Seite 2: Warum Mannheim nicht wieder scheitern darf

Wahr­schein­lich ist genau das die rich­tige Vor­ge­hens­weise. Denn: Unab­hängig davon, in wel­cher Klasse Mann­heim künftig antreten wird, plagen den lange Zeit chro­nisch klammen Waldhof keine Exis­tenz­ängste – auch wenn sich in der Saison 2016/17 ein Etat­minus von gut 656.000 Euro anhäufte, das Investor Bernd Beetz aus­glich. Für die lau­fende Spiel­zeit dürfte sich das Minus in einem ähn­li­chen Rahmen halten. Die Aus­gaben laufen momentan noch den Ein­nahmen vorweg, aber dafür gebe ich Pla­nungs­si­cher­heit“, garan­tierte Beetz bei der Jah­res­haupt­ver­samm­lung Ende November.

Sicher: Die 3. Liga ist in Sachen Ver­mark­tung kein Schla­raf­fen­land – die Regio­nal­liga ist es aller­dings schon gar nicht. Der Verein kennt die Liga in- und aus­wendig“, nennt Mann­heims Ehren­spiel­führer und Ver­eins­le­gende Günter Sebert das größte Pro­blem, das der erneute Nicht­auf­stieg mit sich bringen würde. Ver­eine in der Regio­nal­liga sind auf Zuschau­er­ein­nahmen ange­wiesen. Auf immer gleiche Gegner folgt Lan­ge­weile.

Rekord­ku­lisse

Die Playoff-Par­tien gegen Uer­dingen zeigen einmal mehr, welche Strahl­kraft der so leid­ge­prüfte Hei­mat­verein von Sepp Her­berger nach wie vor hat. Knapp 5.000 Mann­heimer Fans reisten am Don­nerstag mit nach Duis­burg, wo Uer­dingen das Hin­spiel aus­tragen ließ. Für das Rück­spiel am Sonntag war das Heim­kon­tin­gent im Carl-Benz-Sta­dion schon nach wenigen Tagen restlos ver­griffen. Bereits beim Auf­stieg aus der Ober­liga vor sechs Jahren waren 18.313 Men­schen vor Ort – das ist bis heute ein Rekord für die fünft­höchste Spiel­klasse.

Klappt der Sprung in die Dritt­klas­sig­keit, dürften sich dem frü­heren Bun­des­li­gisten also finan­ziell wie per­so­nell ganz neue Mög­lich­keiten erschließen. Der SV Waldhof, der in der Mann­heimer Öffent­lich­keit lange Zeit genauso geschmäht wurde wie der Stadt­teil, nach dem er benannt ist, könnte plötz­lich wieder inter­es­sant für die Spon­soren der Metro­pol­re­gion Rhein-Neckar werden.

Derbys und beson­derer Zusam­men­halt

Zumal Derbys mit dem großen Erz­ri­valen 1. FC Kai­sers­lau­tern und dem Karls­ruher SC winken. Aus meiner Sicht fehlt da nur noch der SV Waldhof. Es wäre besser, in diesem Jahr auf­zu­steigen, als in der nächsten Saison auf den direkten Auf­stieg zu hoffen“, glaubt Sebert – und liegt ver­mut­lich richtig mit seiner Ein­schät­zung. Ab 2019 wird es zwar vier Dritt­liga-Auf­steiger geben, die Meister der Nordost‑, Süd­west- und West-Gruppen gehen in der kom­menden Runde direkt hoch. Doch auf diese Chance spe­ku­lieren auch die Kon­kur­renten aus Offen­bach, Elvers­berg und Stein­bach, die bereits fleißig an den neuen Kadern bas­teln. Mit Süd­west-Meister 1. FC Saar­brü­cken, der gegen 1860 Mün­chen eine 2:3‑Heimniederlage drehen muss, könnte es dann eben­falls ein Wie­der­sehen geben.

Sieht man von den hier emp­foh­lenen Psycho-Tricks und dem unge­bremsten Fan­auf­kommen ab, kann Waldhof Mann­heim am Sonn­tag­nach­mittag auf seine sport­li­chen Qua­li­täten ver­trauen. Chancen, um den KFC Uer­dingen zu besiegen, hatten die Kur­pfälzer im Hin­spiel genug. Wobei das größte Pfund der Buwe“ ein anderes ist, wie Scholz betont: Wir haben ein­fach einen bru­talen Zusam­men­halt. In gewissen Punkten sind wir viel­leicht nicht die beste Mann­schaft der Liga, aber wir machen das durch das Zwi­schen­mensch­liche und als Team wieder wett.“

Kommt diese Stärke am Sonntag zur Gel­tung, könnte dieser Artikel hier alles andere als kon­tra­pro­duktiv für die Hoff­nungen und Träume des SV Waldhof Mann­heim gewesen sein.