Im Grunde genommen könnte schon dieser Artikel hier absolut kon­tra­pro­duktiv für die Hoff­nungen und Träume des SV Waldhof Mann­heim sein. Er wird viele jener Fragen und Gedan­ken­spiele auf­werfen, die die Mann­heimer in diesen Tagen aus­blenden wollen und viel­leicht sogar müssen.

Was wäre, wenn es auch im dritten Anlauf hin­ter­ein­ander nicht klappt mit dem Auf­stieg in die 3. Liga, mit der so heiß­ersehnten Rück­kehr ins Pro­fitum nach 16-jäh­riger Absenz? Wie oft kann der Waldhof noch das Steh­auf­männ­chen geben? Warum ist den Mann­hei­mern in fünf Playoff-Spielen seit 2016 noch immer kein Tor geglückt? Spielen Lotte und das Elf­me­ter­drama von Meppen 2017 noch eine Rolle? Müssen denn nicht aller guten Dinge drei sein?

Was hilft gegen den rosa Ele­fanten?

Die Auf­gabe, Fragen wie diese aus­zu­blenden, kommt dem Denken-Sie-nicht-an-einen-rosa-Ele­fanten-Prinzip gleich. Mann­heim ist kein Krösus, der mit viel Geld und aller Macht dem Ama­teur­fuß­ball ent­kommen will. Und doch: Nach den (Nicht-)Aufstiegsspielen gegen Sport­freunde Lotte 2016 (0:0, 0:2) und gegen den SV Meppen 2017 (0:0, 3:4 im Elf­me­ter­schießen) scheint die Fall­höhe bei den Mann­hei­mern beson­ders hoch zu sein.

Lösungs­an­sätze ver­bergen sich ja oft hinter einer Gegen­frage. Was also hilft gegen den rosa Ele­fanten? Wobei sich diese Frage nicht weniger fatal anhört, je öfter man über sie nach­denkt. Darauf lassen auch die Ant­worten der Waldhof-Spieler nach dem 0:1 im Rele­ga­ti­ons­hin­spiel gegen den KFC Uer­dingen schließen. Ich denke nicht, dass das ein Kopf­pro­blem ist. Wir kommen ja vor das Tor, nur ist uns da das Quänt­chen Glück abhan­den­ge­kommen“, beteu­erte der Ex-Braun­schweiger Gian­luca Korte hin­terher. Sturm­partner Nicolas Hebisch, der wie Korte in der flotten Partie beim West-Meister eine dicke Chance zur Füh­rung liegen ließ, schal­tete in den Phra­sen­schwein­modus: Wenn ich an dieser Stelle ein Kli­schee bedienen darf: Je länger eine Serie hält, umso wahr­schein­li­cher ist es, dass sie irgend­wann endet.“

Kon­fron­ta­ti­ons­kurs

Führt die auf Ver­mei­dung zie­lende Gegen­frage zu keiner Lösung, kennt die Psy­cho­logie noch einen anderen Weg: die gna­den­lose Kon­fron­ta­tion mit dem, was war und dem, was sein könnte. Warum auch nicht? Nach den Fragen im zweiten Absatz habt ihr schließ­lich ja auch wei­ter­ge­lesen. Denkt also bitte an den rosa Ele­fanten, liebe Waldhof-Fans! Stellt Eure Fragen nach dem Kopf­pro­blem, werte Repor­ter­kol­legen! Erin­nert Euch an die Vor­sai­sons, Ihr Mon­nemer Buwe!

Im Mann­heimer Ide­al­fall kommt es dann zu dem, was Psy­cho­logen als Trotz­re­ak­tion bezeichnen. So wie bei Waldhof-Tor­wart Markus Scholz, der schon die Playoff-Begeg­nungen 2016 und 2017 zwi­schen den Pfosten erlebte und seine ganz per­sön­liche Trotz­re­ak­tion hinter sich hat. Im März setzte der frü­here Zweit­liga-Keeper (sechs Ein­sätze für Dynamo Dresden) ein klares Zei­chen. Ich habe bis 2020 ver­län­gert – ligau­n­ab­hängig. Wenn es nicht klappt, nehme ich den Anlauf noch mal mit dem Verein.“ sagte Scholz – und merkte unmiss­ver­ständ­lich an: Irgend­wann hat man den Kanal voll und will es end­lich packen. Jetzt erst recht!“

Wahr­schein­lich ist genau das die rich­tige Vor­ge­hens­weise. Denn: Unab­hängig davon, in wel­cher Klasse Mann­heim künftig antreten wird, plagen den lange Zeit chro­nisch klammen Waldhof keine Exis­tenz­ängste – auch wenn sich in der Saison 2016/17 ein Etat­minus von gut 656.000 Euro anhäufte, das Investor Bernd Beetz aus­glich. Für die lau­fende Spiel­zeit dürfte sich das Minus in einem ähn­li­chen Rahmen halten. Die Aus­gaben laufen momentan noch den Ein­nahmen vorweg, aber dafür gebe ich Pla­nungs­si­cher­heit“, garan­tierte Beetz bei der Jah­res­haupt­ver­samm­lung Ende November.

