So eine Cho­reo­gra­phie ist eine tolle Sache. Fans können gleich­zeitig sich und ihren Verein feiern, die Zuschauer auf der Haupt­tri­büne bringen spek­ta­ku­läre Fotos mit nach Hause, das Fern­sehen bekommt beein­dru­ckende Bilder gelie­fert. Die Fans von For­tuna Düs­sel­dorf haben am Sonntag vor dem Heim­spiel gegen den VfL Bochum für beson­ders spek­ta­ku­läre Fotos und TV-Bilder gesorgt. Zum 725. Geburtstag ihrer Hei­mat­stadt zogen sie ein rie­siges Banner mit der Düs­sel­dorfer Sky­line über den Block, anschlie­ßend tuckerte eine papie­rene U‑Bahn vor die Fas­saden von St. Lam­bertus und Schloss­turm, die von zwei ver­mummten Fans mit Ultras“, F95“ und einem kleinen Gruß in Rich­tung Nach­bar­stadt („Fuck Köln“) besprüht wurde. Aus den Boxen klang zur akus­ti­schen Unter­stüt­zung ein musi­ka­li­scher Misch­masch aus Die Toten Hosen“ und KMC“.

Leider kein Spaß

Die Cho­reo­gra­phie an sich dau­erte knapp acht Minuten, ver­lief rei­bungslos und war in der Tat beein­dru­ckend. Schwer vor­stellbar, wel­chen Auf­wand es bedeutet, solch einen Block­schmuck in die Praxis umzu­setzen. Die Fans waren beein­druckt. Selbst aus Fan­szenen, die dem For­tuna-Anhang tra­di­tio­nell eher skep­tisch bis ableh­nend gegen­über ein­ge­stellt sind, war zumin­dest aner­ken­nendes Raunen zu ver­nehmen. Zum krö­nenden Abschluss gewann Düs­sel­dorf das Heim­spiel mit 1:0.

Eine tolle Sache. Bis sich am heu­tigen Diens­tag­mittag der Face­book-Betreiber der Seite For​tuna​-Videos​.de“ zu Wort mel­dete: Leider kein Spaß: Die Ver­mum­mung der beiden Maler wurde sei­tens der Polizei zur Anzeige gebracht, obwohl dies klar erkennbar ein Teil der Insze­nie­rung war.“ Wie zu erwarten war, reagierten die Leser dieses Posts erbost. Die Polizei, seit jeher Feind­bild der Ultras, hatte sich offenbar mal wieder erstaun­lich humor­be­freit und aggressiv ver­halten.

Ein schneller Anruf bei der Pres­se­stelle der Polizei Düs­sel­dorf. Die eigent­liche Frage ist nicht mal aus­ge­spro­chen, da hat der Gesprächs­partner bereits die Ant­wort gegeben. Eine Anzeige liege nicht vor. Das sei eine Falsch­mel­dung. Man stehe bereits in der Ver­bin­dung mit dem Düs­sel­dorfer Fan­be­auf­tragten. Ein schneller Anruf bei ihm. Ja, die Polizei habe sich bereits gemeldet. Nein, eine Anzeige wegen Ver­mum­mung liege nicht vor. Wohl aber sei ein Ver­merk von Beamten bei ihrer eigenen Dienst­stelle ein­ge­gangen. Darin gehe es nicht um die insze­nierte Ver­mum­mung, son­dern um eine Text­stelle in dem Song Ultras“ der For­tuna-Rapper KMC“: Egal in wel­cher Form – ACAB. All Cops Are Bas­tards“. Die Poli­zisten fühlten sich dadurch belei­digt.

Auch in den Kom­men­taren unter dem Fortuna-Videos.de“-Eintrag tauchten gegen Dienstag-Nach­mittag erste kri­ti­sche Stimmen auf: Viel­leicht sollte man sich erstmal dar­über infor­mieren bevor hier popu­lis­ti­sche acab-kom­men­tare abge­geben werden…“. Der Betreiber reagierte und pos­tete gegen 16 Uhr: UPDATE: Mitt­ler­weile ist mein aktu­eller Stand, dass die Polizei wegen Belei­di­gung gegen For­tuna (!!!) ermit­telt, weil wäh­rend der Choreo das Lied ›Ultras‹ von KMC […] lief…“

Dünn­häu­tige Beamte, über­eif­rige Fans

Die Posse ist noch nicht beendet. Deutet man die Reak­tionen von Polizei und Verein richtig, dürfte sich die Sache aller­dings bald erle­digt haben. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Schnel­lig­keit der sozialen Netz­werke das ohnehin zum Zer­reißen gespannte Ver­hältnis zwi­schen Fans und Polizei nur noch weiter belasten kann. Wenige Sätze, in einen auf­ge­brachten Face­book-Ein­trag gegossen, können ein Feuer ent­zünden, wo eigent­lich gar nichts brennen kann. Gleich­zeitig beweist die Beschwerde der Poli­zisten, wie dünn­häutig einige Beamte auf selbst kleinste Pro­vo­ka­tionen aus der Kurve reagieren. Man könnte ja meinen, die Belei­di­gung ACAB“ würde selbst von uner­fah­renen Poli­zisten nur noch mit einem Kopf­schüt­teln quit­tiert werden, so abge­griffen ist das Jahr­zehnte alte Kürzel. Dem ist offenbar nicht so. Es hat etwas von einem über­eif­rigen Unpar­tei­ischen, der für Schiri, Telefon“ wut­ent­brannt Platz­ver­weise ver­teilt.

Wer findet end­lich das Ventil, das den Druck vom Schnell­koch­topf Fans vs. Polizei nimmt? Wäre schön, wenn es dazu mal einen Face­book-Ein­trag geben würde.