Edgar Prib, am Sonntag kommt es zum Franken-Derby gegen den unge­liebten Nach­barn aus Nürn­berg. Macht sich das Derby-Fieber schon bemerkbar?
Ja, natür­lich. Wir sind alle heiß darauf und freuen uns auf das Spiel. Ein Derby, aus­ver­kauftes Haus und hof­fent­lich schönes Wetter. Was gibt es Schö­neres?

Die herbe 1:6‑Niederlage im letzten Heim­spiel gegen Borussia Dort­mund hat keine Spuren hin­ter­lassen?
Gegen Dort­mund haben wir nicht unseren wahren Cha­rakter gezeigt. Das war eine schlechte Leis­tung. Aber jetzt steht ein neues Spiel an, noch dazu ein ganz beson­deres für uns. Viel­leicht können wir das Derby am Sonntag nutzen, um bei unseren Fans ein biss­chen Wie­der­gut­ma­chung zu betreiben.

Es ist nach dem Hin­spiel erst das zweite Franken-Derby in der Bun­des­liga. In Deutsch­land sorgt meist nur das Revier­derby zwi­schen Schalke und dem BVB für großes Auf­sehen. Was macht die Riva­lität zwi­schen Fürth und und dem 1. FC Nürn­berg aus?
Es ist das älteste Derby in Deutsch­land. Es mag zwar lange Zeit nicht auf fuß­bal­le­risch höchstem Niveau statt­ge­funden haben, aber es ist immer mit sehr vielen Emo­tionen ver­bunden. Eigent­lich ist es auch mit einem grö­ßeren Pres­tige-Faktor ver­bunden als das Revier­derby. Denn im Gegen­satz zu Dort­mund und Schalke, grenzen Fürth und Nürn­berg unmit­telbar anein­ander.

Wenn man an die Riva­lität zwi­schen Dort­mund und Schalke denkt, fällt auch immer der Name Kevin Groß­kreutz, der seine Abg­nei­gung gegen den Kon­kur­renten auch außer­halb des Platzes offen zur Schau stellt. Ähn­lich wie er, sind auch Sie sehr eng in Ihrem Verein und der Stadt ver­wur­zelt. Sie sind in Fürth auf­ge­wachsen und spielen seit Ihrer Kind­heit für die SpVgg. Ver­spüren Sie ähn­liche Gefühle gegen­über dem 1.FC Nürn­berg?
Ich bin mit grünem Blut groß geworden, in dieser Hin­sicht sind wir uns viel­leicht ein wenig ähn­lich. Aber ich muss das nicht so offen nach außen tragen. Die Wahr­heit zeigt sich im End­ef­fekt auf dem Platz.

Sollte der FC Augs­burg am Freitag in Glad­bach gewinnen, muss für Ihre Mann­schaft eben­falls ein Erfolg her. Vier Spiel­tage vor Sai­son­ende wäre Ihr Klub sonst auch rech­ne­risch abge­stiegen. Könnte dieser Umstand die Bri­sanz noch einmal erhöhen?
Wir würden nicht wegen einer Nie­der­lage in Nürn­berg absteigen. Wir haben es über die ganze Saison hinweg nicht geschafft, unsere zahl­rei­chen Tor­chancen zu nutzen und Punkte ein­zu­fahren.

Aber aus­ge­rechnet im Sta­dion des Erz­ri­valen abzu­steigen, wäre doch sicher­lich ein wei­terer Tief­schlag.
Für unsere Fans wäre das wahr­schein­lich nur schwer zu ver­kraften, gerade weil das Derby auch immer eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit ist. Wir Spieler müssen die Situa­tion aber nüch­tern ana­ly­sieren und da muss man ein­fach sagen, dass wir nicht wegen eines ein­zigen Spiels am Ende absteigen werden, son­dern weil unsere Leis­tung über die gesamte Spiel­zeit nicht für die Erste Liga aus­ge­reicht haben.

Das 0:0 im Hin­spiel war vor allem von Kampf geprägt. Am Ende gab es je einen Platz­ver­weis auf beiden Seiten. Was erwarten Sie am Sonntag für eine Partie?
Es wird sicher­lich eine ähn­lich umkämpfte Partie werden, in der viele Emo­tionen im Spiel sind. Zu den Roten Karten muss man aber dazu sagen, dass es sich bei einer der beiden, nur um eine Gelb-Rote gehan­delt hat. Es war also nicht so, dass wir uns auf dem Platz gegen­seitig die Kno­chen kaputt getreten hätten. Eine gesunde Zwei­kampf­härte gehört aber dazu und ist auch nötig. Das gilt im über­tra­genden Sinne für die Fans. Trotz aller Riva­lität geht es immer noch um Fuß­ball.