Sicher: Die 3. Liga ist in Sachen Ver­mark­tung kein Schla­raf­fen­land – die Regio­nal­liga ist es aller­dings schon gar nicht. Der Verein kennt die Liga in- und aus­wendig“, nennt Mann­heims Ehren­spiel­führer und Ver­eins­le­gende Günter Sebert das größte Pro­blem, das der erneute Nicht­auf­stieg mit sich bringen würde. Ver­eine in der Regio­nal­liga sind auf Zuschau­er­ein­nahmen ange­wiesen. Auf immer gleiche Gegner folgt Lan­ge­weile.

Rekord­ku­lisse

Die Playoff-Par­tien gegen Uer­dingen zeigen einmal mehr, welche Strahl­kraft der so leid­ge­prüfte Hei­mat­verein von Sepp Her­berger nach wie vor hat. Knapp 5.000 Mann­heimer Fans reisten am Don­nerstag mit nach Duis­burg, wo Uer­dingen das Hin­spiel aus­tragen ließ. Für das Rück­spiel am Sonntag war das Heim­kon­tin­gent im Carl-Benz-Sta­dion schon nach wenigen Tagen restlos ver­griffen. Bereits beim Auf­stieg aus der Ober­liga vor sechs Jahren waren 18.313 Men­schen vor Ort – das ist bis heute ein Rekord für die fünft­höchste Spiel­klasse.

Klappt der Sprung in die Dritt­klas­sig­keit, dürften sich dem frü­heren Bun­des­li­gisten also finan­ziell wie per­so­nell ganz neue Mög­lich­keiten erschließen. Der SV Waldhof, der in der Mann­heimer Öffent­lich­keit lange Zeit genauso geschmäht wurde wie der Stadt­teil, nach dem er benannt ist, könnte plötz­lich wieder inter­es­sant für die Spon­soren der Metro­pol­re­gion Rhein-Neckar werden.

Derbys und beson­derer Zusam­men­halt

Zumal Derbys mit dem großen Erz­ri­valen 1. FC Kai­sers­lau­tern und dem Karls­ruher SC winken. Aus meiner Sicht fehlt da nur noch der SV Waldhof. Es wäre besser, in diesem Jahr auf­zu­steigen, als in der nächsten Saison auf den direkten Auf­stieg zu hoffen“, glaubt Sebert – und liegt ver­mut­lich richtig mit seiner Ein­schät­zung. Ab 2019 wird es zwar vier Dritt­liga-Auf­steiger geben, die Meister der Nordost‑, Süd­west- und West-Gruppen gehen in der kom­menden Runde direkt hoch. Doch auf diese Chance spe­ku­lieren auch die Kon­kur­renten aus Offen­bach, Elvers­berg und Stein­bach, die bereits fleißig an den neuen Kadern bas­teln. Mit Süd­west-Meister 1. FC Saar­brü­cken, der gegen 1860 Mün­chen eine 2:3‑Heimniederlage drehen muss, könnte es dann eben­falls ein Wie­der­sehen geben.

Sieht man von den hier emp­foh­lenen Psycho-Tricks und dem unge­bremsten Fan­auf­kommen ab, kann Waldhof Mann­heim am Sonn­tag­nach­mittag auf seine sport­li­chen Qua­li­täten ver­trauen. Chancen, um den KFC Uer­dingen zu besiegen, hatten die Kur­pfälzer im Hin­spiel genug. Wobei das größte Pfund der Buwe“ ein anderes ist, wie Scholz betont: Wir haben ein­fach einen bru­talen Zusam­men­halt. In gewissen Punkten sind wir viel­leicht nicht die beste Mann­schaft der Liga, aber wir machen das durch das Zwi­schen­mensch­liche und als Team wieder wett.“

Kommt diese Stärke am Sonntag zur Gel­tung, könnte dieser Artikel hier alles andere als kon­tra­pro­duktiv für die Hoff­nungen und Träume des SV Waldhof Mann­heim gewesen sein.