Zu fort­ge­schrit­tener Stunde ging es also um Raul. Wie gefühl­voll er mit dem Ball umge­gangen und wie ehr­geizig er in jeder Trai­nings­ein­heit gewesen sei, selbst im Ren­ten­alter beim FC Schalke 04. Später erzählte Bernd Hol­ler­bach auch von Gra­fite, diesem mäch­tigen und zugleich geschmei­digen Angreifer, den er beim VfL Wolfs­burg als Co-Trainer von Felix Magath mal einen Berg hin­auf­ge­scheucht hatte. So lange, bis er win­selte. Und natür­lich war es die Pointe der Geschichte, dass dieser Gra­fite den Klub am Sai­son­ende zur Meis­ter­schaft schoss. Wie sollte es auch anders sein?

Es war ein gesel­liger Som­mer­abend in Hol­ler­bachs Eltern­haus in Rimpar, einer Gemeinde vor den Toren Würz­burgs. Ein paar Wochen zuvor hatte Hol­ler­bach nach dem Abstieg in die dritte Liga als Trainer der Kickers abge­dankt, nun reichte er, Hol­ler­bach, den Würz­burger Jour­na­listen zum Abschied Leber­wurst und Salami aus der haus­ei­genen Metz­gerei. Und weil er kein Mann ist, der es in einer hei­teren Runde bei einem Bier bewenden lässt, geriet er irgend­wann ins Plau­dern. Über Raul. Über Gra­fite. 

Natür­lich waberte auch diese Frage durch den Raum: Was soll das Ganze? Doch Hol­ler­bach war das ein­fach wichtig: sich gebüh­rend von der Familie zu ver­ab­schieden. Und zur Familie zählte er in Würz­burg eben auch die Jour­na­listen.

In Ham­burg halten sich Zuver­sicht und Skepsis die Waage

Inzwi­schen ist Hol­ler­bach beim Ham­burger SV in der Bun­des­liga ange­kommen und löst mit seinem Enga­ge­ment kon­träre Reak­tionen aus: In Würz­burg fragen sich die Leute, wieso er sich den HSV antut – in Ham­burg halten sich Zuver­sicht und Skepsis die Waage. Nicht wenige wun­dern sich, dass die Ver­ant­wort­li­chen einen Trainer mit der Ret­tung beauf­tragen, der sich in der ver­gan­genen Saison mit den Kickers ohne Rück­runden-Sieg aus der zweiten Bun­des­liga ver­ab­schiedet hat. 

Schon damals in Würz­burg, zum Ende seiner drei­jäh­rigen Amts­zeit, mehrten sich kri­ti­sche Fragen: über die Auf­stel­lung oder dar­über, wes­halb seine Mann­schaft so oft späte Gegen­tore kas­siere. Hol­ler­bach ver­stand das als Angriff auf die Familie.

Auch des­halb ergoss sich nun einmal mehr Spott über Ham­burg: weil die Ver­ant­wort­li­chen einen Trainer enga­giert haben, der in der zweiten Liga geschei­tert ist. Wie weit­sichtig die Ent­schei­dung der Füh­rungs­riege sei, habe Ham­burg nun doch einen Trainer mit Erfah­rungen im Unter­haus, hieß es etwa. Wer Hol­ler­bach aber kennt, traut ihm durchaus zu, als Sofort­hilfe zu taugen – nicht nur, weil der berüch­tigte Ex-Profi mit dem Kampf­namen Hol­leraxt“ seinen Ver­tei­di­gern die Lehre der gewis­sen­haften Schien­bein­po­litur näher­bringen kann. 

Du musst sie nur laufen lassen“

Am Mon­tag­nach­mittag betrat Ham­burgs neuer Coach zum ersten Mal den Trai­nings­platz am Volks­park­sta­dion. Ein Fan rief ihm zu: Du musst sie nur laufen lassen.“ Und tat­säch­lich wies Hol­ler­bach seine neue Mann­schaft zu Beginn der Ein­heit erst mal an, ein paar Runden zu drehen. Schon in Würz­burg haf­tete ihm der Ruf eines Fit­ness­trai­ners an. Er setzt als Schüler Felix Magaths zwar tat­säch­lich auf einen phy­si­schen Fuß­ball – ihn darauf aber zu redu­zieren oder ihn als Dis­zi­plin­fa­na­tiker zu brand­marken, das wird ihm kaum gerecht.