Eines ver­spricht der Profi-Box­stall MTK Global seinen Schütz­lingen in die Hand: We fight for you“ – wir kämpfen für dich. Ähn­lich tat­kräftig will das Unter­nehmen auch auf seinem neuen Geschäfts­feld agieren: MTK Global, 2012 gegründet von einem gewissen Daniel Kinahan und Part­nern, hat den Ein­stieg in die Spie­ler­be­rater-Branche ange­kün­digt. Ein Schritt, der den Pro­fi­fuß­ball vor allem in Groß­bri­tan­nien in Schnapp­at­mung ver­setzt. Denn Kinahan (43), geboren und auf­ge­wachsen in einem Dub­liner Pro­blem­viertel, gilt als ganz große Nummer im orga­ni­sierten Ver­bre­chen. Das Cri­minal Assets Bureau, eine iri­sche Straf­ver­fol­gungs­be­hörde, bezich­tigte ihn öffent­lich, die Geschäfte des berüch­tigten Kinahan-Kar­tells kon­trol­liert und gema­nagt“ zu haben.

Daniel Kinahan gilt als einer der größten Dro­gen­ba­rone Irlands, so wie sein Vater, der berüch­tigte Christy Dapper Don“ Kinahan (62). Der Clan soll zudem in inter­na­tio­nale Waf­fen­schie­be­reien nach Irland, Groß­bri­tan­nien und auf das euro­päi­sche Fest­land ver­strickt sein. In Dublin sorgt über­dies eine blu­tige Fehde zwi­schen den Kina­hans und der Hutch-Gang für Schlag­zeilen: Min­des­tens 20 Morde sollen im Zuge dieser Revier­strei­tig­keiten verübt worden sein. Daniel Kinahan, der seinen Wohn­sitz längst in den ara­bi­schen Raum ver­legt hat, bestreitet alle gegen ihn erho­benen Vor­würfe und betonte zuletzt gegen­über talk​sport​.com, es habe nie eine Ver­ur­tei­lung seiner Person vor einem ordent­li­chen Gericht gegeben: Keine. Weder in Irland, noch sonst irgendwo auf der Welt.“ Kina­hans Vater aller­dings wurde 1980 wegen des Schmug­gels von Heroin ver­haftet und zu sechs Jahren Gefängnis ver­ur­teilt.

Kinahan hat einen Welt­meister geformt

All das sollte man wissen, wenn man ver­stehen will, warum im bri­ti­schen Fuß­ball der­zeit die Alarm­glo­cken läuten. Zwar hatte MTK Global bereits 2017 beteuert, sämt­liche geschäft­li­chen Ver­bin­dungen zu Daniel Kinahan gekappt zu haben, doch im Hin­ter­grund mischte der umtrie­bige Ire zuletzt weiter mit und beriet“ ein­zelne Boxer per­sön­lich“, wie die BBC berich­tete. Kein Gerin­gerer als der bri­ti­sche Schwer­ge­wichts-Welt­meister (nach WBC-Ver­sion) Tyson Fury lobte den umstrit­tenen Geschäfts­mann über den grünen Klee: Kinahan sei der­je­nige gewesen“, der ihm, dem zwi­schen­zeit­lich abge­stürzten Klitschko-Bezwinger, den Weg zurück an die Spitze geebnet“ habe. Aller­dings stellte Furys US-ame­ri­ka­ni­scher Pro­moter Bob Arum im ver­gan­genen Jahr klar, der Champ stehe in kei­nerlei Bezie­hung mehr zu Kinahan.

Anders als im Box­sport, wo eine gewisse Nähe zum Gangs­tertum mit­unter sogar zum guten Ton gehört, will die bri­ti­sche Fuß­ball­branche mit einem wie Daniel Kinahan gar nicht erst in Ver­bin­dung gebracht werden. Als nun ruchbar wurde, dass MTK Global mit seinem neuen Unter­neh­mens­zweig (MTK Foot­ball) künftig auch Stars der Pre­mier League managen will, glühten in London die Tele­fon­lei­tungen zwi­schen FA und Liga­ver­tre­tern. Der bri­ti­sche Bou­le­vard stürzte sich der­weil auf die Gangster-Geschichte“. Und der Guar­dian“, eine Qua­li­täts-Zei­tung, rich­tete deli­kate Fragen an das Unter­nehmen: ob man bereits erste Spieler zu seinen Kli­enten zählen könne und ob Daniel Kinahan bei den Geschäften mit­mi­sche. Die Zei­tung erhielt darauf keine Ant­worten.

