom­bi­na­ti­ons­spiel nicht so in Gang, wie man es in den letzten beiden Jahren oft gesehen hatte. Klar, längst gehen die Gegner vor allem mit der Maß­gabe ins Spiel ein sol­ches nicht in Gang kommen zu lassen. Por­tugal machte das Zum Auf­takt sehr gut, Hol­land danach eher schlampig, und Däne­mark blieb fast bis in die Schluss­mi­nuten kon­se­quent dabei, als sie doch eigent­lich einen Sieg­treffer benö­tigten. Und es bedarf keiner beson­deren Vor­aus­sa­ge­kraft, um zu behaupten, dass es im Vier­tel­fi­nale gegen Grie­chen­land wieder genauso wird.

Joa­chim Löw hatte genau das erwartet und seiner Mann­schaft seit der WM 2010 des­halb einen ver­än­derten Stil ver­passt, in dem weniger das Kon­ter­spiel als eben das gedul­dige Kom­bi­nieren gegen fest beto­nierte Abwehr­reihen im Vor­der­grund steht. Doch bei der Euro­pa­meis­ter­schaft ist es bis­lang noch nicht richtig in Gang gekommen. Natür­lich wirkt die Mann­schaft reifer und nicht mehr so jugend­lich drauf­gän­ge­risch wie vor zwei Jahren. In den drei Spielen der Vor­runde domi­nierte sie alle Gegner über die meiste Zeit und wackelte defensiv nur in wenigen Momenten. Doch am wohlsten fühlt sich das Team immer noch dann, wenn es einen Gegner über­fall­artig über­rennen kann, wie etwa beim Sieg­treffer gegen Däne­mark.

Die deut­sche Ver­sion des Tiki-Taka hakt bis­lang aber noch, vor allem wenn man sie mit der des spa­ni­schen Ori­gi­nals ver­gleicht. Das liegt vor allem daran, dass sich bis­lang nicht alle Spieler gleich­zeitig zu den höchsten Höhen ihrer Kunst haben auf­schwingen können. Bas­tian Schwein­s­teiger etwa, groß­artig gegen Hol­land, war gegen Däne­mark wieder ein Mann auf der Suche nach seiner Form. Mesut Özil ist genau das bis­lang in allen Spielen der Vor­runde gewesen und droht ein Opfer des Super­star-Hypes zu werden. Traurig schaute er wieder drein, weil ihm so wenig Zau­ber­stück­chen gelangen und wirkt bela­dener von eigenen wie fremden Erwar­tungen als selbst Mario Gomez, für den das doch eigent­lich eine Spe­zi­al­dis­zi­plin ist.

Aber viel­leicht läuft auch alles darauf hinaus, dass dieses Tur­nier für die deut­sche Mann­schaft eines im Zei­chen klas­si­scher Werte wird: von spie­le­ri­scher Ord­nung also, tak­ti­scher Gründ­lich­keit und kämp­fe­ri­scher Hin­gabe. Denn genau das sind die Bau­steine der drei Siege gegen drei starke Gegner gewesen. Viel­leicht sollten wir Löws Team daher auch gar nicht erst mit den Bil­dern ver­glei­chen, die wir aus den letzten beiden Jahren im Kopf haben und hek­tisch die Luft nach oben suchen. Denn Leicht­fü­ßig­keit und sprü­hende Krea­ti­vität kann man sowieso nicht erzwingen, und wenn sie sich nicht ein­stellen wollen, muss man sich eben aufs Zweck­mä­ßige beschränken. So mag der Plan A für die Euro­pa­meis­ter­schaft zwar anders aus­ge­sehen haben, aber es ist gut zu wissen, als wie belastbar sich Plan B erwiesen hat.