Seite 2: Wie die FIFA den Beratermarkt regulieren will

Offi­ziell geleitet wird die neue Bera­ter­firma von Danny Vin­cent, einem in der Fuß­ball­szene wenig bekannten Akteur, der jedoch Bemer­kens­wertes ankün­digt: MTK ist das größte und beste Unter­nehmen im all­ge­meinen Managen von Elite-Kämp­fern (MTK zählt auch MMA-Sportler zu seinem Kun­den­stamm; die Redak­tion). Ich und mein Team glauben, dass unsere Lei­den­schaft und unsere Exper­tise dazu bei­tragen werden, dass wir diesen Erfolg auch auf den Fuß­ball über­tragen können.“ Paul Gibson, stra­te­gi­scher Chef von MTK Global, findet: Es gab schon immer eine große Affi­nität zwi­schen Boxen und Fuß­ball: Viele unserer Kämpfer steigen in den Farben ihres lokalen Klubs in den Ring, und viele Fuß­baller sitzen wäh­rend unserer Kämpfe regel­mäßig in der ersten Reihe.“ Gibson sagt, er freue sich auf Syn­er­gien, die es zwei­fels­ohne gibt“.

Und wäh­rend der eng­li­sche Ver­band sowie die Pre­mier League vor allem um die Repu­ta­tion der Mil­li­ar­den­ma­schi­nerie Fuß­ball besorgt sind, dürften bis­he­rige Platz­hir­sche der Spie­ler­be­rater-Branche um ihre Markt­an­teile bangen, denn MTK gilt – zumin­dest in der Box-Branche – als nicht gerade als zim­per­lich: Der ehe­ma­lige iri­sche Feder­ge­wichts-Welt­meister Barry McGu­igan berich­tete von ziem­lich offen­siven Abwerbe-Maß­nahmen, um gewinn­träch­tige Kämpfer aus anderen Ställen los­zu­eisen. Heute hat MTK Global 300 Boxer unter Ver­trag, dar­unter zahl­reiche Welt­meister. Auch im Fuß­ball dürfte das Unter­nehmen eher im großen Maß­stab denken.

Wer ver­dient alles mit?

Und das aus­ge­rechnet in einer Zeit, in der die FIFA unter den Bera­tern auf­räumen will, um vor allem schwarzen Schafen Geld und Macht zu ent­ziehen. Eine der Kern­maß­nahmen soll die Wie­der­ein­füh­rung eines Lizen­zie­rungs-Sys­tems für Berater sein. Die neue FIFA-Lizenz soll nur durch regel­mä­ßige Teil­nahme an Fort­bil­dungs­kursen vor dem Erlö­schen bewahrt werden. Zudem ist eine starre Decke­lung der bei Ver­trags­ab­schlüssen anfal­lenden Bera­ter­pro­vi­sionen auf sechs Pro­zent vom Gehalts­vo­lumen im Gespräch, wobei künftig die eine Hälfte der Pro­vi­sion vom auf­neh­menden Verein und die andere Hälfte vom Spieler selbst ent­richtet werden könnte.

Der Welt­ver­band könnte derlei Reform­be­stre­bungen jetzt noch ener­gi­scher vor­an­treiben, denn der Fall MTK passt zum jüngsten Trend, in dessen Zuge immer mehr dubiose Figuren und Orga­ni­sa­tionen ins Fuß­ball­ge­schäft drängen. Wäh­rend Bild hier­zu­lande regel­mäßig über eine zuneh­mende Nähe von (Bundesliga-)Profis zu berüch­tigten Clan-Mit­glie­dern berichtet, sind kri­mi­nelle Orga­ni­sa­tionen in anderen Län­dern offenbar schon mit­ten­drin statt nur dabei, wenn es um Trans­fers und Kohle geht: Als der spä­tere HSV-Legionär Nabil Bahoui im Sommer 2015 für 2,5 Mil­lionen Euro von AIK Solna in Schweden zum sau­di­schen Klub Al-Ahli wech­selte, ver­si­ckerten 1,2 Mil­lionen in den Taschen zwie­lich­tiger Zwi­schen­händler. Nach dem Geld wird bis heute fie­ber­haft gefahndet.