Feliz ano nuevo sagen die Spa­nier, wenn sie sich ein frohes neues Jahr wün­schen. Bei Real Madrid klingt das gerade so: Jedes Mal die gleiche Scheiße“. So schimpfte Luka Modric am Sonntag, nachdem er gerade im Ber­nabéu 0:2 gegen Real Sociedad ver­loren hatte – nur drei Tage nach dem wenig berau­schenden 2:2 gegen Vil­lareal, sei­ner­seits Tabellen-17. Nach acht Liga­spielen zählen die König­li­chen jetzt sechs Nie­der­lagen, 30 Punkte, Tabellen-Rang fünf und zehn Punkte Rück­stand auf den FC Bar­ce­lona. Ruine“ (Marca), Desaster!“ (Mundo Depor­tivo), Rein­fall“ (El Paìs) schreiben die spa­ni­schen Blätter. Wie man’s nennt, der Neu­jahrskater hält an in Madrid. Woran liegt’s?

Offensiv geht wenig zusammen, Ronaldo wurde nicht ersetzt, Zidane fehlt, viele Spieler sind nicht auf ihrem Niveau“, urteilt Nils Kern, Chef des Fach­ma­ga­zins Real-Total“. Er lebt in Madrid und beschreibt die Stim­mung in der Stadt momentan als eher bescheiden“. Aber der Reihe nach. 

Der Trainer
Seit Oktober ist Sant­iago Solari Chef­trainer in Madrid. Als er das Amt von seinem Vor­gänger Julen Lope­tegui über­nahm, hatte die Mann­schaft nach zehn Spiel­tagen nur 14 Punkte geholt und stand auf Platz neun der Pri­mera Divi­sion. Solaris Erfah­rung beschränkte sich auf die U19 und die zweite Mann­schaft von Real, dem­entspre­chend schlecht kommt er in der Krise bei der spa­ni­schen Presse weg. Solari habe kein Pres­tige, keine Per­sön­lich­keit und sei nicht in der Lage, Ent­schei­dungen zu treffen, urteilte Marca“. 

Das ist zu hart“, sagt Kern, Solari ist gut gestartet, jetzt muss er aber die Fehler seines Vor­gän­gers aus­baden.“ Die Mann­schaft hätte gleich nach dem Abgang von Ronaldo und Zidane eine neue For­ma­tion gebraucht. Außerdem braucht es mehr Rota­tion“, findet Kern. Mar­celo leistet sich einen Patzer nach dem anderen – wenn Solari Isco wegen schlechter Leis­tungen auf die Bank setzt, warum nicht auch Mar­celo?“ Kerns Fazit: Flo­ren­tino Pérez hat noch Geduld mit Solari. Wenn die nächsten zwei Spiele aber auch ver­loren gehen, ist er weg.“

Die Spieler selbst scheinen indes noch hinter Solari zu stehen. Er leistet gute Arbeit. Der Trainer hat große Lust“, sagte Luka Modric. Ob er selbst auch noch Lust auf Real hat, erwähnte er nicht.

Die alten Stars
Nunja: Sergio Ramos: 32, Luka Modric: 33, Mar­celo: 30, Karim Ben­zema: 31 und auch Toni Kroos ist schon 29. Über Letz­teren spottet die spa­ni­sche Presse gar, seine Luft reiche nur noch für eine Halb­zeit. Dass das stimmt, ist zu bezwei­feln, außerdem ist der Genera­ti­ons­wechsel bei Real in vollem Gange: Gerade kam Brahim Diaz aus Man­chester, 19 Jahre jung und Guar­diolas Schüler. Sein Opa, Real-Fan, sagte ange­sichts des Wech­sels, dass er nun bereit sei, zu sterben, so schön sei das. Dazu zeigt der 18-Jäh­rige Viní­cius kon­stant, dass er Luft auch für drei Halb­zeiten hätte. Und dann sind da ja auch noch die Herren Varane, Cas­emiro, Vas­quez und Car­vajal – alle im besten Fuß­bal­ler­alter zwi­schen 22 und 27. Per­fekte Über­lei­tung zum nächsten Grund:

