Sou­leyman Sané, die Fuß­ball­welt hat Sie wieder, dieses Mal auf einem neuen Posten. Sie sind jetzt Trainer beim Kreis­li­gisten DJK Wat­ten­scheid. 

Ja, aber das ist nur ein kleiner Posten, in einem kleinen Verein. 

Ihr erster Trai­ner­posten war die Stelle als Natio­nal­trainer von San­sibar. Wie kam es dazu? 

Das ist durch einen Freund von mir gekommen, der ist im Ver­band San­si­bars tätig. Es gab eine Agentur, die die Auf­gabe hat, die Natio­nal­mann­schaft San­si­bars in Europa zu betreuen, dort arbeitet er.



Welche Erfah­rungen haben Sie dort gesam­melt? 

Es war eine gute Gele­gen­heit für mich, Erfah­rung als Trainer zu sam­meln. Ich war nicht der offi­zi­elle Natio­nal­trainer San­si­bars, sie haben einen Trainer in der Heimat. Ich war nur für die Zeit des Euro­pa­auf­ent­halts zuständig, um sie hier zu trai­nieren und vor­zu­be­reiten. 

Ihr Ver­trag läuft bis 2011, mache Sie diesen Job immer noch? 

Ja, der Ver­trag steht noch. Aber die Arbeit hin­dert mich nicht, auch noch andere Dinge zu tun. Ich bin par­allel immer in der Spie­ler­ver­mitt­lung und Bera­tung tätig. Das ist kein Pro­blem, da ich die Natio­nal­mann­schaft nicht jeden Tag trai­niere oder bei jedem Lehr­gang, wie Jogi Löw. Ich muss auch keine Spieler beob­achten, ich muss sie nur hier trai­nieren und sie auf die Spiele vor­be­reiten. Das war kein schwerer Job. Es gibt auch keinen Druck, ich kann ver­lieren, ein Spiel oder alle, das ist ganz egal. 

Wie kam es zum Enga­ge­ment beim DJK Wat­ten­scheid? 

Ich kenne den Vor­stand und den sport­li­chen Direktor durch einen Freund. Und als Frank Schulz und der Verein sich trennten, haben sie einen Trainer gesucht. Dann hat einer wohl gesagt: was sollen wir suchen, wir haben doch den Samy vor der Tür, lass uns ihn fragen“. Das war vor ein oder zwei Wochen, da war ich nicht in Deutsch­land. Sie haben mich ange­rufen, aber ich habe gesagt, dass wir uns erst einmal treffen müssen, wenn ich wieder in Deutsch­land bin. Jetzt ist das auch erst mal eine Inte­rims­trai­ner­stelle. Ich gebe ihnen so Zeit, einen geeig­neten Trainer zu suchen. 

Wollen Sie auch selber noch einmal die Fuß­ball­schuhe schnüren und auf den Platz laufen, als Spie­ler­trainer? 

Na klar, die Kreis­liga B schaffe ich noch. 

Noch spielt DJK in der Kreis­liga B, wo soll es hin­gehen? 

Das Ziel des Ver­eins war schon vor meiner Ver­pflich­tung der Auf­stieg. Dem­entspre­chend wurden Spieler geholt. Sie ver­su­chen das mit dem Auf­steigen schon seit ein paar Jahren, haben es aber nie geschafft. Sie waren am Ende immer Zweiter oder Dritter, weil sie nach­ge­lassen hatten. Schon Frank Schulz wollte auf­steigen und hat so geplant. Warum er auf­ge­hört hat, weiß ich nicht, ich habe aber auch noch nicht gefragt. Wir spielen zusammen in der Tra­di­ti­ons­mann­schaft von Wat­ten­scheid da werde ich ihn mal fragen, ob er auf­hören wollte oder ob das aus dem Verein kam. Bis dahin hatten sie erst zwei Spiele – glaube ich – gemacht, eins davon gewonnen, eins ver­loren. Da gibt es eigent­lich keinen Grund, einen Trainer zu ent­lassen. Okay, im Fuß­ball weiß man nie. Da ver­lieren Mann­schaften ein oder zwei Mal, und die Trainer sind weg. Aber ich denke nicht, dass es in der Kreis­liga B, im Ama­teur­be­reich, so schnell geht, wie bei den Profis, wo so viel Geld im Spiel ist. 

Wie geht es jetzt weiter beim DJK? 

Noch kenne ich die Mann­schaft nicht so gut und werde mir ab Sonntag angu­cken, wie die so sind. Dann kann ich die Lage besser ein­schätzen. Mein Ziel ist es, oben mit­zu­spielen, aber ob es zum Auf­stieg reicht? Da müssen wir erst mal abwarten. Ich muss auch erst sehen, wie die anderen Mann­schaften so sind. Dadurch dass ich jetzt beim DJK bin, wird es auch nicht leichter für uns. Alle wissen nun, dass der Samy da ist und ich mich nicht mit Platz vier oder fünf zufrie­den­geben werde. Es wird nicht leicht werden, die Spiele zu gewinnen. Bis jetzt war es so, dass, egal wo ich in der Ama­teur­liga gespielt habe, der Verein dann auf­ge­stiegen ist. In Leithe zum Bei­spiel, da sind wir sogar dreimal hin­ter­ein­ander auf­ge­stiegen. Jetzt kenne ich das Poten­tial der Mann­schaft noch nicht und will noch nicht den Mund zu groß auf­ma­chen, aber oben mit­spielen will ich auf jeden Fall. 

