Karl­heinz Volz, Sie haben 1970 mit dem dama­ligen Zweit­li­gisten Kickers Offen­bach das Pokal-Finale gewonnen. Wie sorgt man als klarer Außen­seiter für die große Sen­sa­tion im Pokal?
Grund­vor­aus­set­zung ist: Die höher­klas­sigen Mann­schaften müssen einen unter­schätzen.

Schwierig. Immerhin warnen die Trainer der Erst­li­gisten immer wieder davor, einen unter­klas­sigen Verein auf die leichte Schulter zu nehmen.
Zum Glück hören Spieler nicht auf ihre Trainer. (Lacht.) Köln hatte sieben Spieler im Kader, die gerade von der WM in Mexiko zurück­ge­kommen waren. Wenn eine über­ra­gende Mann­schaft, wie Köln es damals war, einen nicht unter­schätzt, hat man keine Chance.

Welche Taktik macht den Underdog erfolg­reich?
Köln hatte mit Wolf­gang Overath und Heinz Flohe ein Welt­klasse-Mit­tel­feld. Roland Weida hat Overath von der ersten bis zur letzten Minute bekämpft. Zudem sind wir früh 1:0 in Füh­rung gegangen, haben dann durch einen Konter das 2:0 gemacht. Sieben Minuten vor Schluss hat Köln dann beim Stand von 2:1 einen Elf­meter zuge­spro­chen bekommen. Ich bin heute Pokal­sieger, weil ich den Elf­meter gehalten habe.

Mit wel­chen Erwar­tungen gingen Sie ins Spiel?
Wir wussten, dass wir eine Chance haben. Je länger das Spiel gedauert hat, desto größer ist unser Selbst­ver­trauen geworden. 

Heut­zu­tage ist der Klas­sen­un­ter­schied zwi­schen den Spit­zen­klubs und kleinen Ver­einen noch größer, mit guter Mann­de­ckung können im modernen Fuß­ball keine Spiele mehr gewonnen werden. Kann eine Zweit­li­ga­mann­schaft heute den­noch Pokal­sieger werden?
Es ist viel schwie­riger als damals, ich kann mir das nicht vor­stellen. Aber Sen­sa­tionen wird es immer geben. Gerade in Offen­bach. 2010 hat die Mann­schaft im Pokal gegen Dort­mund gewonnen. Die Kickers sind der Pro­totyp eines Pokal­ver­eins.

Offen­bach hat in dieser Pokal­saison als Regio­nal­li­gist zuerst Ingol­stadt und dann Karls­ruhe geschlagen. Hat dieser Erfolg einen ähn­li­chen Wert wie der Pokal­sieg damals?
Wir haben damals das Ach­tel­fi­nale in Frank­furt gegen die Ein­tracht 3:0 gewonnen und wirk­lich sen­sa­tio­nell gespielt. Drei Wochen vor dem Finale sind wir außerdem in die Bun­des­liga auf­ge­stiegen. Bei allem Respekt für die heu­tige Mann­schaft: Was wir damals geleistet haben, war schon sen­sa­tio­nell. Damals war das Sta­dion zwei Stunden vor Anpfiff aus­ver­kauft. Auch heute ist die Atmo­sphäre am Bie­berer Berg riesig. Zu den Viert­liga-Spielen kommen manchmal 10.000 Zuschauer. Diese Bin­dung zwi­schen Fans und Verein beruht auf der glor­rei­chen Zeit von 1970.