Peter Nie­meyer, heute Abend treffen Sie im Rück­spiel auf Ihren alten Verein Twente Enschede. Wie viel ist von diesem Klub eigent­lich noch übrig geblieben, den Sie 1999 erst­mals kennen gelernt haben?

Fuß­ball-Ver­eine ver­än­dern sich äußer­lich ständig, aber die Men­schen, die das Fun­da­ment bilden, bleiben. Das ist auch bei Twente so, da begrüßen einen der Platz­wart, die Ordner – wegen dieser mensch­li­chen Ver­bin­dung hat der Verein auch noch ein beson­deres Flair in meinen Augen.



Ist das in Bremen nicht der Fall?

Werder ist eine Nummer größer, da kannst Du als Spieler nicht mehr jeden Ordner begrüßen.

Sie sind in Hörstel nahe der deutsch-nie­der­län­di­schen Grenze geboren. Ver­raten Sie uns: Was sind die fuß­bal­le­ri­schen Unter­schiede zwi­schen den beiden Län­dern?

In Deutsch­land sind wir zufrieden, wenn man gewinnt. Egal wie schlecht man gespielt hat, denn das Ergebnis zählt. In Hol­land ist man auch dann zufrieden, wenn man schön gespielt, aber trotzdem ver­loren hat. Deut­scher Fuß­ball ist effek­tiver.

Und was gefällt Ihnen besser?

Die Ide­al­vor­stel­lung ist natür­lich schön spielen und gewinnen. Ansonsten kommt bei mir aber die deut­sche Ader zum Vor­schein. Ich spiele lieber schlecht und habe dafür am Ende gewonnen. Das ist auch der Grund, warum sich Twente schon in der Jugend immer zwei oder drei deut­sche Spieler in die Mann­schaften holt. Auch in Hol­land will man natür­lich lieber gewinnen.

Sie sind seit 2007 beim SV Werder unter Ver­trag, wirk­lich durch­ge­setzt scheinen Sie sich aber erst seit dem 21. Spieltag, als Sie Thomas Schaaf erst­mals in dieser Spiel­zeit von Beginn an gebracht hat.

Ich habe auch vorher schon Ein­satz­zeiten bekommen, unter anderem im UEFA-Cup-Finale und im Pokal-End­spiel in Berlin. Diese Chancen habe ich ganz gut genutzt, jetzt bilde ich ein kleines Mosa­ik­stein­chen in der Stammelf.

Was auch mit einer tak­ti­schen Umstel­lung zu tun hat: Weil Thomas Schaaf auf eine »Dop­pel­sechs« im defen­siven Mit­tel­feld umge­stellt hat, war neben Torsten Frings wieder ein Platz frei.

Das ist richtig. Wir haben schon in der Vor­be­rei­tung mit einer dop­pelten »6« gespielt, das klappte auch ganz gut. Der Trainer hat dann aber wieder auf die bewährte Raute umge­stellt. Bis eben vor ein paar Spiel­tagen und nun ist ein Platz frei für meine Ide­al­po­si­tion auf der Torsten und ich uns ganz gut ergänzen.

Als Werder Sie ver­pflich­tete, schwärmten alle über Ihren famosen Schuss. Wo bit­te­schön bleiben also die Fern­schuss­tore?

Mein erstes Tor für Werder war zwar ein Fern­schuss, aber fünf von meinen sechs Liga­toren in Hol­land hatte ich per Kopf gemacht. Schießen gehört dazu und je mehr Spiel­praxis ich bekomme, desto besser wird es auch mit der Genau­ig­keit. Gegen Lever­kusen hätte es ja fast geklappt. 

Ihr Mann­schafts­kol­lege Naldo wird hin­gegen immer erfolg­rei­cher bei seinen Ver­su­chen aus der Distanz. Was dabei auf­fällt: Er scheint seine Schuss­technik ver­än­dert zu haben, seit einiger Zeit schießt er ver­stärkt mit der Innen­seite…

Das ist mir noch gar nicht auf­ge­fallen.

Es gab also kein geheimes Frei­stoß­trai­ning?

Wenn, dann war es so geheim, dass auch ich davon nichts weiß.

Zum heu­tigen Spiel: Wie sehr liegt Werder die Spiel­weise von Twente Enschede?

Wir haben das Hin­spiel ver­loren (0:1, d. Red.), was also schon mal beweist, dass Twente nicht unser Lieb­lings­gegner sein kann. Die Aus­gangs­po­si­tion ist nicht über­ra­gend, aber unser Anspruch muss es sein, Enschede aus dem Wett­be­werb zu schmeißen.

Gibt es Spieler bei Twente, auf die man beson­ders achten sollte?

In Hol­land wird sehr viel über den Innen­ver­tei­diger Dou­glas, einen jungen Bra­si­lianer, gespro­chen. Was Enschede aber aus macht, ist das Kol­lektiv und nicht die Ein­zel­spieler.