Offi­ziell geleitet wird die neue Bera­ter­firma von Danny Vin­cent, einem in der Fuß­ball­szene wenig bekannten Akteur, der jedoch Bemer­kens­wertes ankün­digt: MTK ist das größte und beste Unter­nehmen im all­ge­meinen Managen von Elite-Kämp­fern (MTK zählt auch MMA-Sportler zu seinem Kun­den­stamm; die Redak­tion). Ich und mein Team glauben, dass unsere Lei­den­schaft und unsere Exper­tise dazu bei­tragen werden, dass wir diesen Erfolg auch auf den Fuß­ball über­tragen können.“ Paul Gibson, stra­te­gi­scher Chef von MTK Global, findet: Es gab schon immer eine große Affi­nität zwi­schen Boxen und Fuß­ball: Viele unserer Kämpfer steigen in den Farben ihres lokalen Klubs in den Ring, und viele Fuß­baller sitzen wäh­rend unserer Kämpfe regel­mäßig in der ersten Reihe.“ Gibson sagt, er freue sich auf Syn­er­gien, die es zwei­fels­ohne gibt“.

Und wäh­rend der eng­li­sche Ver­band sowie die Pre­mier League vor allem um die Repu­ta­tion der Mil­li­ar­den­ma­schi­nerie Fuß­ball besorgt sind, dürften bis­he­rige Platz­hir­sche der Spie­ler­be­rater-Branche um ihre Markt­an­teile bangen, denn MTK gilt – zumin­dest in der Box-Branche – als nicht gerade als zim­per­lich: Der ehe­ma­lige iri­sche Feder­ge­wichts-Welt­meister Barry McGu­igan berich­tete von ziem­lich offen­siven Abwerbe-Maß­nahmen, um gewinn­träch­tige Kämpfer aus anderen Ställen los­zu­eisen. Heute hat MTK Global 300 Boxer unter Ver­trag, dar­unter zahl­reiche Welt­meister. Auch im Fuß­ball dürfte das Unter­nehmen eher im großen Maß­stab denken.

Wer ver­dient alles mit?

Und das aus­ge­rechnet in einer Zeit, in der die FIFA unter den Bera­tern auf­räumen will, um vor allem schwarzen Schafen Geld und Macht zu ent­ziehen. Eine der Kern­maß­nahmen soll die Wie­der­ein­füh­rung eines Lizen­zie­rungs-Sys­tems für Berater sein. Die neue FIFA-Lizenz soll nur durch regel­mä­ßige Teil­nahme an Fort­bil­dungs­kursen vor dem Erlö­schen bewahrt werden. Zudem ist eine starre Decke­lung der bei Ver­trags­ab­schlüssen anfal­lenden Bera­ter­pro­vi­sionen auf sechs Pro­zent vom Gehalts­vo­lumen im Gespräch, wobei künftig die eine Hälfte der Pro­vi­sion vom auf­neh­menden Verein und die andere Hälfte vom Spieler selbst ent­richtet werden könnte.

Der Welt­ver­band könnte derlei Reform­be­stre­bungen jetzt noch ener­gi­scher vor­an­treiben, denn der Fall MTK passt zum jüngsten Trend, in dessen Zuge immer mehr dubiose Figuren und Orga­ni­sa­tionen ins Fuß­ball­ge­schäft drängen. Wäh­rend Bild hier­zu­lande regel­mäßig über eine zuneh­mende Nähe von (Bundesliga-)Profis zu berüch­tigten Clan-Mit­glie­dern berichtet, sind kri­mi­nelle Orga­ni­sa­tionen in anderen Län­dern offenbar schon mit­ten­drin statt nur dabei, wenn es um Trans­fers und Kohle geht: Als der spä­tere HSV-Legionär Nabil Bahoui im Sommer 2015 für 2,5 Mil­lionen Euro von AIK Solna in Schweden zum sau­di­schen Klub Al-Ahli wech­selte, ver­si­ckerten 1,2 Mil­lionen in den Taschen zwie­lich­tiger Zwi­schen­händler. Nach dem Geld wird bis heute fie­ber­haft gefahndet.