Seite 2: Fast wäre er zu einem anderen Bundesligisten gewechselt

Wenige Jahre vor dieser Epi­sode wäre Alfred Schreuder bei­nahe auf der Bank bei Oranje gelandet. Denn eigent­lich hätte er im Sommer 2012 neben dem dama­ligen Bondscoach Bert van Mar­wijk Platz nehmen sollen. Doch weil die Nie­der­länder als Vize-Welt­meister die Euro­pa­meis­ter­schaft an die Wand fuhren, musste mit van Mar­wijk auch sein desi­gnierter Assis­tent gehen. Er blieb in Enschede und ent­wi­ckelte derart viel Gestal­tungs­drang, dass er zusätz­lich die Auf­gaben eines Tech­ni­schen Direk­tors über­nahm. 

Als Spieler war Schreuder eine solide Bank im Mit­tel­feld diverser Ere­di­visie – Klubs. Die richtig große Bühne blieb ihm aller­dings ver­wehrt. Im ersten seiner drei Enga­ge­ments bei Feye­noord Rot­terdam gehörte er zwar zum Kader, als Meis­ter­schaft und Pokal gewonnen wurden. Ein­satz­zeiten bekam er, der damals kaum 20 Jahre alt war, aller­dings kaum. Stamm­spieler hin­gegen war er später in Waal­wijk und Breda. Bei NAC gewann er auch seinen ein­zigen wei­teren Titel: die Meis­ter­schaft der zweiten Liga.

Ajax von Deutsch­land

Dass ein her­aus­ra­gender Trainer in ihm steckt, zeich­nete sich damals schon ab. Mehr als andere beschäf­tigte er sich mit Auf­stel­lungen und mit der Frage, wie er Team­kol­legen auf ihren Posi­tionen helfen könne. Auch auf der Bank zeich­nete ihn dann die Nähe zu seinen Spie­lern aus. Bestes Bei­spiel: Hakim Ziyech, der unter Schreuder bei Twente auf­blühte und in jungem Alter Kapitän wurde. Weil er gegen Schreu­ders Raus­schmiss pro­tes­tierte, verlor Ziyech sein Amt. Seit sich die Beiden bei Ajax wie­der­trafen, haben sie ein wei­teres Kapitel ihrer beson­deren Zusam­men­ar­beit geschrieben.

Dass Schreuder nun nach Hof­fen­heim geht, ist eigent­lich nichts als ein logi­scher, nächster Schritt. Das ver­trauete Umeld in Hof­fen­heim, ein Kon­zept, das trotz der finan­zi­ellen Mög­lich­keiten stark auf Ent­wick­lung junger Spieler setzt – das alles passt ins Bild. Über­ra­schend ist höchs­tens, dass er sich im Februar noch mit einem Ver­bleib in Ams­terdam abge­funden hat. 

Da näm­lich pro­bierte RB Leipzig im Auf­trag des ange­henden Chef­trai­ners, Schreuder abzu­werben. Ver­geb­lich. Mit Nagels­mann zu arbeiten war toll, aber mir gefällt es auch bei Ajax sehr gut“, kom­men­tierte Schreuder. Nun wird er seinem Buddy von der TSG-Bank also in einigen Monaten gegen­über­treten – als Trainer des Ajax von Deutsch­land“, wie er das nennt.