Hin­weis: Der Artikel erschien erst­mals im November 2019.

Sein Name und die per­sön­li­chen Daten lesen sich wie ein sport­li­ches Ver­spre­chen: Bernio Jordan Enzo Ver­hagen, 25, ist Nie­der­länder. Seine Wur­zeln liegen in der ehe­ma­ligen süd­ame­ri­ka­ni­schen Kolonie Suri­name, die zahl­reiche Welt­stars wie Ruud Gullit, Frank Rij­kaard, Cla­rence See­dorf, Patrick Klui­vert oder Edgar Davids her­vor­ge­bracht hat. Der nicht ganz so berühmte Ver­hagen ist Rechts­außen, er kann aber auch Links­außen spielen. Oder wahl­weise Mit­tel­stürmer. Klingt irgendwie nach 4−3−3 und Offensiv-Spek­takel à la Oranje. Auch Ver­ha­gens bis­he­rige Pro­fi­sta­tionen machen, zumin­dest auf den ersten Blick, einiges her.

Dieser Bernio Ver­hagen also wech­selte am 5. November zum däni­schen Zweit­li­gisten Viborg FF – ablö­se­frei, vom chi­le­ni­schen Erst­liga-Verein Audax Ita­liano. In Viborg pries man den Weit­ge­reisten bei dessen Vor­stel­lung als super­schnellen, super-aggres­siven Fuß­baller“, und Ver­hagen bestä­tigte diese Lob­prei­sung super­schnell – durch super-aggres­sives Ver­halten: Er miss­han­delte seine Freundin und sperrte sie, laut ihrer Aus­sage, tage­lang in seinem Hotel­zimmer ein. Auf diese Weise sorgte der Neu­zu­gang erst­mals für, ähem, Schlag­zeilen. Das war am 15. November, also ganze zehn Tage nach Ver­ha­gens Ankunft in Viborg.

Funk­tio­näre können sich nicht an ihn erin­nern 

Auf dem Trai­nings­platz prä­sen­tiert sich der Offensiv-All­rounder nicht annä­hernd so furcht­ein­flö­ßend, im Gegen­teil: Ver­hagen agiert der­maßen harm- und hilflos, dass erheb­liche Zweifel an seiner fuß­bal­le­ri­schen Vita auf­ge­kommen sind: In einem Inter­view mit dem däni­schen Fuß­ball-Portal bold​.dk“ hatte der Nie­der­länder erklärt, er stamme aus der renom­mierten Nach­wuchs­aka­demie des Ere­di­vsie-Klubs Willem II Til­burg. Dort jedoch kann man mit dem Namen Bernio Ver­hagen nichts anfangen – weder in der Profi‑, noch in der Nach­wuchs-Abtei­lung, wie gleich zwei Ver­eins­funk­tio­näre gegen­über der däni­schen Zei­tung BT“ beteu­erten. Zwar kickte Ver­hagen laut Archiv des nie­der­län­di­schen Ver­bands KNVB als Teen­ager zwölf Monate für Willem II, einen blei­benden Ein­druck hin­ter­ließ er jedoch nicht.

Seine frü­heren Pro­be­trai­nings beim däni­schen Erst­li­gisten Randers FC und beim Zweit­li­gisten Naes­tved BK, von denen Ver­hagen der Presse erzählt hatte, dürften sogar kom­plett erfunden sein. Das jeden­falls lassen die Ver­ant­wort­li­chen der betref­fenden Ver­eine durch­bli­cken. Das Twitter-Foto, auf dem sich Ver­hagen in einem Polo­shirt des däni­schen Pokal­sie­gers FC Midtjyl­land vor einer offi­zi­ellen Spon­so­ren­wand prä­sen­tiert, ist wohl auch nur ein hoch­stap­le­ri­sches Gau­ner­stück. Midtjyl­lands Sport­di­rektor Svend Gra­versen schwört, diesem Bernio Ver­hagen nie begegnet zu sein.