Ger­hard Poschner, herz­li­chen Glück­wunsch!
Wozu?

Am 15.März 1997 konnten Sie mit dem VfB Stutt­gart 4:1 gegen den Borussia Dort­mund gewinnen. Können Sie sich denken, wieso aus­ge­rechnet dieses Spiel für Sie inter­es­sant sein sollte?
In der Saison spielten wir mit dem VfB sehr attrak­tiven Fuß­ball. Viel­leicht hatten wir einen beson­ders guten Tag und die Dort­munder einen weniger guten? Ich weiß es nicht.

In 15 Spielen der beiden Mann­schaften gegen­ein­ander, konnten Sie, egal für welche Seite Sie auf­liefen, nur einmal gewinnen. Der Poschner-Fluch?
(lacht) Ver­dammt! Das lag wahr­schein­lich daran, dass ich immer noch große Sym­pa­thien für meinen Ex-Verein hatte. Aber Spaß bei Seite, das wusste ich bis heute nicht.

Teil­weise waren sogar rich­tige Klat­schen dabei. Erin­nern Sie sich an das 7:0 der Stutt­garter gegen Ihren BVB am 18. Spieltag der Saison 1990/1991?
An das Spiel habe ich noch ganz böse Erin­ne­rungen. Karl All­göwer hat damals zwei Tore geschossen und der Isländer hat auch drei Tore gemacht. Wie hieß der nochmal?

Eyjölfur Sver­risson.
Das habe ich noch ganz gut im Kopf. Drei Tore aus 35 Metern ver­gisst man nicht so schnell. Aber ich bin von meinen Ex-Ver­einen nie besto­chen worden, auch wenn die Sta­tistik viel­leicht dagegen spricht. Ich hoffe, man glaubt mir das.

Kurz darauf setzte es noch eine 0:4‑Niederlage gegen den VfB, zu dem Sie dann 1994 wech­selten. Von da an gewann der BVB – inner­halb kurzer Zeit zweimal 5:0.
Diese Sta­tis­tiken waren damals bei mir über­haupt kein Thema. Ich bin nie in ein Spiel gegangen und hatte diese Nie­der­la­gen­serie im Hin­ter­kopf. Viel­leicht wäre das besser gewesen. Aber machen wir es ein­fach: Es lag aus­schließ­lich an mir. Der Poschner war zu schlecht. (lacht)

Gibt es aus Ihrer aktiven Zeit als Spieler noch irgend­welche Fuß­baller, zu denen Sie einen beson­deren Draht hatten und noch haben?
Zu meinen Stutt­garter Jungs gibt es noch sehr regen Kon­takt: Fredi Bobic, Marco Haber (Das legen­däre tra­gi­sche Dreieck“, d. Red.) oder Mat­thias Hagner. Auf Dort­munder Seite besteht ein gutes Ver­hältnis zu Michael Zorc und Teddy de Beer. Das ist das Schöne am Fuss­ball. Am Ende zählt nicht nur die Leis­tung, son­dern es ent­wi­ckeln sich Freund­schaften, die auch nach der Kar­riere bestehen bleiben.

Aus dem Profi-Geschäft dürfte Ihnen mitt­ler­weile nie­mand mehr etwas vor­ma­chen können. Sie waren Spieler, Berater, Gene­ral­di­rektor bei Real Sara­gossa und haben 2011 einen Kom­pakt­lehr­gang zur A‑Lizenz absol­viert. Sagen Sie es uns: Was macht einen erfolg­rei­chen Trainer aus?
Da gibt es keine Faust­regel. Jürgen Klopp ist auf­grund seiner akri­bi­schen Arbeit und seiner unglaub­li­chen Lei­den­schaft und Begeis­te­rung für den Job erfolg­reich. Das geeig­nete Gegen­stück zu ihm wäre Vicente del Bosque. Neben dem könnte eine Bombe explo­dieren und er würde nicht mal mit der Wimper zucken. Den­noch ist er erfolg­reich. Wichtig ist, dass ein Trainer authen­tisch bleibt. Anders geht es nicht.

Wie würde der Trai­nertyp-Poschner aus­sehen? Eher der beson­nene Vicente del Bosque oder der emo­tio­nale Jürgen Klopp?
Von meiner Art her, bin ich wahr­schein­lich eher der Vicente del Bosque-Typ. Kom­pro­misslos und kon­se­quent, doch man wird mich selten laut erleben.

Sehen wir Sie bald als Trainer am Spiel­feld­rand?
Eine Trai­ner­tä­tig­keit würde mir jeden­falls große Freude bereiten. Aller­dings stellt sich die Frage momentan nicht, da ich noch keinen Trai­ner­schein habe. Das wird in der nächsten Zeit nach­ge­holt, damit ich als Spieler, Manager und Trainer ein rundes Urteil über das Fuß­ball­ge­schäft fällen kann.

Und dann: Deutsch­land oder doch wieder Spa­nien?
Natür­lich auch Deutsch­land! Aber zunächst benö­tige ich den Trai­ner­schein und dann muss es da immer noch jemanden geben, der sagt: Ich könnte mir vor­stellen, dass der Poschner das nicht so schlecht macht. Andern­falls müsste ich mir einen eigenen Verein kaufen und dafür fehlt mir momentan das Geld.