Die Form­schwa­chen
Marco Asensio, nach Ronaldos Abgang große Hoff­nung, merkte man die Last des Erbes im Real-Sturm in dieser Hin­runde nicht nur einmal an. Ich bin nicht der­je­nige, der das Team anführen soll“, sagte er im November ange­sichts des Drucks, zur Füh­rung gebe es ältere Spieler mit höherem Status. Isco sitzt wegen ver­meint­lich schlechter Trai­nings­leis­tungen auf der Bank. 100-Mil­lionen-Mann Gareth Bale wird im Ber­nabeu aus­ge­pfiffen, schaute sich die Pleite gegen Real Sociedad ver­letzt von der Tri­büne an und fuhr vor Spie­lende nach Hause. Mar­celo und Ramos scheinen zudem noch immer im Post-WM-Tief zu ste­cken, und jetzt ist auch noch Toni Kroos ver­letzt, zwei bis drei Wochen fällt er aus, Adduk­toren. Was macht eigent­lich CR7?

Wir ver­missen Cris­tiano!“
Der macht in Turin weiter, womit er in Madrid auf­ge­hört hat, und schießt fleißig Tore. Und tritt immer mal wieder nach: Juventus erfüllt mir alle Wün­sche“, ließ er wissen, und Juve sei das beste Team, in dem er je gespielt habe. Zur Ehrung von Modric bei der Ballon‑D’Or-Gala kam er dann auch gar nicht erst. In Madrid ver­misst man ihn trotzdem, wie die AS“ schrieb, oder befeuert den Rosen­krieg noch ein biss­chen, wenn man als Zei­tung in Bar­ce­lona sitzt, wie die Sport“: Die Pro­bleme des Kaders wurden in den letzten Jahren durch die Tore von Cris­tiano Ronaldo ver­schleiert. Ohne ihn gibt es keine Tore„. 

Die Video­schieds­richter
Genauer gesagt: der“ Video­schieds­richter. Denn den Unpar­tei­ischen, der gegen Real Sociedad min­des­tens einen berech­tigten Elf­meter für Madrid nicht gab, hatte die könig­liche Medi­en­ab­tei­lung schon vorher auf dem Kieker: Nach der Nie­der­lage gegen Sociedad ver­öf­fent­lichte Reals haus­ei­gener TV-Sender ein Video, in dem sich Schieds­richter Munuera Mon­tero offenbar über drei Gegen­tore für Real freut. Das Film­chen zeigt, wie er sich mit einem Kol­legen im VAR-Raum abklatscht, es soll vom November stammen. Um welche Situa­tion es sich dabei wirk­lich han­delt, ist aber völlig unklar. Womög­lich geht es bei dem High-Five eher um eine richtig bewer­tete Spiel­ak­tion durch den Video­be­weis. Eher unkö­nig­lich, diese Unter­stel­lung.

Die Spiel­weise
Beson­ders nach dem Spiel gegen Sociedad urteilten viele Experten, dass Real unter Solari zu hastig nach vorne spiele, dass die Mann­schaft den Gegner nicht mehr ermüde durch end­loses Pass-Geschiebe im Mit­tel­feld, wie das oft unter Zidane der Fall war. Stimmt auch: Das Team wirkt ins­ge­samt anfäl­liger nach Ball­ver­lusten, vorne fehlt der Voll­stre­cker. Barca hat bisher fast dop­pelt so viele Tore geschossen. Das sta­bile System ist nach Zidanes und Ronaldos Abgang zusam­men­ge­bro­chen“, urteilt Real-Experte Kern, Lope­tegui und Solari haben ver­passt, es an den aktu­ellen Kader anzu­passen und zu erneuern.“

Fazit
Das wird wieder“, sagt Kern. Auch mit Cris­tiano hatte Real nach man­cher Hin­runde mal nur 35 Punkte. Wenn die Cham­pions League in die heiße Phase geht, beginnt der Real-Modus, dann besinnen sich die Spieler.“ Mög­lich, dass die Form­kurven dann wieder nach oben zeigen. Ob Solari dann noch auf der Bank sitzt, ist min­des­tens frag­lich. Und in Man­chester hat gerade ein alter Bekannter seinen Job ver­loren.