Ver­su­chen Sie diese Riva­lität und dieses Derby-Fee­ling auch an die Spieler wei­ter­zu­geben, die noch nicht so lange im Verein sind?
Ich ver­suche gerade den Jungs, die im letzten Jahr noch nicht beim Pokal­spiel in Nürn­berg dabei waren, die Emo­tionen mit­zu­geben. Aber spä­tes­tens nach dem Heim­spiel in der Hin­runde, weiß eigent­lich jeder, worum es geht.

In dem besagten Pokal­spiel aus der letzten Saison sind Sie durch einen 1:0‑Auswärtserfolg beim 1. FC Nürn­berg ins Vier­tel­fi­nale des DFB-Pokals ein­ge­zogen. Sie haben dabei den Sieg­treffer erzielt. Wie haben Sie diesen spe­zi­ellen Moment als Für­ther-Junge erlebt?
Das kann ich nur ganz schlecht beschreiben. Es war auf jeden Fall ein unver­gess­li­cher Moment in meinem Leben und wahr­schein­lich auch der schönste. Dafür Worte zu finden, ist aber sehr schwer. Ich denke, da sollte man ein­fach die Bilder spre­chen lassen, die dazu noch im Internet exis­tieren.

Nur eine Woche zuvor galten Sie noch als Depp der Nation, als Sie in der Zweit­liga-Partie gegen Ein­tracht Frank­furt allein aufs Tor zuliefen und trotzdem nur den Pfosten trafen. Zu diesem Zeit­punkt waren Sie erst 22 Jahre alt. Wie steckt man es als junger Profi weg, wenn Comedy-Shows wie TV Total diese Szene rauf und runter spielen und sich vor einem Mil­lio­nen­pu­blikum über einen lustig machen?
Die ersten Stunden nach dem Spiel waren schon sehr hart. Da hatte ich damit zu kämpfen, das ganze irgendwie mental zu ver­ar­beiten. Aber eigent­lich hat mir dann das, was danach in den Medien pas­siert ist, sogar dabei geholfen, diesen Moment run­ter­zu­schlu­cken. Als die Szene bei TV Total lief, haben meine Freunde und ich eine Tele­fon­kon­fe­renz gestartet und Tränen gelacht. Über sich selbst lachen zu können, hilft einem über eine solche Situa­tion hinweg. Aus meiner heu­tigen Sicht war es sogar eine wich­tige Erfah­rung für meine wei­tere Ent­wick­lung.

Obwohl Ihre Mann­schaft abge­schlagen auf dem letzten Tabel­len­rang liegt, ist bei Ihnen auch in dieser eine posi­tive Ent­wick­lung fest­zu­stellen. Wie haben Sie ihr erstes Jahr in der Bun­des­liga erlebt?
Beson­ders positiv ist bei mir natür­lich mein erstes Bun­des­li­gator gegen Hof­fen­heim hängen geblieben. Ich denke, ich habe auch gezeigt, dass ich auf Bun­des­liga-Niveau bestehen kann. Aber ich würde mich als großen Team­player bezeichnen, des­halb kann ich mich nur wenig über meine per­sön­li­chen Leis­tungen freuen. Wenn die Mann­schaft nicht gut dasteht, stehe ich auch nicht gut da.

Bisher ist Ihnen in 15 Heim­spielen noch kein ein­ziger Sieg gelungen. Bei nur noch zwei aus­ste­henden Par­tien vor eigenem Publikum, werden Sie den Nega­tiv­re­kord von Tas­mania Berlin mit ledig­lich zwei Heim­siegen in einer Saison zumin­dest ein­stellen. Schämt man sich in einer sol­chen Situa­tion? 
Es nagt sehr an einem und zieht einen ziem­lich runter. Es tut mir aber vor allem leid für unsere Fans, die in dieser Saison viel ertragen mussten.

Bei anderen Ver­einen, die momentan noch um die Europa League kämpfen, werden die Fans sehr viel schneller unruhig.
Dafür gebührt unseren Fans der größte Respekt und ein großes Kom­pli­ment. Selbst bei ganz schlechten Spielen waren immer nur sehr wenige Pfiffe zu hören und wir wurden trotzdem unter­stützt. Es ist wirk­lich nicht selbst­ver­ständ­lich, dass die Leute da so cool geblieben sind.

Wie bei jedem Verein, der über geringe finan­zi­elle Mittel ver­fügt und am Ende der Saison absteigt, hat auch in Fürth die Jagd auf die besten Spieler bereits begonnen. Die Abgänge von Sercan Sararer und Hein­rich Schmidtgal stehen fest. Sie haben zwar noch Ver­trag bis 2014, sollen aber sogar von Ver­einen wie Borussia Dort­mund umworben werden.
Zu meiner Zukunft möchte ich mich erst einmal nicht äußern.