Steigt die Tex­til­ba­ro­nesse Britta Steil­mann der alten Zeiten wegen mit Ihnen beim DJK Wat­ten­scheid ein? 

Seitdem sie nicht mehr in Wat­ten­scheid wohnt, haben wir eigent­lich keinen Kon­takt mehr, von daher glaube ich nicht. 

In Ihrer Kar­riere wurden Sie oft mit Ras­sismus kon­fron­tiert. Trainer mit anderer Haut­farbe sind in Deutsch­land sehr selten. Befürchten Sie, dass Sie wieder verbal ange­griffen werden? 

Ich bin jetzt schon so lange in Deutsch­land. Ich habe in zwei Ama­teur­ver­einen gespielt und habe da keine Schimpf­wörter gehört. Mein Vor­teil ist, dass mich viele Leute kennen. Wenn es dann doch mal wieder pas­siert, werden wir sehen. Aber ich denke nicht, dass ich ein wirk­li­ches Pro­blem damit haben werde. Und wenn ein oder zwei Fans schreien, dann ist das doch ganz egal. Ich bin in dem Alter, wo man auf solche Dinge ruhiger reagiert. 

Von Wat­ten­scheid ist es nicht weit nach Gel­sen­kir­chen oder Bochum, zog es Sie nie zu einem der großen Ver­eine? 

Ich wurde von da noch nie gefragt, ob ich kommen möchte. Ich habe mir nie Mühe gegeben, im Vor­der­grund zu stehen, schon zu meiner Pro­fi­zeit war ich am liebsten im Hin­ter­grund. Ich wollte immer nur meine Arbeit machen. Und jetzt, als Trainer, habe ich keinen Schein. In Europa wird immer sehr viel Wert auf solche Scheine gelegt, egal in wel­chem Bereich. Aber ich glaube nicht, dass ein Trainer einen Schein braucht, um gut zu sein. Ich habe 23 Jahre lang im Pro­fi­fuß­ball gespielt und genug Erfah­rungen gesam­melt, mit guten Trai­nern und schlechten, ich habe von ihnen gelernt. Auch Wat­ten­scheid 09 hat noch nicht gefragt. Als dort im Verein umstruk­tu­riert wurde, wurde keiner von uns ehe­ma­ligen Spie­lern wie z. B. Stefan Emmer­ling gefragt, ob wir bei diesem Neu­an­fang helfen können oder wollen. Wenn mich jemand nach Hilfe fragt, dann helfe ich gerne, wenn man mich nicht fragt, dann frage ich auch nicht. 

Ist Wat­ten­scheid ihre große Liebe? Sie haben dort so lange Jahre ver­bracht. 

In Wat­ten­scheid ist der Verein, in dem ich in Deutsch­land am längsten gespielt habe. Aber ich bin ein biss­chen wie ein Zigeuner. Wenn ich wo hin­gehe und ich werde dort akzep­tiert, dann fühle ich mich dort auch zuhause, das war so in Frei­burg, Nürn­berg, Wat­ten­scheid, in Frank­reich, Öster­reich und der Schweiz. Trotzdem hänge ich auch an jedem Verein, für den ich mal gespielt habe und ver­folge, wie es ihnen geht. Ich habe auch fast überall noch Freunde, und wenn ich zu einem Spiel gehen würde, dann würde ich wohl an jedem Sport­platz noch jemanden treffen, den ich kenne. Ich bin zwar kein Rie­senfan von diesen Ver­einen, aber wenn es mit ihnen bergab geht, dann macht mich das schon traurig. 

Vor zwei Jahren wit­zelten Sie in einem Inter­view, dass Sie der erste schwarze Trainer in der Bun­des­liga sein wollen. Ist DJK Wat­ten­scheid nun der Beginn dieser Lauf­bahn? 

(lacht) Wer weiß. Das ist mein erster rich­tiger Verein als Trainer. Ich werde sehen, wie schwer der Trai­nerjob ist. Obwohl ich weiß, dass Trainer es nicht leicht haben, mal sehen, wie das im Ama­teur­be­reich ist. Das Schwerste wird hier wohl sein, dass die Spieler keine Profis sind, die haben eine andere Ein­stel­lung zum Sport, sie leben ja auch nicht vom Fuß­ball. Ich werde sehen, wie ich mich mache. Und wenn ich Erfolg habe, klopfen viel­leicht auch mal andere Leute an meiner Tür.