Es ist recht ein­fach: Die öko­lo­gi­sche Nische einer Art ist die Gesamt­heit aller abio­ti­schen und bio­ti­schen Umwelt­fak­toren im Lebens­raum, die diese Orga­nis­me­nart zum Leben braucht, bezogen auf Nah­rung, Brut­räume, Fang­me­thoden, Akti­vi­täts­zeiten.“ Für den Nicht-Bio­logen her­un­ter­ge­bro­chen: Wenn ein Tier über­leben will, sucht es sich eine ein­zig­ar­tige Umwelt ohne Kon­kur­renten. Oder stirbt.

So gesehen, war Gon­zalo Castro zu Beginn seiner Kar­riere ein groß­ar­tiger Über­le­bens­künstler. Mit 17 Jahren bei Bayer 04 Lever­kusen in die Senio­ren­mann­schaft gerückt, spielte er in seiner ersten Saison vor­nehm­lich als Außen­ver­tei­diger und im defen­siven Mit­tel­feld. Mal Links­ver­tei­diger, dann Rechts­ver­tei­diger, rechtes Mit­tel­feld – und dann wieder in der zweiten Mann­schaft. Keine Ansprüche stellen, Haupt­sache mit­spielen.

Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?“

Und so schwamm Castro lange mit im Fahr­wasser der Rhein­länder. Erst auf der rechten Außen­bahn. Dann, als ihm Daniel Schwaab seinen Platz streitig machte, auf der linken Seite und im defen­siven Mit­tel­feld. Zum Ende seiner Ver­trags­lauf­zeit auch im zen­tralen Mit­tel­feld. Und hinter der Spitze gegen den Ham­burger SV, als er direkt zwei Tore schoss und zwei wei­tere vor­be­rei­tete.

Kein Wunder, dass Castro im Zuge der Affäre zwi­schen DFB und Team­kol­lege Stefan Kieß­ling eben­falls ins Blick­feld der Natio­nal­mann­schaft geriet. Immerhin hatte er doch mit der gol­denen U21-Genera­tion die Euro­pa­meis­ter­schaft 2009 gewonnen. Zwei Jahre zuvor war Castro bereits von der A‑Nationalelf ein­ge­laden worden – seitdem nicht mehr. Und Castro gestand in einem 11FREUNDE-Inter­view: Ich habe mir irgend­wann ein­fach gesagt: Es reicht bei dir offenbar nicht für die Natio­nal­mann­schaft. Ich glaube, dass es zu viele Kopf­schmerzen kostet, wenn man jedes Mal dar­über nach­denken muss: Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?“

Lieber in der eigenen Nische bleiben. Und die sollte vor­erst Bayer Lever­kusen heißen.

286 Bun­des­li­ga­spiele in zehn Jahren

Bis zu seinem Abschied im Jahr 2015 hatte der Deutsch-Spa­nier dabei nicht nur alle Posi­tionen, inklu­sive des Zeug­warts und abge­sehen vom Tor­wart, durch­laufen, son­dern nach zehn Jahren auch beein­dru­ckende 286 Bun­des­liga-Spiele für nur einen Verein absol­viert. Als 28-Jäh­riger.