Lil­lian Thuram ist ein ele­ganter Ver­tei­diger, der Inbe­griff von Tor­ge­fahr ist er jedoch nicht. Aber das erzählen Sie mal einem Kroaten. Denn es war eben dieser Thuram, der im Halb­fi­nale der WM 1998 beide Tore für die Fran­zosen erzielte, damit den Gast­geber ins End­spiel schoss und den Traum des Über­ra­schungs­teams aus Kroa­tien vom ganz großen Coup zer­störte.

Ein genialer Moti­vator

Bis dahin hatten die Kroaten einen weiten Weg zurück­ge­legt. Anfangs stand sogar ihre Teil­nahme am Tur­nier auf wack­ligen Füßen. Erst nach zwei Rele­ga­ti­ons­spielen gegen die Ukraine war klar, dass der kleine und noch junge Bal­kan­staat erst­mals zu einer Welt­meis­ter­schaft fahren würde. Schon danach ver­sank ein ganzes Land im Freu­den­taumel. Und das Gerüst der soge­nannten Vat­reni“, der Feu­rigen, können die Fans noch heute im Schlaf nach­beten: Vor Keeper Dražen Ladic for­mierte sich die robuste Defen­sive mit Dario Šimic, Igor Tudor, Igor Štimac und dem heu­tigen Natio­nal­trainer Slaven Bilic. Im Mit­tel­feld zog der ele­gante Zvonimir Boban die Fäden. Er war der Kopf einer spiel­starken Riege um den schnellen Robert Jarni, den emsigen Aljoša Asa­novic, Mario Stanic, Alt­meister Robert Pro­sin­ecki und Zvonimir Soldo. Im Sturm gab Davor Šuker die Leit­figur, ihm zur Seite stand Goran Vlaovic. Alen Bokšic, der das ent­schei­dende Tor in der Rele­ga­tion erzielt hatte, ver­letzte sich hin­gegen kurz vor der WM und konnte nicht teil­nehmen.

Ange­führt wurde das Team von Trainer Miroslav Blaževic – ein Heiß­sporn und genialer Moti­vator“ (Soldo). Aber auch ein pola­ri­sie­render Mensch. So war er ein enger Ver­trauter des mitt­ler­weile ver­stor­benen, auto­ri­tären Prä­si­denten Franjo Tucman und ist seit 1990 Mit­glied der natio­nal­kon­ser­va­tiven Partei HDZ. Blaževic gilt als Pole­miker, der 2005 gar mit einer eigens gegrün­deten Split­ter­partei für das Prä­si­den­tenamt kan­di­dierte. Sein oberstes Anliegen: die Ver­hin­de­rung des EU-Bei­tritts durch Nicht­aus­lie­fern des Kriegs­ver­bre­chers Ante Goto­vina. Es reichte jedoch nur zu einem Pro­zent der Wäh­ler­stimmen.

Von da an wussten wir, dass wir jeden schlagen können“

Im Sommer 1998 agierte Blaževic ungleich erfolg­rei­cher. Seine Truppe konnte die ersten beiden Grup­pen­spiele gewinnen, mit 3:1 gegen die jamai­ka­ni­schen Reggae-Boys und mit 1:0 gegen wuse­lige Japaner, und qua­li­fi­zierte sich vor­zeitig fürs Ach­tel­fi­nale. Nicht weiter tra­gisch also, dass das letzte Match gegen Argen­ti­nien mit 0:1 ver­loren ging – so zog Kroa­tien eben als Grup­pen­zweiter in die K.O.-Runde ein. Unser Ziel war mit dem Errei­chen des Ach­tel­fi­nals erreicht“, sagt Zvonimir Soldo heute. Von da an wussten wir, dass wir jeden schlagen können.“ Soldo nahm eine zen­trale Rolle ein, in der er dem bis­weilen genialen Spiel­ma­cher Boban den Rücken frei­hielt. Das gelang auch im Ach­tel­fi­nale vor­züg­lich, als die Kroaten mit 1:0 gegen Rumä­nien gewannen.