Seite 2: Es geht noch schneller

Man muss Batista zuge­stehen, dass er ziem­lich flott unter­wegs war. So wird schon seit 55 Jahren Bun­des­li­ga­fuß­ball gespielt, doch noch nie wurde ein Profi in der ersten Minute des Feldes ver­wiesen. (Der Liga­re­kord wird seit 2010 vom dama­ligen Kölner Youssef Mohamad gehalten, der gegen Kai­sers­lau­tern ent­weder nach 87 Sekunden Rot sah oder nach 93 Sekunden, die Quellen sind sich uneins.) 

Und doch findet sich im Text des Guin­ness-Buches noch ein wei­terer Fehler. So eilig es Batista auch hatte, seine Rote Karte ist nicht der schnellste Platz­ver­weis, den es je bei einem FIFA-WM-Spiel gegeben hat“, er ist nur der schnellste bei einer WM-End­runde. Die frü­heste Rote Karte, die je bei einem WM-Spiel gezückt wurde, sah ein Links­ver­tei­diger namens Rashed Al Hooti.

Al Hooti gegen Tey­mou­rian 

Der heute 28-jäh­rige Al Hooti spielt für Bah­rain. Am 11. Oktober 2011 trat er mit seinem Team zu einem WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel in Teheran an. Nach 34 Sekunden senste er den Iraner Andranik Tey­mou­rian so gründ­lich um, dass der aus­tra­li­sche Schieds­richter Peter Green augen­blick­lich zur Roten Karte griff. Aller­dings brauchte er etwas, um sie aus seiner Brust­ta­sche zu nes­teln. Als er Al Hooti schließ­lich des Feldes ver­wies, stand die mit­lau­fende Uhr des über­tra­genden Fern­seh­sen­ders bei 0:39.

Al Hooti war über die Ent­schei­dung erheb­lich ent­setzter als Batista 1986. Damals pro­tes­tierten die Uru­gu­ayer natür­lich aus­giebig, aber keine Minute nach dem Platz­ver­weis stapfte Batista schon mür­risch in die Kabine. (Wo Uru­guays Zeug­wart noch auf­räumte und nicht schlecht staunte, den Ver­tei­diger so schnell wie­der­zu­sehen.) Der Bah­rainer hin­gegen verlor völlig die Fas­sung. Vom Rasen ging er noch recht zügig, doch auf der Lauf­bahn wurde ihm wohl erst richtig bewusst, was geschehen war. Zwei Ersatz­spieler mussten ihn in die Kabine geleiten, wäh­rend Al Hooti offenbar in Tränen aus­brach.

Und auch die Aus­wir­kungen der beiden Platz­ver­weise auf die zwei Par­tien waren sehr unter­schied­lich. Die zehn Uru­gu­ayer hielten 1986 gegen das von Alex Fer­guson trai­nierte Schott­land ein 0:0, wodurch sie ins Ach­tel­fi­nale kamen (und die Schotten eben nicht). Die Bah­rainer hin­gegen konnten in Unter­zahl ihren Kasten nur 22 Minuten sauber halten, dann schlug es zum ersten, doch nicht zum letzten Mal ein. Das Team verlor 0:6.